Kooperationsvertrag zwischen Schule und örtlich stationierter Luftwaffe

Realschule Kalkar (Niederrhein) gibt Unterricht an die Bundeswehr ab
15.8.2010: Pädagogen und Schulleitungen am Niederrhein stehen stramm, wenn sich die Bundeswehr als Schule der Nation präsentiert. So wurden kurz vor den Ferien 55 Schülerinnen und Schüler der Gustav-Adolf-Hauptschule Goch, sowie des Gymnasium Aspel in Rees im Rahmen einer schulischen Veranstaltung in die Bundeswehrkaserne nach Wesel gefahren, um dort Einblicke in das Leben der Soldaten″ (Pressemitteilung der Bundeswehr) zu bekommen. Dies wurde den Schülerinnen und Schülern dann als eine Art Abenteuercamping mit sportlichen Geländespielen und mit dem faszinierendem Gebrauch echter Waffen in einem Schießkino″ vorgeführt, inklusive einem Wunschmenu aus der Truppenküche.

Für die Schulleitung der Realschule Kalkar sind solcherart Militärerlebnistage anscheinend nicht genug. Sie toppte das Ganze mit einem Kooperationsvertrag zwischen Schule und örtlich stationierter Luftwaffe. Laut Kooperationsvertrag sollen ab September acht Schülerinnen im Rahmen des Projektes Mädchen wählen Technik″ ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich von Bundeswehrausbildern in der Luftwaffenkampfführungsanlage″ Uedem unterrichtet werden. Bei dem Projekt sollen neben der Förderung von technischen Interessen″ den Schülerinnen - laut Pressemitteilung der Bundeswehr – wichtige Impulse zur Berufs- und Lebensplanung″ gegeben werden.

Mit hohem finanziellen und personellen Aufwand und der Kooperationsvereinbarung mit dem Schulministerium des Landes NRW vom Okt. 2008 versucht die Bundeswehr als kriegsführender Militärapparat Einfluss auf die schulische Bildung zu nehmen, sich mit dem Image eines ganz normalen Arbeitgebers zu präsentieren, ihre Akzeptanz in der Bevölkerung zu verbessern und neue Zeit- und Berufssoldaten für Kriegseinsätze zu rekrutieren.

Das reicht von Informations- und Bildungsveranstaltungen für Lehrer und Referendare über Auftritte von Jugendoffizieren im Unterricht und Truppenbesuche von Schulklassen bis hin zu Kooperationsvereinbarungen von einzelnen Schulen mit der Bundeswehr. Wobei hier die Städtische Realschule Kalkar mit der geplanten Abgabe ihres Unterrichts- und Erziehungsauftrages an die Bundeswehr eine Vorreiterrolle bei der Militarisierung schulischer Bildung und der pädagogischen Verantwortungslosigkeit übernimmt.

Kinder und Jugendliche dem Einfluss eines Militärapparates auszusetzen steht in fundamentalem Gegensatz zu Bildungszielen wie der Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen, der Toleranz gegenüber anderer Kulturen und der Kritikfähigkeit gegenüber Manipulationen.

Es ist dringend geboten, den zunehmenden Einfluss der Bundeswehr auf die schulische Bildung zu stoppen. Auf Landesebene sollte das Schulministerium die Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr umgehend aufkündigen.

Die Schulleitung der Realschule Kalkar sollte an ihre pädagogische Verantwortung erinnert werden. Ihre Entscheidung, der Bundeswehr Unterricht zu überlassen, ist zu revidieren.

Entsprechende Schreiben, Anrufe, Mails können gerichtet werden an:

Städtische Realschule Kalkar, Am Bollwerk 14 in 47546 Kalkar

Tel. 02824-9999-41 Mail: sekreteriat@realschule-kalkar.de
15.08.2010