Von friedlichen Märschen und einem kleinen Sieg

Bundeswehr raus aus Afghanistan und dem Arbeitsamt in Köln
10.4.2007: Ostermärsche in 84 Städten sprachen sich gegen Militärinterventionen in aller Welt und eine zunehmende Militarisierung in Deutschland aus. Wo die eigene Betroffenheit besonders deutlich wurde wie am Bombodrom oder an besonders wichtigen Schaltstellen der Kriegsplanung waren mehr Menschen zu Demonstrationen bereit. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel radelte mit ca. 150 anderen von Essen nach Bochum. Vielleicht haben viele kleine Aktionen dieser Art dazu beigetragen, die Bundeswehr wieder aus dem Arbeitsamt Köln zu vertreiben?

Nach Informationen der der Infostelle Ostermarsch 2007″ fanden über 80 Demonstrationen oder alternative Veranstaltungen statt und damit mehr als im Vorjahr. Nach Umfrageergebnissen der letzten Zeit brachten dabei mehrere zehntausend Menschen lautstark zum Ausdruck, was auch viele der zu Hause gebliebenen still für sich denken: Die Bundeswehr hat bei Militäreinsätzen in aller Welt nichts zu suchen. Kriege sind Kriege und keine humanitären Aktionen.
An dieser Grundstimmung kamen auch die Medien nicht vorbei. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde sowohl im Vorfeld als auch nach den Feiertagen deutlich mehr berichtet. In Castrop-Rauxel veröffentlichte neben dem Stadtanzeiger auch die WAZ einen Artikel mit dem Treffpunkt zum Ostermarsch.

Der Friedenskreis Castrop-Rauxel strampelte auch in diesem Jahr wieder von Essen nach Bochum. Nach einer Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Gelsenkirchen ging besonders die Darbietung im ehemaligen Zwangsarbeiterlager in Gerthe unter die Haut.

Kein Jugendlicher sollte dazu gebracht werden, in der Bundeswehr Werkzeug für ähnliche Unterdrückung zu werden, weil ihm ohne Arbeitsplatz eine andere Lebensperspektive verwehrt wird. Deshalb protestierte die Initiative "Bundeswehr Wegtreten" gegen Werbeveranstaltungen der Bundeswehr im Arbeitsamt Köln. Angesichts der zunehmenden Perspektivlosigkeit am Ausbildungsmarkt warb die Bundeswehr immer offensiver für den "Job" des Soldaten. Sogar bewaffneter Feldjäger kreuzten im Berufsinformationszentrum auf. Empfänger von Arbeitslosengeld II unter 25 wurden im Rahmen einer sogenannten U25-Maßnahme zur Teilnahme an den Rekrutierungsveranstaltungen der Bundeswehr verpflichtet. Wie in Bielefeld und Berlin musste die Bundeswehr nun auch in Köln einen Rückzieher machen.
Zugegeben nur ein kleiner Sieg, die Tornados sind immer noch in Afghanistan und was die Piloten tun, ist nicht mehr deutsche, sondern NATO-Entscheidung. Deshalb wird die Friedensbewegung auch nach den Ostermärschen nicht leiser werden.

10.04.2007