Nicht drei, nicht zwei, nicht eins, sondern keines!

Der Friedenskreis in Berlin: "Bundeswehr raus aus Afghanistan"

17.9.2007: Mit der Demonstration am 15. September sollten die Bundestagsabgeordneten noch einmal daran erinnert werden, dass sie doch eigentlich ein Gewissen haben sollten und dass ein großer Teil der Bevölkerung die deutschen Kriegseinsätze in Afghanistan ablehnt. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel hatte zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen und sich auch selber auf den Weg gemacht. Um 6:30 rollte die Friedenslok NRW im Dortmunder HBF ein, der Sonderzug aus dem Ruhrgebiet, und es war tatsächlich nicht mehr möglich, zusammenhängende Plätze für unsere Gruppe zu ergattern. Über 800 Personen brachte der Zug schließlich nach Berlin.
Etwa 10.000 Teilnehmer versammelten sich dann insgesamt auf dem Alexanderplatz. Eine Beteiligung, die Mitveranstalter Peter Strutynski vom Kasseler Friedenratschlag zu der Äußerung veranlaßte: "Die Teilnehmerzahl hätte zwar höher ausfallen können, aber Stimmung und Inhalte waren gut." Uns ist aufgefallen, dass viel mehr Friedensgruppen den Aufruf unterstützt haben als auf dem Platz mit Transparenten vertreten waren. Lag es an den Sturmböen, die auch unser Transparent zausten? Lag es an der langen Anfahrt? Haben sie geahnt, dass die Demonstrationsroute praktisch nur durch menschenleere Strassen geführt wurde? So war es ein Leichtes, der Demonstration in den vorherrschenden Medien keine Beachtung zu schenken.

Dabei wurde inhaltlich durchaus Beachtenswertes zur Sprache gebracht:

Die Mär vom ISAF-Mandat, mit dem der friedliche Wiederaufbau gefördert wird, erweist sich als große Lüge, wenn zivile Hilfsorganisationen sich aus Angst vor Angriffen gegen ihre Helfer zurückziehen, weil sie als Teil der Besatzung angesehen werden. Kein Wunder, wenn sich Bundeswehrsoldaten inzwischen in weißen Fahrzeugen bewegen, die denen ziviler Hilfsorganisationen ähneln.

Auch der Schreckensruf: "Ohne uns bricht dort das Chaos aus!" wurde wieder gerade gerückt. Einige Beiträge schilderten das Chaos, das jetzt bereits da ist und durch die Militärbesatzung täglich verschlimmert wird.
Andere stellten sofort realisierbare politische Lösungsmöglichkeiten vor wie Mohssen Massarrat:

  • Verhandlungen zwischen dem afghanischen Präsidenten Karsai und den Taliban zur Bildung einer nationalen Übergangsregierung. Die Bereitschaft zum Dialog und zur Mitwirkung aller relevanten Kräfte, also auch der Taliban, ist die unverzichtbare Grundlage für den inneren Frieden und den Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft.

  • Die Festlegung eines verbindlichen Zeitplans für den Abzug aller ausländischen Truppen.

  • Die mit den Taliban gebildete Übergangsregierung entscheidet im Konsens, ob und welche Art von internationalen Truppen die Besatzungsarmeen ersetzen sollen, um Bürgerkrieg und noch größeres Chaos in der Übergangsphase zu verhindern und stabile Rahmenbedingungen für den Aufbau eines neuen politischen Systems herzustellen.


Stoff zum Nachdenken gab es also genug. (Für das leibliche Wohl musste man allerdings selber sorgen. Ein einsamer Brezelverkäufer, der sich in den Demonstrationszug verirrte, stand schon nach 5 Minuten mit leerem Korb da). Mit der Frage, wie wir unseren Unmut, der doch von einem großen Teil der Bevölkerung geteilt wird, noch besser vertreten können, machten wir uns wieder auf den Heimweg.


"Afghanistan ist ein lebendiges Museum von frauenfeindlichen und reaktionären Kräften"
"Gern lernen wir von der deutschen Friedensbewegung"
"NEIN zu Amerikas Kriegs- und Chaosplan"
Die Reden von Tahera Chams, Kelly Campbell und Mohssen Massarrat

"Lügen, die zum Himmel stinken"
"Friedenspolitik statt Krieg in Afghanistan!"
Die Reden von Peter Strutynski und Andreas Buro

"Für mehr zivilen Ungehorsam!"
"Wir wollen Abrüstung statt Sozialabbau"
Die Reden von Peter Grottian und Horst Schmitthenner

17.09.2007