"Schalom 5767"

"Man kann doch nicht wegschauen" - "Man muss doch etwas tun"

10.12.2006 Am 1. und 2. Dezember traf sich der Friedenskreis Castrop-Rauxel ausnahmsweise einmal in Kassel beim 13. Friedenspolitischen Ratschlag. Knapp 400 Personen aus 120 Städten der BRD und Gäste aus den Niederlanden, Österreich und Schweden hatten angesichts humanitärer Katastrophen in Kriegsgebieten die Politkersätze ernst genomen: "Man kann doch nicht wegschauen"

Allerdings zeigt die Erfahrung beispielsweise im Irak und in Afghanistan, dass die mit diesen Sätzen eingeforderte Zustimmung zu militärischen Interventionen ein untaugliches Mittel zur Schlichtung oder gar Lösung von Konflikten sind, abgesehen davon dass militärische Interventionen von außen in aller Regel gegen das Völkerrecht und insbesondere das in der UN-Charta verankerte Gewaltverbot verstossen. Deshalb ging es den 400 Teilnehmern aus der Friedensbewegung um humanitäre Arbeit im echten Sinn des Wortes sowie ziviles, gewaltfreies Eingreifen zugunsten der Verteidigung von politischen und sozialen Menschenrechten.

"Das Gebot der Nächstenliebe ist der zentrale Kern der jüdischen Religion", erklärte beispielsweise Rolf Verleger, Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden. Angesichts des Unrechts, das den Palästinensern von israelischer Seite angetan werde, sei von Nächstenliebe allerdings nicht mehr viel zu erkennen. Er fordert deshalb eine aktivere Rolle der EU in Nahost und hat die Unterschrifteninitiative "Schalom 5767" (5767 ist die Jahreszahl nach dem jüdischen Kalender) gestartet, in der Deutschland und die Europäische Union aufgefordert werden, Israels Politik nicht länger zu tolerieren und einen palästinensischen Staat anzustreben. Der Friedenskreis unterstützt diesen Aufruf und gibt Ihnen die Möglichkeit, sich ebenfalls durch Ihre Unterschrift daran zu beteiligen.

Online-Petition "Schalom 5767" (Berliner Erklärung)

Seit Jahrzehnten leben das israelische und das palästinensische Volk als Nachbarn. Es gäbe viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zur gemeinsamen Entwicklung. Stattdessen wird ihr Leben vergiftet durch Krieg und Gewalt, durch Bedrohung und Terror, durch gegenseitigen Hass, Verachtung und Respektlosigkeit.

Das Grundübel ist die seit 1967 andauernde israelische Besetzung palästinensischen Gebiets. Die Besetzung bedeutet Entwürdigung und Entrechtung der Palästinenser. Sie lähmt ihr wirtschaftliches, politisches und soziales Leben. Darüber hinaus verhindert dieses täglich neu erlebte Unrecht einen friedlichen Ausgleich des alten Unrechts, das den Palästinensern mit der Vertreibung von 1948 angetan wurde. All dies treibt die Spirale der Gewalt an. Es ist an der Zeit, diese Spirale zu durchbrechen und einer dauerhaften Friedenslösung den Weg zu bereiten, die

  • dem palästinensischen Volk ein selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglicht

  • beiden Nationen die Existenz in international anerkannten Grenzen sichert

  • die gesamte Region befriedet und dadurch die ganze Erde friedlicher und sicherer werden lässt.
In beiden Gesellschaften, der israelischen wie der palästinensischen, gibt es seit langem Stimmen für Verständigung; die "Genfer Vereinbarung" ist dafür wegweisend. Diese Stimmen brauchen Unterstützung.

Nur wenig Unterstützung kommt jedoch aus Deutschland. Das hat seinen Grund: Vor 61 Jahren endete mit der Niederlage Nazi-Deutschlands der unter Führung von Deutschen begangene Massenmord an den Juden Europas. Scham und Trauer über dieses Verbrechen lässt viele Menschen zur Politik des jüdischen Staats Israel schweigen. Aber dieses Schweigen ermöglicht neues Unrecht.

Um in diese erstarrte Situation Bewegung zu bringen, haben wir, Jüdinnen und Juden aus Deutschland, als Erstunterzeichnende diese Erklärung auf den Weg gebracht. Denn wir sehen mit Entsetzen, wie der mit so großen Hoffnungen gegründete Staat Israel in einer Sackgasse der Gewalt feststeckt. Wir fordern die deutsche Regierung auf, mit der Europäischen Union

  • die israelische Besatzungspolitik nicht länger zu tolerieren

  • kurzfristig den Boykott der Palästinensischen Autonomiebehörde zu beenden

  • endlich die Verwirklichung eines lebensfähigen palästinensischen Staates ernsthaft anzustreben, in Gaza und dem gesamten 1967 besetzten Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalems, mit voller Souveränität und freiem Verkehr.
Damit wird eine Sicherheitsregelung für die Staaten der Region zu verbinden sein, besonders für das sich bedroht fühlende Israel, ebenso wie für seine Nachbarstaaten. Fragen des Rückkehrrechts der von Israel 1948 vertriebenen Palästinenser können einvernehmlich gelöst werden, wenn Israel als Zeichen der Versöhnungsbereitschaft die Vertreibung als Unrecht benennt. Der Status Jerusalems als Doppelhauptstadt wird zu klären sein. Ein Vorschlag der Arabischen Liga zur Einigung mit Israel liegt vor. Der Frieden wäre greifbar nahe.

"Was Dir verhasst ist, tu Deinem Nächsten nicht an." So fasste vor zweitausend Jahren Rabbi Hillel das Wesen des Judentums zusammen. Das sollte auch heute der Leitfaden menschlichen Handelns sein, - auch in der Politik.

Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift diese Erklärung .

10.12.2006