"Schweigen ist keine Alternative"

Was Castrop-Rauxel und New York gemeinsam hatten

2.2.2007: "Ich bin so traurig, daß wir hier wieder demonstrieren müssen - daß unser Land die Lehren aus dem Vietnamkrieg nicht gezogen hat", sagte Jane Fonda am 27.1.2007 in Washington von einer improvisierten Bühne herunter, im Rücken das Weiße Haus vor 500.000 Demonstranten.
"Gedenkreden sind zu wenig, Wir müssen auch in der Gegenwart den neuen Nazis die Stirn bieten," sagten die Veranstalter einer Mahnveranstaltung in Castrop-Rauxel am 27.1.2007 . Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Faschismus.
Die Parallelen zwischen Vietnam und dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Washingtons auf Irak seien unübersehbar, und auch deshalb könne sie sich nach einem langen Rückzug ins Private jetzt nicht länger zurückhalten. "Schweigen ist keine Alternative", erklärte Jane Fonda. Neben Vietnam-Veteranen beteiligten sich an der Kundgebung auch Irak-Veteranen. Ursprünglich habe er geglaubt, seinem Land in Irak ehrenwert zu dienen, sagte ein Exsoldat auf der Rednertribüne und beschuldigte Bush, ihn und seine Kameraden "mit Lug und Trug" in den Krieg geschickt zu haben.

Die Proteste wurden organisiert vom Bündnis "United For Peace and Justice", das 1 400 Antikriegsgruppen vertritt. Auch in Los Angeles, San Francisco und Sacramento forderten Tausende den Abzug der US-Truppen aus Irak, ohne dass diese Kundgebungen in unseren Medien mehr als eine Randnotiz hervorriefen.
Immerhin wurde in Castrop-Rauxel über die Mahnveranstaltung am 27.1.2007 berichtet, zu der die Castrop-Rauxeler Antifaschisten, der Friedenskreis und "Die Linke" aufgerufen hatten. Der Friedenskreis orientierte sich dabei an den Worten von Roman Herzog:"Ich wünsche mir, dass der 27. Januar zu einem Gedenktag des deutschen Volkes, zu einem wirklichen Tag des Gedenkens, ja des Nachdenkens wird." Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Nicht nur die Opfer des Holocaust, die in den meisten Gedenkreden genannt werden, auch die Opfer des Weltkrieges, der von der faschistischen Diktatur entfesselt wurde, fordern unseren Einsatz heraus. "Nie wieder Krieg" war kurz nach 1945 der vorherrschende Wunsch. Zur Zeit kann man beobachten, wie politische Konfliktsituationen immer mehr zum Ruf nach militärischen Maßnahmen führen. Wie die Entwiclung im Irak eindrücklich zeigt, können Konflikte dadurch nicht gelöst werden. Im Gegenteil, mit zunehmender militaristischer Unterdrückung wächst die Gefahr eines erneuten Flächenbrandes. Unser Gedenken an die Opfer des Faschismus führt uns deshalb direkt an die Seite der Demonstranten in Washington.



02.02.2007