Tauglich zur Aufstandsbekämpfung:

Gebirgsjäger nach Afghanistan

18.5.2008: Vier Einheiten der Gebirgsjäger sollen im Dezember nach Afghanistan entsandt werden. "Wir haben ein Auge auf die deutschen Gebirgsjäger geworfen, die sich für den Kampf gegen die Taliban in ihren Verstecken im Hochgebirge des Hindukuschs besser eignen als andere Soldaten." zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 01.02.2008 US-Militärs. Noch lehnt die Bundesregierung die Forderung anderer NATO-Staaten ab, die darauf drängen, dass die Gebirgsjäger auch an der direkten Aufstandsbekämpfung im schwer zugänglichen afghanischen Hochgebirge teilnehmen. Bereits Anfang des Jahres haben aber 250 Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 233 aus Mittenwald schon ein Hochgebirgstraining absolviert, mit dem sie für derartige Einsätze fit gemacht werden sollen.

Gebirgsjäger, die häufigsten Kampftruppen im Ausland
Mit dem Einsatz dieser Truppe steigt das Risiko, dass die Unterschiede zwischen den "guten deutschen Soldaten, die den Aufbau schützen" und den "bösen GI's, die Terroristen jagen und dabei Zivilisten treffen," endgültig verwischen. Die ca. 6500 Gebirgsjäger sind bereits jetzt die personalstärkste Brigade des Heeres. In den nächsten Jahren sollen die Kasernen in Bischofswiesen sowie Bad Reichenhall für 80 Millionen Euro noch weiter ausgebaut und personalmäßig verstärkt werden. Nach dem Transformationskonzept der Bundeswehr sollen Gebirgsjäger als Stabilisierungskräfte Besatzungsaufgaben übernehmen. Die Trainingsmaßnahmen dafür laufen bereits seit Jahren. Ausgerechnet am 8.Mai 1995, 50 Jahre nachdem der überwiegende Teil der Bevölkerung sich einig war in der Forderung : Nie wieder Krieg, wurde an der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald/Oberbayern ein neuer Lehrgangstyp eingerichtet. Die Kampf- und Überlebensfähigkeit der Soldaten in schwierigem Gelände unter extremen Witterungsbedingungen sollte erhöht werden. Dabei ging es gewiss nicht um bessere Überlebenschancen in den harten deutschen Wintern.

Zu den ersten Übungsgruppen gehörte das Jägerbataillons 571 aus dem sächsischen Schneeberg unter der Leitung des Fallschirmjägergenerals Günzel, das im Dezember 1997 bundesweit bekannt wurde durch selbstgedrehte Videos, auf denen einige ihrer Angehörigen Nazi-Gesänge probten und Vergewaltigungen sowie Geiselerschießungen übten.

10 Jahre später kann die FAZ vom 1.2.2008 Erfolg melden, "die Gebirgsjäger seien auch unter schwierigsten winterlichen Bedingungen für den Kampf gegen die Taliban geeignet,........ Sie seien insbesondere im Kampf Mann gegen Mann geübt und könnten sich in voller Ausrüstung auf Skiern bewegen."

Diese besonderen Fähigkeiten wurden schon häufiger nachgefragt. Die Gebirgsjäger gehören zu den am häufigsten im Ausland eingesetzten Truppen der Bundeswehr. Sie waren in Somalia, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Kosovo und auch schon in Afghanistan, wo sie ebenfalls zeigten, wes Geistes Kind sie sind. Einige Angehörige des Mittenwalder Bataillons posierten mit zum Teil obszönen Gesten mit einem Totenschädel vor der Kamera.

Gebirgsjäger mit rechter Ideologie im Kampfgepäck

Dass es sich hierbei nicht um einen "einmaligen Ausrutscher" handelte, wird in dem Buch "Geheime Krieger" des rechtsextremen Generals a. D. und ehemaligen Gebirgsjäger- und KSK-Kommandeurs Reinhard Günzel ausgeplaudert, der sich und die Gebirgsjäger in der Tradition der Wehrmachts - Antiterroreinheit Division Brandenburg sieht.

