Unbemannte Kampfflugzeuge sollen's richten

Von Drohnen bedroht

7.10.2008: Zweimal innerhalb von drei Wochen erschienen in der Presse eine kleine Meldungen am Rande: Am 12.9. und am 2.10. wurden bei einem US-Angriff durch amerikanische Drohnen in Pakistan mindestens 12 Menschen getötet. Noch weniger Aufmerksamkeit erfuhr eine militärpolitische Konferenz für Entscheidungsträger aus Politik und Militär, zu der die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" geladen hatte. Eines der Hauptthemen war die zunehmende Bedeutung der Kriegführung mit unbemannten Flugkörpern ("Drohnen").
Drohnen sind unbemannte Luftfahrzeuge, die auf vorprogrammierten Routen oder ferngesteuert fliegen und z.T. bewaffnet werden können. Das Spektrum reicht von Überwachungsdrohnen in der Größe einer Kreditkarte bis zur "Vision" der US-Regierung, mit ferngesteuerten Drohnen innerhalb von zwei Stunden überall auf der Erde militärisch zuschlagen zu können.

Beim Einsatz von Drohnen sterben keine Piloten, sie sind deutlich preiswerter als bemannte Flugzeuge, in der Regel wiederverwendbar, können länger in der Luft bleiben und sind stärker belastbar. Sie machen einen Hightech-Krieg aus der Ferne führbar und gezielten Nahkampf mit geringerem personellen Einsatz in der Stadt, denn kleine Drohnen können durch Fenster in Gebäude spähen oder sogar fliegen.

Drohnen: Forschung und Entwicklung für den Krieg
Nach einem Konzept mit dem treffenden Namen "Prompt Global Strike" verfolgt die US-Army seit 2001das Ziel, innerhalb kürzester Zeit nahezu jedes Ziel auf dem Globus zerstören zu können. Die Entwicklung der entsprechenden Technologie ist Teil eines gigantischen Transformationsprogrammes für ihre Waffensysteme: "Future Combat Systems" (Waffensysteme der Zukunft). Für 200 Milliarden Dollar sollen neue bemannte und unbemannte Fahrzeuge und Fluggeräte entwickelt und beschafft werden, die in ein Kommunikationsnetzwerk eingebunden werden können, um damit die Schlagkraft aller Militäreinheiten zu steigern.
Für die Entwicklung von unbemannten Flugkörpern, sogenannten Drohnen, stellte die US-Regierung 2003 eine Milliarde Dollar zur Verfügung. Endziel des Projektes "Falcon (Force Application and Launch from the Continental) für das Jahr 2025 ist eine mit Überschall fliegende, ferngesteuerte wiederverwendungsfähige Drohne, um innerhalb von zwei Stunden überall auf der Erde militärisch zuschlagen zu können. Seither werden Vorläufermodelle entwickelt. 2004 hat zum ersten Mal ein unbemanntes Stealth Kampflugzeug eine 250 Pfund schwere Bombe über dem Bombenabwurftestgelände abgeworfen. Im Juli 2007 absolvierte X-48B "Blended Wing Body" seinen Jungfernflug als Forschungs-Prototyp für weltweit einsetzbare Kampf- und Überwachungsdrohnen. Im US-Rüstungshaushalt für das Jahr 2009 sind 3,4 Milliarden Dollar für Entwicklung und Anschaffung von Drohnen vorgesehen.

Drohnen im Einsatz: Beispiel USA

Weniger entwickelte Modelle sind bereits seit dem Vietnamkrieg im Einsatz, knapp 1700 bei der US-Armee. Die Gesamtflugzeit aller Drohnen über dem Irak von 2003 bis Januar 2008 beläuft sich auf 45 Jahre. Im Juni 2008 wurde der Irak auch zum Testfeld für den neuen Prototypen einer ferngesteurten Minidrohne, die weniger als sieben Kilogramm wiegt und senkrecht startenn kann, um dann aus einer Höhe bis zu 3000 Metern im Häuserkampf Informationen über gegnerische Stellungen und Bewegungen zu sammeln.
Die 8 m lange und 500 Kg schwere Version MQ-1 Predator wird in Afghanistan eingesetzt und kann Ziele nicht nur erkennen und beobachten, sondern auch, sogar von amerikanischem Boden aus bekämpfen. Der Focus vom 14.7.2008 beschreibt, wie Drohnenpiloten aus einem Leitstand in den USA "zwischen Einkauf und Elternabend" aus 12000 Kilometer Entfernung Terroristen töten (eigene Anmerkung: oder diejenigen, die sie dafür halten). "Wenn wir zum Beispiel jemanden sehen, der einen Mörser aufbaut, oder Terroristen, die neben einer Straße einen Sprengsatz verbuddeln, dann greifen wir ein" und eine eine lasergesteuerte Hellfire-Rakete schlägt im Zielgebiet ein.

