Deutschland belegt Spitzenplatz in Sachen Spionage

SAR-Lupe blickt (nicht nur) nach Afghanistan

7.3.2009: Deutschland schickt weitere 600 Soldaten nach Afghanistan. 400 sollen nicht nur afghanische Soldaten ausbilden, sondern auch die bisher 200 Mann der Schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force) im Norden verstärken und zum zusätzlichen Schutz der Bundeswehrsoldaten eingesetzt werden, also Kampfeinsätze führen. Zeitgerecht wurde im Dezember das Aufklärungssystem SAR-Lupe offiziell an die Streitkräfte übergeben. Afghanistan ist dabei nur das erste Testfeld.
Mit SAR-Lupe 5 sei Deutschland wieder Weltmeister, jubelt der Hersteller, das Raumfahrtunternehmen OHB-System AG mit Blick auf den Bereich radargestützter Aufklärung. SAR-Lupe besteht aus fünf Kleinsatelliten und einer Bodenanlage zur Satellitenkontrolle, zum Empfang und zur Verarbeitung der Bilddaten, die mit einer speziellen Radartechnologie erhoben werden. Die Auflösung liegt bei unter einem Meter; so dass auch sehr kleine Objekte präzise erkannt werden können und zwar unabhängig von Wetter und Tageszeit. "Lupe" kann sogar bis zu einem Meter tief in den Erdboden blicken.

Allerdings will die Auswertung gelernt sein. Denn was der Radarstrahl von oben zuerst erreicht, das sendet er am schnellsten zurück, das Bild scheint verzerrt: Pkw fahren scheinbar meterweit neben der Autobahn, Straßen sind durchsichtig, Schiffe schweben über dem Meer. Deshalb findet bereits ein Bildaustausch mit dem französisch geführten Satellitensystem Helios II statt, das mit optischer Technologie aufklärt. Radarbilder und Fotografien ergänzen sich: Radar bietet Unabhängigkeit von Wetter und Tageszeit; optische Sensoren liefern anschaulichere Bilder. Ein verbessertes Nachfolgesystem ist schon in Planung, denn die 5 Satelliten des 470 Millionen teuren Systems halten nur etwa zehn Jahre.

SAR-Lupe und der weltweite Einsatz der Bundeswehr

Sein Einsatz hat schon begonnen. Erster Testfall ist Afghanistan, wo die Bundeswehreinheiten nun auf die Lagebilder von SAR-Lupe mit präzisen Informationen über feindliche Aktivitäten zurückgreifen können. Aber das soll nur der Anfang sein. Mit diesem System stehe Berlin "ein Instrument zur Verfügung", mit dem man jetzt "aus eigenem politischen Antrieb exklusiv und weltweit unabhängige Daten ermitteln" könne. Mit den neuen Aufklärungsfähigkeiten sei die militärpolitische "Abhängigkeit von anderen Nationen" stark gesunken, bemerkt der Stellvertretende Generalinspekteur, Generalleutnant Johann-Georg Dora nach dem Start des ersten Aufklärungssatelliten 2006.

Nun ist die Bundeswehr im Bereich der strategischen Satellitenaufklärung nicht mehr auf die USA angewiesen. Sar-Lupe ist deshalb ein entscheidender Beitrag bei der Transformation der Bundeswehr zu einer weltweit einsetzbaren Interventionsarmee.

SAR-Lupe und weltweite Spionage
Damit nicht genug. Weil sich auch der Bundesnachrichtendienst für das technische Spitzenprodukt in Sachen Spionageeinsatz interessierte, wurde am 27. Juli 2005 die gesetzliche Trennlinie zwischen Bundeswehr und Nachrichtendienst überschritten. Eine sogenannte "Leistungsvereinbarung" regelt, dass der BND "in der Wahrnehmung seiner Aufgaben" durch die Bundeswehr unterstützt werden muss.Der BND verfügt bereits über regelmäßigen und organisatorisch festgelegten Zugang zu Informationen, die mithilfe von SAR-Lupe erhoben werden. 270 Soldaten aus der Bundeswehr-Leitstelle von SAR-Lupe arbeiten für den BND, mit SAR-Lupe" hat der BND "seine eigenen Augen bekommen".

Sar-Lupe und die Aufklärung im Innern

Damit auch die Polizei diese Augen aufmachen kann, wird auch die Trennung zwischen Militär und Polizei für Informationen von SAR-Lupe aufgehoben. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Juni 2005 eine Kooperation vereinbart und will Aufklärungsbilder der Spionagesatelliten "zur Erstellung von Gefährdungsanalysen oder für polizeiliche Überwachungsmaßnahmen" nutzen.

"Selbstverständlich" dürften andere Ministerien im Zuge der "Amtshilfe" das Verteidigungsressort um Radarbilder bitten, erklärte Aufklärungs-Kommandeur Kriesel dem NDR am 12.1.2008: "Und dem werden wir uns natürlich nicht verschließen."
07.03.2009