Mahnwache in Castrop-Rauxel

Auch dieser Krieg bringt Israel keinen Frieden
17.1.2009: Bei den bisher schwersten Angriffen im Gazastreifen fielen am Freitag Phosphorbomben auf ein Krankenhaus und das Lebensmittellager der Vereinten Nationen im Gazastreifen. Als gäbe es keine Völkerrechtskonventionen bombt Israel die Bevölkerung, der keine Fluchtmöglichkeiten bleiben, in eine humanitäre Katastrophe. Wo bleiben die Proteste der westlichen Welt? Der Friedenskeis Castrop-Rauxel führte eine Mahnwache durch und verteilte ein Flugblatt, in dem die Einlösung der besonderen Verantwortung Deutschlands eingefordert wurde.

Sie kann nicht darin bestehen, als Konsequenz aus vergangenem Unrecht an der jüdischen Bevölkerung Deutschlands kritiklos die Handlungen ihrer Nachfahren zu unterstützen und das Vorgehen der israelischen Armee praktisch zu sanktionieren, indem der israelischen Regierung ihre "legitimen Rechte der Selbstverteidigung" bescheinigt und der Hamas die "alleinige und ausschließliche" (Tagesschau 29.12.08) Schuld an den Bombardements der israelischen Luftwaffe gegeben wird.
Die Bevölkerung in Israel wird erst dann in Frieden und Sicherheit leben können, wenn die Konflikte, die sich aus der Gründung des Staates Israel auf palästinensischem Boden ergeben haben, eine Lösung gefunden haben, die beiden Seiten ermöglicht, das Recht auf Existenz und Sicherheit zu verwirklichen. Dies wird durch den völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Menschen im Gazastreifen nicht erreicht werden. Er wird die Gewalt nicht beenden, sondern Wut und Hass provozieren, so dass Israel mehr denn je gefährdet sein wird. Dieser Weg darf durch die Bundesregierung nicht länger unterstützt werden. Sie trägt damit gleichzeitig erneut Mitverantwortung für die zunehmende physische Vernichtung eines Volkes, diesmal des palästinensischen.

"eine größere Shoah"

Britische Jüdinnen und Juden nahmen am 10.1.2009 im britischen Guardian Stellung zum Vorgehen Israels in Gaza. Der Wortlaut in der Übersetzung von Thomas Immanuel Steinberg :

"Wir, die Unterzeichner, sind alle jüdischer Herkunft. Wenn wir die toten und die blutenden Körper kleiner Kinder sehen, die Sperrung von Wasser, Strom und Nahrungsmittelzufuhr, sehen wir uns an das Warschauer Ghetto erinnert. Als Dov Weinglass, ein Berater des israelischen Premierministers Ehud Olmert davon sprach, die Gaza-Bewohner "auf Diät" zu setzen, und als der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Vilnai davon sprach, daß die Palästinenser 'eine größere Shoah' [Holocaust] erleben würden, erinnerte uns das an Generalgouverneur Hans Frank im Nazi-besetzten Polen, der vom 'Tod durch Hunger' sprach. Der wahre Grund für den Angriff auf Gaza ist der, daß Israel nur mit palästinensischen Quislingen [Kollaborateuren] verhandeln will. Das Hauptverbrechen der Hamas ist nicht Terrorismus, sondern ihre Weigerung, ein Bauer in der Hand des israelischen Besatzungsregimes in Palästina zu werden. Die Entscheidung des Europäischen Rats vergangenen Monat, die Beziehungen zu Israel aufzuwerten, ohne spezifische Vorbedingungen hinsichtlich der Menschenrechte, hat weitere israelische Aggressionen ermutigt. Die Zeit für ein Appeasement Israels ist längst vorbei. Als ersten Schritt muß Großbritannien den britischen Botschafter aus Israel abziehen und, wie gegen das Südafrika der Apartheid, ein Programm aus Boykott, Desinvestition und Sanktionen auflegen."

Die Unterzeichner sind Seymour Alexander, Ben Birnberg, Martin Birnstingl, Prof. Haim Bresheeth, Ruth Clark, Judith Cravitz, Mike Cushman, Angela Dale, Merav Devere, Greg Dropkin, Angela Eden, Sarah Ferner, Alf Filer, Mark Findlay, Deborah Fink, Sylvia Finzi, Bella Freud, Tessa van Gelderen, Claire Glasman, Tony Greenstein, Ruth Hall, Adrian Hart, Alain Hertzmann, Abe Hayeem, Rosamene Hayeem, Anna Hellmann, Selma James, Riva Joffe, Yael Kahn, Michael Kalmanovitz, Ros Kane, Prof. Adah Kay, Yehudit Keshet, Mark Krantz, Bernice Laschinger, Pam Laurance, Dr Les Levidow, Prof. Yosefa Loshitzky, Prof. Moshe Machover, Beryl Maizels, Miriam Margolyes, Helen Marks, Martine Miel, Diana Neslen, O Neumann, Susan Pashkoff, Hon. Juliet Peston, Renate Prince, Roland Rance, Sheila Robin, Ossi Ron, Manfred Ropschitz, John Rose, Prof. Jonathan Rosenhead, Leon Rosselson, Michael Sackin, Ian Saville, Amanda Sebestyen, Sam Semoff, Prof. Ludi Simpson, Viv Stein, Inbar Tamari, Ruth Tenne, Norman Traub, Eve Turner, Tirza Waisel, Karl Walinets, Renee Walinets, Stanley Walinets, Philip Ward, Naomi Wimborne-Idrissi, Ruth Williams, Jay Woolrich, Ben Young, Myk Zeitlin, Androulla Zucker und John Zucker.



hier geht es zum vollständigen Text des Flugblattes


Informationen zum Konflikt im Gazastreifen:

1. Informationen der AG Friedensforschung an der Uni Kassel



2. Uri Avnery: Der Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich !!

3. Die (englische) Internetpräsenz der israelischen Friedensinitiative Gush-Shalom

4. Wer hat begonnen?
Gideon Levy in der israelischen Tageszeitung Haaretz vom 13.7.2006

5. Das Palästina-Portal
17.01.2009