Hintergründe zum Krieg in Afghanistan

Informationsveranstaltung zu Afghanistan mit Andreas Zumach
26.9.2010: Am 22.9.2010 hatte der Friedenskreis Castrop-Rauxel zusammen mit der Volkshochschule zu einer Veranstaltung mit Andreas Zumach geladen. Andreas Zumach ist internationaler Korrespondent der Berliner "tageszeitung" (taz) und berichtet als freier Journalist seit vielen Jahren aus Genf über Themen aus der Sicherheitspolitik, der Rüstungskontrolle und der multilateralen Institutionen. 21 interessierte Zuhörer folgten seinen Ausführungen über die Hintergründe des Krieges in Afghanistan, die auch Aspekte beleuchteten, die normalerweise nicht berücksichtigt werden.

Dazu gehört beispielsweise, dass Hilfsorganisationen, die 2004 teilweise noch dazu aufgerufen hatten, den militärischen Einsatz in Afghanistan auszuweiten, inzwischen weitere Kooperation mit dem Militär verweigern.

Die einzige Ökonomie, die im Land funktioniert, ist die Drogenökonomie. Neun Zehntel der Opiumproduktion mit einem geschätzten Exportwert von 3,4 Milliarden Dollar kommt inzwischen aus Afghanistan, etwa die Hälfte wird in dem umkämpften Gebiet um Helmand angebaut. Alle, die daraus Profit ziehen, sind an der Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Strukturen mit fortwährender Destabilisierung interessiert .

Andreas Zumach verwies die offizielle Begründung des militärischen Engagments als Sicherstellung des friedlichen Wiederaufbaus noch einmal in das Reich der Märchen angesichts des Verhältnisses von zivilen zu militärischen Mitteln, die dort eingesetzt werden. Für die USA übersteigen die militärischen die zivilen Ausgaben um das Elffache, für Deutschland etwa um das Siebenfache.

Als fundamentale Fehleinschätzung der Verhältnisse in Afghanistan hat sich inzwischen auch die Annahme erwiesen, durch den Einsatz einer neuen Zentralregierung in Kabul eine Stabilisierung des ganzen Landes bewirken zu können. Diese Entwicklung war vorauszusehen für ein Land, in dem bisher nie zentralstaatliche Strukturen verankert waren. Für eine Lösung des Konfliktes sind deshalb Verhandlungen mit den regionalen Machthabern über eine Einstellung der Gewalt unerläßlich. Allerdings sind dafür undurchsichtige Hinterzimmergespräche der gegenwärtigen Regierung unter Karsai, die mehr der Rettung der eigenen Haut als der Stabilisierung der lage dienen, wenig hilfreich.

In der anschließenden Diskussion ging es auch immer wieder um die Rolle der Medien, die von Andreas zumach bereits in seiner Ansprache anläßlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises dargelegt wurde.
26.09.2010