Die angemessene Reaktion auf den Tod der Bundeswehrsoldaten kann nur der Abzug sein

Mahnwache gegen den Krieg in Afghanistan
16.5.2010: mit einer Mahnwache an alle Opfer des Afghanistankrieges zu erinnern: 1.728 NATO-Soldaten, die möglicherweise eine andere Wahl gehabt hätten, etwa 3000 tote afghanische Soldaten und Polizisten, deren Möglichkeiten für einen alternativen Lebensunterhalt bereits deutlich geringer waren und über 3500 zivile Opfer, die nichts taten, als in ihrem eigenen Land zu leben, sind in diesem Krieg bisher umgekommen. Deshalb wird die Forderung nach einer Fortsetzung des Krieges mit einer besseren Ausrüstung der Bundeswehrsoldaten, die anläßlich der Trauerfeiern in Deutschland vielfach geäußert wurden, der Situation in keinster Weise gerecht. Die Interessen aller Opfer werden konsequent nur von denjenigen vertreten, die den sofortigen Abzug aus Afghanistan verlangen.

Es gibt nur ein Afghanistan. Und dort herrscht Krieg

Die Verluste waren vorhersehbar und werden nicht die letzten gewesen sein. Der Chef des ISAF-Stabs im Hauptquartier in Kabul, Bruno Kasdorf bezeichnet die Sicherheitslage im Norden Afghanistans als "sehr angespannt" und erwartet dort eine NATO-Großoffensive zu ihrer Verbesserung. Seit die südliche Hauptroute über Pakistan für den militärischen Nachschub der westlichen Truppen von den Aufständischen angegriffen und empfindlich gestört wird, soll der umfangreiche Nachschub für die NATO-Trupen, deren Stärke von ca 100.000 auf 150.000 Mann zugenommen hat, über die Nordroute abgewickelt werden. Da auch hier mit Angriffen zu rechnen ist, wurden bereits 5000 zusätzliche US-Soldaten in diese Region verlegt.

Um Opfer unter ihnen gering zu halten, sollen die NATO-Verbündeten und vor allem die afghanischen Soldaten die Hauptlast der Kämpfe tragen. In diese Strategie ordnet sich Kriegsminister zu Guttenberg mit seiner Strategie von "Ausbildung und Schutz im Zusammenspiel" willig ein: "Wir wachsen von derzeit 280 Soldaten, die mit der Ausbildung befasst sind, auf 1400 Soldaten, die sich [auf] Ausbildung und Schutz im Zusammenspiel konzentrieren... Mehr Schutz und Ausbildung statt beispielsweise offensiv agierender Kampftruppen. Auch darin besteht ein ganz wesentlicher Strategiewechsel." Im Klartext heisst das aber: verstärkte Ausbildung der afghanischen Soldaten durch die Bundeswehr, aber nicht mehr in befestigten und geschützten Feldlagern, sondern durch aktive Beteiligung der Bundeswehrsoldaten an Einsätzen der afghanischen Streitkräfte.

So geschehen bei der Operation Tahoid II, die das Umfeld von wichtigen NATO-Nachschubrouten im Norden unter Kontrolle bringen sollte. Vier der in einer Woche getöteten Bundeswehr-Soldaten waren an der Operation Tahoid II beteiligt. Drei von ihnen waren Ausbilder, sogenannte Mentoren, die die Strategie von Kriegsminister Guttenberg umsetzen sollten.

Letztlich sind sie damit nicht Opfer sogenannter "hinterhältiger" Angriffe von Aufständischen, die sich damit möglicherweise rächen für nicht minder hinterhältige und feige Drohnenangriffe auf ihre Führer und zufällige Zivilisten. Sie sind mit jenen gemeinsam Opfer einer Politik, die ungeachtet von Menschenleben ihre Interessen mit militärischen Mitteln durchsetzen will.

Diese Politik findet nicht mehr die Unterstützung einer Mehrheit der Bevölkerung. Eine Regierung, die sich gerne auf die Fahne schreibt, die Demokratie zu verteidigen, sollte den Wählerwillen umsetzen und das Bundeswehrmandat in Afghanistan umgehend beenden.
16.05.2010