Diese "Brandenburger" waren dabei, als im Juni 1941 in Lwow/Lemberg 7000 Juden in wenigen Stunden von deutschen und ukrainischen Wehrmachtsangehörigen ermordet wurden. Sie waren beteilgt am Massaker von Kefalonia und im nordgriechischen Kommeno, wo 347 Kinder, Frauen und sonstige Zivilisten ermordet wurden. Das gesamte Ausmaß der Massaker, die von den Gebirgsjägern der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verübt wurden, legt eine kürzlich erschienene Publikation umfassend dar.

Dass wiederum der rechtsextreme General a. D. Reinhard Künzel kein Einzelfall ist, zeigt die offizielle Unterstützung, die der "Kameradenkreis der Gebirgstruppe" bei ihrer Traditionspflege erfährt. Dieser Kreis, dem aktive und ehemalige Bundeswehrsoldaten sowie Gebirgsjäger der Wehrmacht angehören, ehrt jedes Frühjahr mit einer Gedenkveranstaltung die gefallenen und vermissten Angehörigen der Gebirgstruppe.

Dafür wurde bereits 1957 durch den Militärbischof der Bundeswehr vor 30.000 Besuchern eine Gedenkstätte am Hohen Brendten bei Mittenwald eingeweiht. Die Anwesenheit einer großen Zahl ehemaliger Wehrmachtsangehöriger wurde vom Kommandeur der 1. Gebirgsdivision, Buchner, in der Kameradenzeitung "Die Gebirgstruppe" als "ein besonderes Glück" besonders begrüßt. Denn "jeder dieser alten Angehörigen der Gebirgstruppe" trage dazu bei, "daß auch diese neue 1. Gebirgs-Division wieder von jenem Geist, von jener Haltung und von jener Eigenart erfüllt [werde, die] die Gebirgs-Divisionen der Wehrmacht (...) hatten." Es sei "erfreulich, feststellen zu können, daß unsere jungen Freiwilligen auf dem besten Wege sind, diese wertvolle Überlieferung zu übernehmen und weiterzutragen." (Buchner 1957).

Seither pflegen die Gebirgsjäger die Erinnerung an all jene, die sie unterschiedslos zu "Opfern" stilisieren, seien es in Afghanistan gestorbene Bundeswehrsoldaten oder Angehörige der Wehrmacht. Unter den Geehrten und den Ehrenden sind zahlreiche Kriegsverbrecher, die als solche verurteilt wurden und viele, die der Verurteilung entgingen, weil die Verbrechen nicht geahndet wurden wie in den 60er Jahren, als es in Strafermittlungsverfahren, die aufgrund der Massaker in Komeno und Kephallonia gegen rund 300 Gebirgsjäger eingeleiteten wurden, in keinem einzigen Fall zur Anklage kam.

  • So wurde Feldmarschall Schörner, der "Bluthund von Lemberg" nach seiner Verurteilung bis an sein Lebensende vom Kameradenkreis materiell unterstützt.

  • So wurde General Lanz bis 1982 Ehrenpräsident des Kameradenkreises, obwohl er in den Nürnberger Prozessen wegen seiner Kriegsverbrechen zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, später jedoch weit vor Ablauf der Strafe entlassen. Schon kurz danach bot ihm der damalige FDP-Vorsitzenden Thomas Dehler an, seiner Partei beizutreten, um "militärische Sicherheitsfragen" zu behandeln und schon 1953 kandidierte er im Landkreis Weilheim für die FDP zur Bundestagswahl.


Diese Truppen werden nicht zu einer Stabilisierung beitragen, sondern zu einem weiteren Destabilisierungsfaktor werden. Zu einer Lösung der Konflikte in Afghanistan können sie nicht beitragen.

>>> Mehr zur 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg:
Hermann Frank Meyer: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgsdivision im Zweiten Weltkrieg
Chr. Links Verlag, Berlin 2008, 789 S., 49,90 Euro
18.05.2008