Kanonenbootpolitik in modernem Outfit

Was ist neu an den neuen Korvetten?

23.4.2006: Am 19.4.2006 wurde die erste der neuen Korvetten K130 bei Blohm + Voss in Hamburg getauft. Nur für die ersten fünf dieser hochseegängigen Schiffe hat die Bundesregierung schon 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die Schnellboote der deutschen Marine, früher in der Ostsee zur Landesverteidigung eingesetzt, werden damit außer Dienst gestellt und durch hochseegängige Waffenträger ersetzt, mit deren Anwesenheit vor fremden Küsten diplomatisch vorgetragenen Ansprüchen wirkungsvoll Nachdruck verliehen werden kann.

Was können sie?
Die Korvetten sind vier- bis sechsmal größer als die jetzigen Schnellboote und wurden speziell für den Einsatz in fremden Küstengewässern entwickelt. Sie sind so ausgerüstet, dass sie im Verbund mit Fregatten den Seekrieg von der Hohen See bis weit in die Küstengebiete hineintragen können, so dass militärische Landoperationen von See aus vorbereitet und unterstützt werden.

Zur Gebietsaufklärung über den Radarhorizont hinaus wird die K130 als erstes Marineschiff weltweit mit 2 Drohnen ausgerüstet. Bewaffnet werden die Korvetten mit Marschflugkörpern, die nicht nur andere Schiffe versenken, sondern auch Landziele in bis zu 200 km Entfernung zerstören können. Ein schwenkbarer Infrarot-Suchkopf ermöglicht dabei Einsätze bei Tag und Nacht sowie bei schlechter Sicht. Außerdem sind diese neuen Präzisionswaffen so konzipiert, dass dem Schützen auf der Korvette Bilder in Echtzeit vom überflogenen Gebiet gesendet werden, so dass er in der Lage ist, den Marschflugkörper bis zu einer Entfernung von 100 Kilometer genau zu lenken. Mit der sehr hohen Treffgenauigkeit unter 50 Zentimeter wird es möglich, auch durch Fenster in Gebäude einzudringen und erst danach den Gefechtskopf zur Wirkung zu bringen. Dazu der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Feldt: "Das Vorhaben Korvette K 130 verbessert die Fähigkeit zum Wirken von See an Land." (Soldat und Technik 9/2002)

Was kosten sie?

Derartige High-Tech ist natürlich nicht billig. Zunächst einmal werden bis 2008 fünf dieser Korvetten für 1,2 Milliarden Euro gebaut.Insgesamt sollen aber 15 Stück davon die 28 Schnellboote der Bundesmarine ersetzen, die bisher zur Landesverteidigung vollauf ausreichend waren.

Was sollen sie?

Finanziert wird auch mit diesen Milliarden der Umbau der Bundeswehr in eine Angriffsarmee. Mit ihrer speziellen Ausrüstung werden die neuen Korvetten nämlich der neuen Bundeswehr-Kategorie der "Eingreifkräfte" zugeordnet. Die "Eingreifkräfte" stellen ihre Verbände für die schnellen Eingreiftruppen der EU und der NATO zur Verfügung. Die Ausrichtung der Deutschen Marine auf Gebiete außerhalb der NATO hat mit Landesverteidigung nichts mehr zu tun. Stattdessen sollen die Interessen der EU überall auf der Welt wirkungsvoll zur Geltung gebracht werden. Unrühmlichen Traditionen des Kaiserreichs werden wiederbelebt.

Deshalb erklärt der Bundesausschuss Friedensratschlag in einer Presseerklärung zur Taufe der ersten Korvette: "Wir behaupten: Der deutsche Korvettenbau ist mit dem Verteidigungsauftrag der Bundeswehr unvereinbar, infolge dessen militärisch unbegründet, daher vollkommen überflüssig und stellt eine immense Verschwendung öffentlicher Mittel dar."

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23.04.2006