Bundeswehr raus aus Afghanistan, Atomraketen abschaffen

Der Ostermarsch wird 50 – Und ist noch immer notwendig

28.3.2010: Eine Woche vor Ostern informierte der Friedenskreis Castrop-Rauxel über den Ostermarsch, der in diesem Jahr unverändert den Abzug der Bundswehr aus Afghanistan und der letzten Atomraketen aus der BRD fordert. Auch nach fünfzig Jahren sind die Forderungen immer noch aktuell. Ulrich Sander und Willi Hoffmeister, Ostermarschierern der ersten Stunde, erinnern sich an die Anfänge.
Es war Karfreitag am 15. April 1960, da starteten Atomkriegsgegnerinnen und –gegner ihren viertägigen Marsch von Braunschweig, Bremen, Hamburg, Hannover und Lüneburg zum Raketenübungsplatz Bergen-Hohne (Kr. Celle) in der Lüneburger Heide. Der Ostermarsch war auch in unserem Land angekommen. Bei Fortsetzung der Versuchsexplosionen und der atomaren Aufrüstung drohen der gesamten Menschheit Vernichtung.″ So heißt es im Aufruf zum ersten deutschen Ostermarsch der Atomwaffengegner, der vor 50 Jahren von Hamburg zum Raketenübungsplatz Bergen-Hohne führte. In dem Aufruf von 1960 hieß es weiter: Jede Herstellung, Erprobung und Lagerung von Atomwaffen – gleich an welchem Ort und in welcher Hand – ist die größte Gefährdung der Menschheit.″

Aus einem Brief der ersten Stunde an die jugendlichen Teilnehmer: Ich sehe in den Plänen zu einem Atomkrieg eine schwere Verschuldung der Menschen, die sie vorbereiten, fördern und befürworten, ja sogar derjenigen, die gleichgültig und unbeteiligt zusehen. Die Verschuldung kommt derjenigen nahe, die einst die Deutschen getroffen hat, die dem unmenschlichen Geschehen der Nationalsozialisten ungerührt oder gar billigend gegenüberstanden.″ Das schrieb der Vater der Geschwister Hans und Sophie Scholl, Robert Scholl, an die ersten Ostermarschierer.

An diesem Protest gegen das atomare Wettrüsten nahmen rund 1 000 Arbeiter, Angestellte, Künstler und Geistliche, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und Pazifisten teil, darunter viele Jugendliche. Mit dieser Aktion entstand auch in der Bundesrepublik nach dem Vorbild der englischen Atomkriegsgegner die Ostermarsch-Bewegung als neue wirksame Kampfform gegen die Atomaufrüstung. Ihre Aussagen waren nicht nur gegen die Bombe″, sondern auch – siehe oben – gegen die Wiederholung deutscher Katastrophen und Kriege gerichtet. Zudem kamen bald neue Aussagen hinzu, so dass sich die Ostermarschbewegung bald Kampagne für Demokratie und Abrüstung nannte. Es ging gegen das atomare und konventionelle Wettrüsten, gegen den Krieg der USA in Vietnam und um die Demokratie, denn es drohten die Notstandsgesetze und damit der Einsatz der Bundeswehr im Innern zur Beseitigung demokratischer Errungenschaften, wie z. B. das Streikrecht. Ab 1982 gab es einen neuen inhaltlichen Schwerpunkt: Die Ostermarschierer waren wieder dabei, als es hieß: Keine neuen Atomraketen in unserem Land″.

