Gegen die Militarisierung an unseren Schulen

Offener Brief des Friedenskreis Castrop-Rauxel an das Berufskolleg Castrop-Rauxel

26.11.2009: Mit großer Bestürzung hat der Friedenskreis Castrop-Rauxel zur Kenntnis genommen, dass man auch am Berufskolleg Castrop-Rauxel nicht mehr den eigenen pädagogischen Fähigkeiten und dem Sachwissen der Lehrer vertraut, sondern auf Werbungs-Angebote der Bundeswehr zurückgreift. Wie den Ruhrnachrichten vom 18.11.2009, dem Stadtanzeiger vom 21.11.2009 und insbesondere der WAZ vom 24.11.2009 zu entnehmen ist, sollten Schüler unter Anleitung von zwei Jugendoffizieren in Tagungsräumen der Bundeswehr anhand des Simulationsspieles "Polis" in "die Zusammenhänge von Politik, Wirtschaft und Internationaler Sicherheit", sprich Militäraktionen, eingeführt werden und dabei lernen, "das eigene Militär strategisch zu positionieren" und "die eigenen Interessen durchzusetzen".

Es liegt nahe, dass bei derartigen Veranstaltungen unter der Schirmherrschaft der Bundeswehr die Notwendigkeit eines militärischen Eingreifens in einem Konflikt schnell in den Vordergrund rückt, statt auf zivile Konfliktvermeidung durch Interessenausgleich zu orientieren.
Darüberhinaus darf es nicht die Aufgabe der Schule sein, Schüler auf diese Weise spielerisch den Werbestrategien der Bundeswehr auszusetzen, die bei erklärtem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs eine in der Geschichte der Bundesrepublik bisher beispiellose Werbekampagne entwickelt hat. Fernsehfilme im Auftrag und mit Unterstützung der Bundeswehr, technisch interessante Einführungsangebote auf Jugendmessen, die oben genannten Spielangebote an Schüler bis zu fertigen Unterrichtsmaterialien für die Lehrer soll die Jugendlichen an die Bundeswehr heranführen und von der Notwendigkeit militärischer Missionen überzeugen. Ausgehend von "Friedenseinsätzen" führt die Bundeswehr inzwischen über "robuste Friedenseinsätze" auch "notwendige Kampfeinsätze" durch.

Abgesehen von den zivilen Opfern der Gegenseite, die inzwischen auch durch Aktionen der Bundeswehr zu beklagen sind, wird die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die von diesen Einsätzen nicht mehr zurückkommen, in Kürze die Hundert überschreiten, weitere 159 Soldaten kamen allein im ersten Halbjahr 2009 mit einer schweren Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus Afghanistan zurück. Es kann nicht in der Verantwortung der Lehrer liegen, einen derartigen Weg für ihre Schüler zu bahnen. Deshalb fordert der Friedenskreis alle Verantwortlichen dazu auf, die Kooperation mit der Bundeswehr sofort zu beenden und die bereitgestellten öffentlichen Mittel nicht der Bundeswehr, sondern den Schulen zufließen zu lassen.

Für den Friedenskreis

Jördis Land Leonore Schröder Siegfried Hellig

Kontakt:
Friedenskreis Castrop-Rauxel
www.friedenskreis-castrop-rauxel.de
Ansprechpartner. Dr. Jördis Land, Tel: 02305/22709, email: FJLAND@Land-Software.de

Verteiler:
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Pastoralverbund Castrop-Rauxel
Paulus Kirchengemeinde Castrop-Rauxel



Weitere Informationen:

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26.11.2009