Weißer Ostermarsch 2008

Durchgefroren, aber guter Stimmung

26.3.2008: Trotz Winterwetter beteiligten sich nach Angaben der Ostermarsch-Infostelle in Frankfurt (Main) etwa 60.000 Menschen an den 90 Ostermarsch-Kundgebungen, die bundesweit in unterschiedlicher Form stattfanden. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel war unterwegs auf dem Ostermarsch Ruhr: auf der Fahrrad-Etappe von Essen nach Bochum und dem Fußmarsch von Bochum nach Dortmund zeigten wir eine kleine wetterfeste Ausstellung zur wechselvollen Geschichte des Ostermarsches.
Haben die 120 Personen, die 1960 in Bremen zum ersten deutschen Ostermarsch starteten, damit gerechnet, dass sich 8 Jahre später an bundesweiten Demonstrationen 300.000 Personen beteiligen würden? Die Friedensbewegung hat damals ihren Beitrag zur Durchsetzung der "Entspannungspolitik" geleistet.

Heute ist es dringender denn je, sich wieder gegen Militarisierung einzusetzen. Konfliktlösung setzt zunehmend auf militärische Mittel zur Durchsetzung ökonomischer oder machtpolitischer Interessen. Dagegen forderten die Ostermarschierer das "Nein zu Kriegseinsätzen". Im Vordergrund stand die Forderung nach Beendigung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Das zunehmende Interesse an den Ostermarschveranstaltungen ist vor allem auf die Debatte um diese Frage zurückzuführen. Deshalb wurden auch auf vielen Ostermärschen Unterschriften gesammelt für einen Appell an den Bundestag, das Afghanistan-Mandat der Bundeswehr nicht zu verlängern.
Ostermarsch-Thema wurde auch die indirekte Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an den weltweiten Militäreinsätzen der USA, die ohne die Logistik auf den zahlreichen US-Basen in Deutschland so nicht möglich wären. Proteste gegen den Irak-Krieg richteten sich deshalb nicht nur gegen die US-Regierung, sondern auch gegen die Bundesregierung. Angesichts der Tatsache, dass sowohl die Atomwaffenstrategien der USA als auch der EU den Einsatz von Atomwaffen vorsehen, wurde auch das Ende der nuklearen Teilhabe gefordert. Um künftige Kriege um Rohstoffe zu verhindern, verlangte die Friedenbewegung außerdem ein radikales Umsteuern in der Energie- und Klimapolitik.
60.000 Personen, die sich für diese Ziele einsetzen, sind nicht genug, um sie durchzusetzen. 60.000 Personen, die zu einem Zeitpunkt gegen eine Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes demonstrieren, in dem diese Einsätze bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr auf Akzeptanz stossen, sind aber genug, um die Presse darüber berichten zu lassen. Zumindest in der Lokalpresse wurden häufig auch die Ziele der Ostermarschierer genannt, so beispielsweise in der Bochumer Lokalausgabe der WAZ vom 24.3.2008, die Friedenskooperative Ruhr hat einen Medienspiegel zusammengestellt.

Die Ostermärsche sind vorbei, die Unterschriftenkamapgne gegen eine Verlängerung und Ausweitung des Afghanistan-Mandeates geht weiter. Wer noch nicht unterschrieben hat, kann das hier nachholen.
26.03.2008