Die Ostermärsche wurden vom zweiten Marsch an u. a. von folgenden Personen als Kuratorium vorbereitet und unterstützt: Schriftsteller Stefan Andres; Komponist Benjamin Britten; Domherr John Collins; Naturfreunde-Bundesjugendleiter Herbert Faller, Prof. Dr. Helmut Gollwitzer; Prof. Dr. Gustav Heckmann; Intendant Heinz Hilpert; Schriftsteller Dr. Robert Jungk; Dezernent im Landesjugendamt Hessen, Dr. Arno Klönne; Oberkirchenrat Dr. Heinz Kloppenburg; Krankenschwester Christel Küpper; vom Friedensausschuss der Quäker Marg. Lachmund; Dr. Arnim Prinz zu Lippe; Prof. Wilhelm Maler; Dozent Dr. Bodo Manstein (FDP); Prof. Dr. Katharina Petersen; Nobelpreisträger Earl Bertrand Russell; Studentenpfarrer Martin Schröter; Prof. Dr. Johannes Ode; Prof. Dr. Ernst Wolf; Bundesvorsitzender der SJD Die Falken″ Horst Zeidler. Koordinator war bis 1964 der Hamburger Lehrer Konrad Tempel.

Während sich die SPD – sie hatte sich inzwischen auf NATO- und Hochrüstungskurs begeben – von den Ostermärschen fernhielt und die ihr nahestehenden Jugendorganisationen (Jusos und Falken) aus der Ostermarschbewegung abzog – kamen immer mehr Gewerkschafter und Kirchenvertreter hinzu, darunter Kirchenpräsident Martin Niemöller, das Ehrenpräsidiumsmitglied der VVN, auch Erich Kästner unterstützte den Ostermarsch. Sodann Organisationen wie Naturfreundejugend, die IG Metall mit ca. 300 Jugendfunktionären, Internationale der Kriegsdienstgegner (IDK), Vereinigung der Kriegsdienstgegner (VK) und Deutsche Friedens-Union.
Mit wechselnden Beteiligungen und auch bei zeitweiligen Unterbrechungen hat die Ostermarschbewegung sich nunmehr 50 Jahre lang gehalten. Wenn heute oft an die einst größeren Beteiligungszahlen erinnert wird – zumeist waren allerdings die Märsche nicht viel stärker als heute – so sei an das Geheimnis des Erfolges erinnert, das Prof. Andreas Buro, einer der Mitgestalter des ersten Marsches, kürzlich im Gespräch erwähnte: Es gab in allen Städten Friedensgruppen, die bestens organisiert waren und schnell reagieren konnten. Das zeigt sich bis heute bei der Organisierung der ca. 60 bis 80 Ostermärsche und -aktionen bundesweit. Die Ostermärsche sind die größte Friedensaktion in der Fläche jährlich an einem Wochenende.

Ostermarschierer/innen der 60er Jahre sagen in ihrem Aufruf, 50 Jahre Ostermarsch″: Nach Ende des Kalten Krieges hofften viele auf eine friedlichere Welt, ein Ende der Atomkriegsgefahr. Doch heute, zwanzig Jahre später müssen wir sehen: Diese Hoffnung hat getrogen. Seit 1999 beteiligt sich unser Land wieder an militärischen Einsätzen in anderen Ländern. Deutsche Soldaten befinden sich heute in Afghanistan im Kriegseinsatz.

Auf deutschem Boden, in Büchel, lagern immer noch ca. 20 US Atomwaffen. Weltweit existieren bis zu 25 000 Atomwaffen, davon 2 500 in ständiger Alarmbereitschaft. Die Zahl der Staaten mit Atomwaffen steigt.

Dem muss Einhalt geboten werden! Deshalb rufen wir Ostermarschiererinnen und Ostermarschierer der ersten Stunde auf zu den Ostermärschen 2010. 50 Jahre nach den ersten Ostermärschen gegen Atomwaffen fordern wir den sofortigen Abzug der US-Atombomben aus Deutschland und den Ausstieg unseres Landes aus der atomaren Teilhabe. Wir fordern die Abschaffung aller Atomwaffen weltweit. Wir fordern die Beendigung des Afghanistan Einsatzes der Bundeswehr, stattdessen die Unterstützung der Bemühungen um eine Beendigung des Krieges und zivile Lösungen für den Konflikt.″ Gerade auch deshalb: Wir brauchen und haben einen langen Atem!
28.03.2010