Drohnen im Einsatz: Beispiel Bundeswehr

Auch für die Bundeswehr dienen seit März 2000 "Luna"-Drohnen in Kosovo, Mazedonien und Afghanistan zur Bodenüberwachung. Inzwischen sollen Einsatzdauer und Reichweite von Luna nicht mehr ausreichend sein. "Weitaus besser wäre es, wenn die Bundeswehr die für die US-Luftwaffe entwickelte Drohne "Predator B" schneller beschaffen und in Dienst stellen würde", empfiehlt die "SWP - Stiftung Wissenschaft und Politik" nach Mitteilungen des Focus-online vom 7.4.2008. Der Focus vergaß zu erwähnen, dass das Modell Predator B, auch MQ-9 Reaper genannt, nicht nur höher und schneller fliegen kann als seine Vorgänger, sondern über die Zielerkennung hinaus vier Raketen des Typs "Hellfire" sowie zwei lasergesteuerte Bomben zu je 500 Pfund transportienren und per Lasermarkierung ins Ziel lenken kann. Nach Angaben von SWP soll die Bundeswehr zumindest ab 2010 mit einem dieser Flugzeuge ausgestattet werden.
Zwar dementierte das Bundes"verteidigungsministerium" einen Bericht der US-Behörde für Rüstungsverkäufe (DSCA), nach dem die Bundesregierung für 130 Millionen Euro vier Killerdrohnen vom Typ "MQ-9 Reaper" bestellt hat. Aber langfrisitg setzt auch die Bundeswehr auf die unbemannten Kriegseinsätze. Im Bundeswehrplans 2008 hört sich das so an:

  • "Durch die technologische Entwicklung bei unbemannten Luftfahrzeugen/Drohnen und autonomen Unterwasserfahrzeugen kann künftig ein breites Fähigkeitsspektrum mit konzeptioneller Bedeutung mit diesen Systemen abgedeckt werden (...) Nicht nur als Aufklärer und Sensorträger sondern auch als Waffenträger werden diese Systeme eine immer größere Rolle spielen."


Ab dem Jahr 2009 wird beim Aufklärungsgeschwader 51 Immelmann am Fliegerhorst Jagel bei Schleswig eine eigene Staffel mit unbemannten Luftfahrzeugen aufgebaut werden. Bis 2014 soll eine europäische Version der us-amerikanischen Aufklärungsdrohne Global Hawk, die Euro Hawk für circa 500 Mio. Euro entwickelt und für circa weitere 400 Mio. Euro bei der Bundeswehr eingeführt werden. Das Fluggerät kann während seiner Mission bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben und erreicht eine Geschwindigkeit von ca. 555 km/h.

Daneben betreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Projekt "UCAV-2010" (Unmanned Combat Air Vehicles) bereits Forschungsarbeiten für die Entwicklung einer eigenständigen deutsch-europäischen Killerdrohne, die mobile Ziele auf dem Boden und in der Luft bekämpfen kann. Damit soll nach Angaben der DLR den Bedarfsprognosen des Bundesverteidigungsministeriums entsprochen werden, das die Luftwaffe vom Jahr 2020 an mit Killerdrohnen aufrüsten wolle.

Drohnen im Einsatz: Beispiel Polizei
Die kleinere Version einer Aufklärungsdrohne ist bereits jetzt bei der Polizei im Einsatz. Die niedersächsische Polizei testet eine Mini-Drohne unter verschiedensten Einsatzbedingungen, um mit Hilfe dieses "fliegenden Auges" neue Möglichkeiten der Luftaufklärung, Einsatzführung, Beweissicherung und Dokumentation zu erproben. Auch In Sachsen ist bereits seit Januar 2008 eine Aufklärungsdrohne im Einsatz gegen Hooligans, filmt prügelnde Schläger und ermöglicht ihre Identifizierung. Welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen, stellte die Polizei in Zürich bereits im Jahre 2002 unter Beweis, als sie Demonstrationen zum 1. Mai mit Drohnen aus der Luft überwachen wollte.

Diese Ausrichtung einer neuen Technologie auf die Gewinnung militärischer Überlegenheit verhindert die breite Entwicklung ziviler Nutzungsmöglichkeiten. Bei der Umwelt- und Verkehrsüberwachung spielen unbemannte Überwachungssysteme bisher nur eine Randerscheiung.
07.10.2008