Wie an der nächsten Rechtfertigung gebastelt wird

Islamofaschismus - eine neue Kategorie auf der Achse des Bösen

19.1.2007: Kriege brechen nicht aus, sie dienen bestimmten Interessen und werden vorbereitet. Das wissen fast alle, aber erst wenn der Krieg vorbei ist. Und beim nächsten Mal fängt alles wieder von vorne an. Dass die Begründungen für den Überfall auf den Irak sich als Lügen erwiesen, ist gerade einmal drei Jahre her und schon können wir beobachten, wie an einem Kampfbegriff gefeilt wird, mit dem nach so kurzer Zeit Zustimmung für den nächsten Krieg im Nahen Osten geschaffen werden soll. Mohssen Massarrat, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück, hatte am 10.2.2006 in Castrop-Rauxel über die Hintergründe des Irankonfliktes informiert. In einem aktuellen Artikel beleuchtet er die Enstehung der neuen Parole "Demokratien gegen Islamofaschisten."

Dabei erwähnt er verschiedene Protagonisten dieser neuen Wortschöpfung:

Josef Joffe:

Seit April 2000 ist Josef Joffe Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", in der er bei Ausbruch des Irak-Krieges als vehementer Befürworter der US-amerikanischen Politik an die Öffentlichkeit trat. Das überrascht nicht, wenn man sich seine Biographie näher ansieht. Denn mehr als ein deutscher Journalist ist er ein informeller Botschafter neokonservativer us-amerikanischer Politik.

Als solcher ist er engagiert im Aspen Institute in Berlin. Offiziell ist das 1974 in Berlin gegründete Institut eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die sich mit "internationalen und transatlantischen Beziehungen befasst". Dahinter verbirgt sich ein privater think tank mit Hauptsitz in Washington, der sich international sowohl an Entscheidungsträger als auch an eine breite Öffentlichkeit wendet, um die amerikanische Politik zu unterstützen. Nach Angaben der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) wird er zu dem Zweck finanziell unterstützt von einem Netz neokonservativer Stiftungen in den USA, insbesondere dem Aspen Strategic Initiative Institute (ASII), der Smith Richardson Foundation und der Bodman Foundation. Der Leiter des Instituts Gedmin war vorher bei einer Reihe erzkonservativer US-Initiativen tätig, so beim American Enterprise Institute (AEI), als Exekutivdirektor der Neuen Atlantischen Initiative (NAI) sowie als Mitgründer des neokonservativen Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert (PNAC).

Josef Joffe verbreitet seine Ansichten nicht nur in der "Zeit", er ist zudem Mitglied in den Redaktionsbeiräten: "International Security" (Harvard/MIT),"The American Interest" (Washington), "Prospect" (London) und "Internationale Politik" (Berlin). Außerdem ist er als Dozent für internationale Politik tätig in München, an der John-Hopkins-Universität, in Harvard sowie in Stanford, in der Ben-Gurion-Universität des Negev, der American Academy Berlin, dem Leo Baeck Institute New York sowie Humanity in Action (Berlin). Außerdem ist er Vorsitzender des Kuratorium des Abraham Geiger Kolleg, dem einzigen Rabbinerseminar der Bundesrepublik Deutschland.

Hendryk Broder

Der Journalist und Schriftsteller schreibt für das Magazin "Der Spiegel" und die Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel". Er ist Mit-Herausgeber des "Jüdischen Kalenders", einer jährlich erscheinenden Text- und Zitatensammlung deutsch-jüdischer Kultur. Auch Broder unterstützte von Anfang an den Irak-Krieg.

Auf verschiedenen Internetseiten polemisiert er auf unerträgliche Weise gegen den Islam, alle Muslime und alle, die für kulturelle Toleranz und gegen Krieg sind. Besonders geschmäht werden Juden, die sich gegen die reaktionäre israelische Politik stellen, von Noam Chomsky bis Uri Avnery.
"Dies alles wäre weniger empörend, wenn Broder nicht zunehmend auch nazistische Stereotypen benutzen würde, die die Antisemiten und Nazis seit Jahrhunderten uns Juden gegenüber verwendet haben", so Abraham Melzer, einer der von Broder oft geschmähten Juden (nach einem Vortrag, den Melzer zusammen mit Hajo G. Meyer bei einer Ringvorlesung zu Israel/Palästina an der Uni Leipzig hielt, beschimpfte Broder z.B. die beiden in einer Schmähschrift auf seiner Internetseite "Achse des Guten" unter der Überschrift: "Holo mit Hajo - wie zwei Juden für die Leipziger den Hitler machen". Der 81-jährige Hajo G. Meyer wird dabei als "Berufsüberlebender" tituliert.)

Leon de Winter

Leon de Winter ist ein Sohn niederländisch-orthodoxer Juden, die den Holocaust in einem Versteck überlebten, das ihnen von katholischen Priestern und Nonnen zu Verfügung gestellt worden war. Nach einer Ausbildung bei der Bavaria Filmakademie in München studierte de Winter hat an der Filmakademie in Amsterdam, die er jedoch ein Jahr vor dem Abschlussexamen verließ. Er arbeitet heute als Schriftsteller und wurde öffentlich bekannt als Blogger mit dezidiert islamkritischen und pro-israelischen Standpunkten.

Hier geht es zu dem Artikel von Mohssen Massarrat:"Die Kreuzfahrer sind voller Ungeduld"



19.01.2007