Spielte auch hier der Kampf um Ressourcen eine Rolle?

Der Gazastreifen und der Streifen Gas an seiner Küste

24.1.2009: Die militärische Invasion der israelischen Truppen im Gazastreifen hat möglicherweise einen direkten Zusammenhang mit Kontrolle und Besitz der Gasreserven vor der Gaza-Israel-Küste im Mittelmeer, meint Michel Chossudovsky. Der Sohn des jüdisch-russischen Wirtschaftswissenschaftlers und UN-Diplomaten Evgeny Chossudovsky lehrt als Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Ottawa. Verschiedene internationale Quellen stützen seine Aussagen.

Mit der Entdeckung der Gasfelder beginnt der Kampf um den Zugriff
1999 übertrug die von der Fatah geführte Palästinabehörde die Explorationsrechte für Öl und Gas vor der Küste von Gaza auf 25 Jahre einem Konsortium aus British Gas (BG Group) und Consolidated Contractors International Company (CCC). Das Abkommen schloß Feldentwicklung und den Bau einer Gas-Pipeline ein.(Middle East Economic Digest vom 5. Januar 2001)

2000 wurden tatsächlich umfangreiche Gasvorkommen in den territorialen Gewässern vor Gaza entdeckt, deren Wert auf 4 Milliarden Dollar geschätzt wurde. Die Palästinenserbehörde entwickelte Pläne, sie für den eigenen Energiebedarf zu nutzen und darüberhinaus Erdgas an Israel zu verkaufen.

2001 beginnt Israel, die Gasvorkommen vor Gaza für sich zu beanspruchen. Sharon erklärte, dass "Israel nie von Palästina Gas kaufen werde". Die Souveränität der Palästinenser über die Gaza-Offshore-Gasfelder wurde vor dem Obersten Gerichtshof Israels angefochten.

2003 verhinderte Sharon ein erstes Abkommen zwischen der Palästinenserbehörde, British Gas und Israel das die Lieferung von Gas aus den küstennahen Gasquellen an Israel zum Inhalt hatte. (The Independent, 19.August, 2003) Um eine Entwicklung der palästinensichen Erdgasindustrie von vornherein zu unterbinden, schloß Israel 2005 stattdessen einen Vertrag über die Lieferung von Erdgas mit Ägypten.

British Gas und Palästinenserbehörde versuchten weiter, ihre gemeinsamen Interessen an der Vermarktung der Gasfelder zu realisieren, indem sie sich ebenfalls an Ägypten wendeten. 2007 war British Gas laut Times vom 23. Mai 2007 "nahe dran, ein Geschäft mit Ägypten abzuschließen, um Gas dorthin zu pumpen". Doch der britische Ministerpräsident Tony Blair intervenierte bei dem Unternehmen und verlangte, Israel eine zweite Chance zu geben. Der Vertrag mit Ägypten kam nicht zustande.

Stattdessen schloß die israelische Regierung im Mai 2007 mit Britisch Gas einen Vorvertrag über die Lieferung von Offshore-Gas aus Gaza im Wert von vier Milliarden Dollar ab. Dieser Vertrag sah vor, das Offshore-Gas von Gaza über eine Pipeline direkt zum israelischen Hafen von Ashkelon zu pumpen und die Kontrolle über den Verkauf an Israel zu übertragen. Nach dem 1999 zwischen der BG-Group und der palästinensischen Behörde unter Arafat unterzeichneten Vertrag hätte von dem Erlös eine Milliarde den Palästinensern zugestanden. Zwischenzeitlich war nach dem Wahlsieg 2006 die Regierung im Gazastreifen auf die Hamas übergegangen, die gegenüber dem früheren mit der Palästinenserbehörde abgeschlossen Vertragsentwurf Nachbesserungen zugunsten der Palästinenser verlangten, da nach dem Vertragsentwurf von 2007 der Investment Fund der Palästinabehörde nur zehn Prozent der Gewinne erhalten sollte, während der Rest zu 60 Prozent an BG und zu 30 Prozent an CCC gehen sollte. Auf der israelischen Seite erhoben die israelischen "Verteidigungsbehörden" Einspruch gegen diese Pläne, sie verlangten zunächst, die Palästinenser mit Waren und Diensten zu bezahlen statt mit Geld, um der Hamas-Regierung jegliche finanziellen Ressourcen zu enthalten, später verlangten sie einen Abbruch der Verhandlungen.

Das vorläufige Ergebnis: Im Dezember 2007 zog sich die British Gas aus den Verhandlungen zurück und schloss im Januar 2008 ihr Büro in Israel.
Immerhin könnte Israel aus diesen Gasfeldern aber ein Drittel seines wachsenden Bedarfs decken und die selbst geschaffene Abhängigkeit von Lieferungen aus Ägypten mindern. Im Juni 2008 haben Vertreter Israels deshalb wieder Kontakt mit British Gas aufgenommen (Globes online -Israel's Business Arena vom 23. Juni 2008). Und der Energiekonzern British Gas teilte im Juli mit, dass er wieder mit Israel über den Verkauf der Erdgasvorkommen an der Küste Gazas verhandeln wolle. (Haaretz, 28.07.08) Und wo bleiben die Rechte der Palästinenser? Die Hamas-Regierung im Gazastreifen reklamiert ihre Eigentumsrechte an dem küstennahen Erdgasfeld, das nun ausschließlich zur Versorgung Israels erschlossen werden soll und verlangt eine Erhöhung des 10%igen Anteils für die Palästinenser. Israel und British Gas lassen verlauten, dass sie gleichermassen nicht mit "Terroristen" verhandeln und kommen überein, die Gelder, die den Palästinensern zustehen, auf einem internationalen Bankkontozu parken, "bis die Hamas aus der Macht im Gazastreifen verdrängt ist".

Gleichzeitig entwickelte die israelische Regierung bereits die Pläne zur militärischen Zerschlagung der Hamas, die im Januar umgesetzt wurden. Der weitere Umgang mit den palästinensischen Erdgasressourcen bei der Neuordnung im Gazastreifen wird an den Tag bringen, inwieweit die Hamas auch mit dem Ziel geschwächt werden sollte, die israelische Aneignung der Erdgasvorräte zu ermöglichen.

Quellen:

Michel Chossudovsky: Krieg und Naturgas: die israelische Invasion und Gazas küstennahe Gasfelder
Original: War and Natural Gas: The Israeli Invasion and Gaza's Offshore Gas Fields

Oil & Gas Investing Glossary: Palestine′s Natural Gas Troubles

Middle East online: Egyptians reap benefits of gas intifada

The Independent 19.8.2003: Sharon vetoes BG Group deal to supply Israel with gas

Timesonline 23.5.2007: BG Group at centre of $4bn deal to supply Gaza gas to Israel

Handelsblatt, 26.6.2007: f Armer, reicher Gaza-Streifen

The Jerusalem Post 5.7.2007: British Gas, Israel to freeze Hamas out of $4b. gas deal
24.01.2009