Was steckt hinter politischen Entscheidungen?

Informationsabend mit Andreas Zumach

21.10.2006: Am 19.10.2006 hat der Friedenskreis Castrop-Rauxel in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule zu einem Informationsabend mit Andreas Zumach eingeladen. Etwa 50 Teilnehmer folgten einem überaus interessanten Vortrag über die Rolle, die der Zugriff auf das Öl bereits im Irak-Krieg hatte und für kommende Kriege spielen wird. Angesichts eines wachsenden Bedarfs und abnehmender Reserven liegt die Notwendigkeit einer alternativen Energiepolitik eigentlich auf der Hand.
120 Millionen Jahre brauchte die Natur für die Umwandlung organischer Substanzen in Erdöl. Seit ca 150 Jahren wird es von der Menschheit in zunehmendem Maße als Energieträger verbraucht und die Erschöpfung der weltweiten Reserven ist in 30 bis 40 Jahren abzusehen.

Größter Verbraucher sind die USA mit einem extrem hohen pro-Kopf-Verbrauch. Infolge seiner wachsenden Volkswirtschaft hat auch China trotz eines deutlich niedrigeren pro-Kopf-Verbrauches seinen Ölbedarf seit 2000 mehr als verdoppelt und ist inzwischen die Nummer 2 hinter den USA. Bei steigendem Bedarf hat der Weltmarktpreis für ein Fass (159 Liter) Öl erstmals seit Beginn seiner kommerziellen Nutzung vor knapp 150 Jahren 70 US-Dollar überschritten.

Deshalb bestimmen die Verteilungskämpfe um die immer knapper werdenden Ressourcen Öl und Gas zunehmend die internationale Politik. Mit dem völkerrechtswidrigen Irakkrieg 2003 sicherten sich die USA schon mal den Zugriff auf das Land mit den größten Ölreserven. Aber vermutlich war das nur der Anfang. In den militärstrategischen Doktrinen der USA und der EU wird die Sicherung der eigenen Energieversorgung immer deutlicher angeführt als Begründung für künftige militärische Interventionen im Ausland.

Das Gebiet vom Nahen Osten bis nach Zentralasien, in dem die entscheidenden Ölvorkommen liegen, wird deshalb in absehbarer Zeit von wachsendem strategischem Interesse sein nicht nur für die USA und für Europa, sondern auch für China, Russland und Indien. Für die ungehinderte Versorgung mit preiswertem Öl werden in diesem Gebiet auch diktatorische Regimes unterstützt, wenn sie den Interessen der USA und der westlichen Länder entgegenkommen. Von außen geförderten politischen Umsturz oder militärisches Eingreifen müssen Regierungen in diesen Ländern allerdings fürchten, wenn sie Maßnahmen ergreifen, die diesen Interessen entgegenstehen.

Eine Eskalation dieser Verteilungskämpfe um Öl und andere Ressourcen bis zu militärischen Auseinandersetzungen ist möglich, aber keineswegs unabwendbares Schicksal. Die technologischen Möglichkeiten für einen Umstieg auf alternative Energien sind heute weit genug entwickelt, um diesen drohenden Konflikt zu entschärfen. Es sind politische Entscheidungen, die über die Zukunft der Energiepolitik entscheiden. Ob die ökologische Wende hin zu nachhaltigen Energien noch rechtzeitig, auf internationaler Ebene und in ausreichendem Umfang stattfindet, hängt auch von uns ab. Die vorherrschende Politik steuert auf eine ökologische und militärische Katastrophe zu. Eine vernünftige und friedliche Alternative setzt sich nur durch, wenn wir sie einfordern.



Weitere Informationen bringt Andreas Zumach in seinem Buch:

Die kommenden Kriege. Ressourcen, Menschenrechte, Machtgewinn - Präventivkrieg als Dauerzustand? Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005, 224 Seiten, 8,90 Euro



21.10.2006