Die Eroberung der Klassenzimmer:

Bundeswehr im Berufskolleg Castrop-Rauxel
27.7.2010: 9 Jahre Militäreinsatz in Afghanistan haben Konflikte weder verhütet noch bewältigt sondern zur Eskalation beigetragen. Nun soll ausgerechnet das Militär in den Schulen "globale Konfliktverhütung" und "Krisenbewältigung" vermitteln. Im November 2009 lud die Bundeswehr auch Schüler des Berufskollegs in Castrop-Rauxel zum Simulationsspiel "Polis". Die Bundeswehr, nach dem Grundgesetz ausschließlich für die Landesverteidigung zuständig, hat in Klassenzimmern und in der Lehrerbildung genau so wenig zu suchen wie in Afghanistan. Der Friedenskreis hatte deshalb im letzten Jahr mit einem offenen Brief gegen dieses Ereignis protestiert. Bei einem Infostand am 24.7.2010 nahmen wir das Thema wieder auf und informierten über die Kooperation zwischen der Bundeswehr und den Kultusministerien.

20.000 "leistungsfähige und -willige Soldaten" soll eine bisher beispiellose Werbekampagne der Bundeswehr jährlich rekrutieren: über 1.000 Werbeauftritte absolvierte die Bundeswehr allein 2009 bei Festen, Messen, in Arbeitsagenturen und Schulen. Inzwischen hat die Bundeswehr auch die jugendgemäßen Internetdienste wie Facebook oder Twitter für ihre Propaganda entdeckt. Die "Akademie für Information und Kommunikation" der Bundeswehr in Strausberg veranstaltete im Juni 2010 einen Kongress, der hochrangige Manager der IT-Branche, Wissenschaftler der Technischen Universität Ilmenau und des Berliner Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme sowie Chefredakteure privater und öffentlich-rechtlicher Medien mit Vertretern der Bundeswehr zusammenführte, um diesen weitere internetbasierte Einflussmöglichkeiten nahezubringen.

Neben diesem Jugendmarketing im Freizeitbereich haben die zahlreichen Kooperationsabkommen zwischen Landesregierungen und Bundeswehr eine vorrangige bedeutung, denn sie haben den flächendeckenden Einsatz sogenannter Jugendoffiziere in deutschen Schulen zum Ziel. Nach Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hat unlängst auch Bayern eine solche Vereinbarung mit dem Militär getroffen.

Wie german-foreign-policy.com am 17.6.2010 berichtet, "regt sich mittlerweile Widerstand. Bereits Anfang Januar sprach sich die Landesschülervertretung Berlin gegen die Präsenz der Bundeswehr in öffentlichen Bildungseinrichtungen aus; wenig später demonstrierten in Freiburg (Baden-Württemberg) rund 1.000 Eltern, Lehrer, Schüler und Studenten unter dem Motto "Bundeswehr raus aus dem Klassenzimmer". Erst unlängst hat der Berliner Bezirkselternausschuss Friedrichshain-Kreuzberg zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft "Militärfreie Schule" aufgerufen. Für Ende dieses Monats kündigt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zudem eine Protestveranstaltung in Frankfurt am Main an: Man werde "nicht tatenlos zusehen", wie an "Universitäten Kriege vorbereitet werden" und an "Schulen das Militär einzieht"."

Der Friedenskreis Castrop-Rauxel informierte mit diesem Flugblatt

Weitere Informationen:

IMI: Die Bundeswehr im Klassenkampf,
Der Jahresbericht der Jugendoffiziere für das Jahr 2009.
27.07.2010