Elsa Rassbach informiert über internationale Aktivitäten der Friedensbewegung

Globale Mobilmachung gegen die Besetzung im Irak und Afghanistan

17.3.2008: Elsa Rassbach wird am 3.4.2008 zu einer Informationsveranstaltung des Friedenskreises nach Castrop-Rauxel kommen. Sie wurde 1943 in Detroit geboren, studierte in den 1960ern in Berlin und hat sich 1996 in Deutschland als Filmemacherin niedergelassen. Sie in den US-amerikanischen Organisationen Code Pink, Granny Peace Brigade, American Voices Abroad Military Project und der Demokratischen Partei und in deutschen Friedensorganisationen aktiv. Wir übernehmen hier ihren Bericht zu den internationalen Protestaktionen, die am Wochenende gegen die Besetzung im Irak und in Afghanistan stattgefunden haben:

Sydney, Seoul, Ankara, Madrid, Rom, Göteborg, Stockholm, Oslo, Duisburg – in unzähligen Städten haben am Wochenende Kriegsgegner für ein Ende der Besatzung im Irak und in Afghanistan protestiert. Die Demonstrationen waren bei weitem nicht so gewaltig wie im Vorfeld des US-Einmarsches am 20.März 2003, als Millionen Menschen auf die Straßen gingen, doch wieder war es eine globale Manifestation. Die größten Kundgebungen anläßlich des fünften Jahrestags der Invasion im Zweistromland wurden aus Großbritannien und den USA gemeldet.

In London machten sich der frühere Minister und Labour-Abgeordnete Tony Benn sowie der unabhängige Parlamentarier George Galloway für den Abzug der Besatzungstruppen stark. Nach Angaben der "Stop the War Coalition" nahmen an dem Protest in der britischen Hauptstadt 40000 Menschen teil. In Los Angeles zogen laut Veranstaltern 10000 Demonstranten über den Hollywood Boulevard. Die Protestteilnehmer trugen in US-Flaggen eingehüllte Särge mit sich und erinnerten damit an die Opfer des Irak-Feldzuges von Präsident George W. Bush.
Im National Labor College in Silver Spring ging am Sonntag die viertägige Anhörung "Winter Soldier" zu Ende. In dem Vorort von Washington hatten sich vom 13. bis 16. März rund 250 ehemalige US-Soldaten getroffen und sich über ihre traumatischen Erfahrungen im Irak und in Afghanistan ausgetauscht. Der ehemalige US-Marine James Gilligan konnte seine Tränen kaum zurückhalten, als er erzählte, wie er in Afghanistan die Verwüstung eines Dorfs durch die US-Streitkräfte veranlaßt hatte, weil er seinen Kompaß falsch gelesen hatte. Ex-Marine Jon Turner rieß sich seine Kriegsmedaillen vom Hemd, bevor er berichtete, wie er einen irakischen Jungen vor den Augen seines Vater erschossen hatte. "Ich bereue, daß ich Haß und Vernichtung über unschuldige Menschen gebracht habe", schloß der Veteran seine Schilderung von Kriegsverbrechen.

Die Berichte der Veteranen wurden per Satelliten-TV in ganz Nordamerika übertragen. Veranstaltet wurde das "Winter Soldier"-Hearing von "Iraq Veterans Against the War" (IVAW). Die Organisation hat etwa 800 Mitglieder in 49 US-Bundesstaaten sowie in Kanada und an Militärstützpunkten im Ausland. Die US-Regierung nahm das Treffen ernst und reagierte noch vor Abschluß der Versammlung. In der Washington Post vom Samstag verwies ein Sprecher des Verteidigungsministeriums darauf, daß die von den Veteranen geschilderten Vorfälle nicht repräsentativ für die US-Streitkräfte seien. "Wenn Einzelfälle schlechten Benehmens bekannt geworden sind, haben die Befehlshabenden ausführliche Untersuchungen eingeleitet, um die Fakten zu ermitteln und, wenn angemessen, die Einzeltäter zur Rechenschaft zu ziehen", so Oberst Mark Ballesteros.

IVAW konterte in einer Stellungnahme an das Pentagon: "Vom Militär wird verlangt, eine Besatzung zu gewinnen. Die Truppen im Einsatz wie die Befehlshabenden wissen, daß dies eine unmögliche Aufgabe ist. Wir fordern das Verteidigungsministerium auf, nicht länger vorzugeben, daß es das Unmögliche leisten kann. Wir haben ein politisches Problem, wofür es keine militärische Lösung gibt. Es geht nicht um einen Krieg, der gewonnen werden kann. Es geht um eine Besatzung, die beendet werden muß."

Das US-Friedensbündnis "United for Peace & Justice" plant für den kommenden Mittwoch eine Großdemonstration in Washington. In Deutschland wird im Rahmen der traditionellen Ostermärsche an die Folgen von Krieg und Besatzung erinnert.
17.03.2008