Wie geht es weiter in Afghanistan?

Droht Verdoppelung des deutschen ISAF-Kontingents?
10.10.2009: Nachdem die von der Bundeswehr befohlene Bombardierung zweier Tanklastzüge, bei der Dutzende Menschen ums Leben kamen, gezeigt hat, dass auch die Einsätze der Bundeswehr zunehmend zivile Opfer in Kauf nehmen, soll die Zahl der Bundeswehrsoldaten bei der Verlängerung des Bundeswehr-Mandates sogar noch deutlich erhöht werden. Dagegen ziehen Holland, Kanada, und Japan Truppen ab.

USA:

Obama hatte bereits Anfang des Jahres die Entsendung von 21 000 weiteren Soldaten angeordnet. Der Washington Post zufolge bezieht sich das aber nur auf die Zahl der Kampfeinheiten. Verschwiegen wurde von der US-Regierung, daß mindestens 13000 Mann Unterstützungskräfte – so unter anderem medizinisches Personal, Bautrupps, Geheimdienstexperten und Militärpolizei – hinzukommen. Die Gesamtausgaben der USA für den Krieg in Afghanistan seit dem 11. September 2001 werden damit die Schwelle von 300 Milliarden Dollar überschreiten.

Inzwischen gehen auch immer mehr Amerikaner auf Distanz zum US-Einsatz in Afghanistan. Selbst US-Verteidigungsminister Robert Gates hat nun Vorbehalte gegen eine Truppenverstärkung, weil die fremden Soldaten in den Augen der Bevölkerung immer mehr als Besatzer erscheinen und Widerstand geradezu herausfordern.

Eine Art "Kriegsrat" von Präsident Barack Obama und seinen engsten Sicherheitsberatern soll derzeit die weitere Strategie der US-Truppen in Afghanistan klären: Konzentration auf das Terrornetz El Kaida im pakistanischen Grenzgebiet? oder schwerpunktmäßig Taliban-Bekämpfung mit verdeckten Operationen und (vorgeblichem) Schutz der Zivilbevölkerung?

Deutschland

Die Bundesregierung erwägt nach einem Bericht des Deutschlandfunks vom 1. Okt. eine deutliche Aufstockung des Afghanistan-Kontingents der Bundeswehr. Im Rahmen der im Dezember anstehenden Verlängerung des Mandats für den Einsatz der Bundeswehr könnte die Obergrenze für das deutsche Kontingent auf 7.000 Soldaten angehoben werden. Das ist dem ehemaligen Generalinspekteur und Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses, Harald Kujat, noch nicht genug. Nach einem n-tv.de-Bericht vom 2.10.2009 sollte die Obergrenze "deutlich erhöht werden, und zwar eher in Richtung 8000 als in Richtung 6000. "

Die Friedensbewegung will deshalb die Kampagne "Truppen raus aus Afghanistan" bis zur Entscheidung über die Verlängerung des Bundeswehrmandates fortsetzen. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel informierte zu diesem Thema an einem Infostand am 17.10.2009 mit diesem Flugblatt

Kanada

Kanada will seine 2500 Soldaten im Jahr 2011 aus dem unruhigen Süden Afghanistans abziehen.

Niederlande

Der Afghanistan-Einsatz der Niederlande soll nach dem Willen des Parlaments in Den Haag nicht über das Jahr 2010 hinaus verlängert werden. Diese Erklärung hat für die Regierung allerdings noch keinen bindenden Charakter.

Japan

Japan wird seine logistische Unterstützung für den NATO-Einsatz in Afghanistan mit Beginn des kommenden Jahres beenden. Die beiden Kriegsschiffe zur Treibstoffversorgung der NATO-Truppen werden im Januar aus dem Indischen Ozean abgezogen.
18.10.2009