Das schmutzige Geschäft mit dem Krieg wird rehabilitiert

Söldner in modernem Outfit

1.11.2005 "Was wir gesehen haben, würde die amerikanische Bevölkerung niemals hinnehmen", sagte Craun. Immer wieder hätten Gruppen von "Contractors", deren Aufgabe es war, Lastwagenkonvois zur Versorgung der US-Army zu beschützen, entlang der Route unschuldige Iraker erschossen. In einem Fall habe er sogar gesehen, wie ein Iraker absichtlich von einem Lastwagen überrollt wurde. Kam es zu einem Verkehrsstau, dann schossen die "Contractors" einfach wahllos in die Fenster der Autos, um die Straße schneller freizubekommen. Und Ernest Colling berichtete, wie einer von zwei am Straßenrand stehenden Teenager von ihrem vorbeifahrenden Konvoi aus ermordet wurde: "Der Schütze hinten auf dem LKW hat ihn einfach erschossen, einen unbewaffneten Jungen, der nur so dastand", sagte Colling vor den TV-Kameras über seine Erlebnisse als Söldner in Irak.

"Outsourcing" - das moderne Zaubermittel ist beim Militär angekommen. In den Mainstream-Medien findet deshalb eine Verschiebung statt. Während die Söldner der Gegenseite immer noch als plündernde, vergewaltigende Horden durch die Medien ziehen, erfahen die eigenen Söldner im Gewand von Sicherheitsberatern eine Rehabilitierung zu einem legitimen Instrument der Politik. Wir haben versucht, diese Entwicklung nachzuzeichnen.

Söldner-Operationen im Wandel
Das neuzeitliche Heer der Söldner rekrutierte nach dem Ende des Vietnamkrieges viele amerikanische Veteranen, die nichts anderes gelernt hatten, als zu kämpfen. Sie schmuggelten und verkauften Waffen und Drogen aus Fernost und begannen, häufig unter dem Deckmantel der CIA, bewaffnete Auseinandersetzungen als lukrative Einnahmequelle anzusehen. Daneben boten auch die Apartheidsregierungen Rhodesien und Südafrika weißen Söldnern ein El Dorado in ihren Spezialeinheiten, in denen sie für die Infiltration anderer afrikanischer Staaten, den Buschkrieg und die damit verbundenen geheimdienstlichen Aufgaben ausgebildet wurden.

In der Vergangenheit gab es eine Reihe von Anstrengungen, das Söldnertum abzuschaffen. Bei der Revision der Genfer Konvention 1977 wurde den Söldnern der Kämpfer- und Kriegsgefangenen-Status entzogen. Parallel dazu verabschiedete die Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) die Konvention zur Abschaffung des Söldnertums in Afrika. Zwölf Jahre später zog die UN-Vollversammlung nach, indem sie die Internationale Konvention gegen Rekrutierung, Einsatz, Finanzierung und das Training von Söldnertruppen erließ. Diese verpflichtet die Staaten dazu, Söldner gesetzlich zu verfolgen und auszuliefern. Doch damit die UN-Konvention in Kraft treten kann, muß sie von mindestens 22 Ländern unterzeichnet werden. Bislang haben dies erst 14 getan.

In den letzten 15 Jahren setzte eine gegenläufige Entwicklung ein. Aus dem privaten Zusammenschluss gewissenloser Abenteurer in sogenannten Sicherheitsfirmen wurden mit der Zeit moderne Wirtschaftsunternehmen, die inzwischen offfiziell von einem Staat beauftragt werden, an einem Krieg unterstützend teilzunehmen oder in Kriegs- oder Krisengebieten bestimmte riskante Aufgaben wie Personen- oder Objektschutz zu erfüllen. Sie verfügen oft über die modernste Ausstattung und sind als Privatunternehmen keinerlei Kontrolle in ihrer Organisation oder bei Auswahl und Ausbildung des Personals unterworfen. Das bedeutet auch, dass sie nicht an die Genfer Konvention gebunden sind.

Söldner, schrieb der US-Militärstratege Thomas Adams, seien längst eine De-facto-Verlängerung der offiziellen Außenpolitik geworden und auch Großbritanniens Außenminister Jack Straw findet, PMCs seien in einer Welt "voller schwacher Staaten durchaus legitim". Sie gehen dorthin, wohin die Regierung offiziell keine Soldaten schicken kann. "Vor allem für Demokratien sind das attraktive Geschäftspartner", sagt Christopher Steinmetz vom Berliner Institut für transatlantische Sicherheit: Während gefallene GIs mit großen militärischen Ehren bestattet würden, "lässt ein toter Söldner die Öffentlichkeit nahezu kalt."

Offiziell, heißt es in der Zunft, übernehmen die meisten Firmen nur logistische Aufträge oder Ausbildungsmaßnahmen. Kampfeinsätze seien tabu. Doch die Grenze ist fließend. Das Geschäft ist der Krieg. Töten gehört dazu. "Nah am Feind verwischt sich alles", sagt der Berliner Sozialforscher und Söldnerexperte Dario Azzellini. "Die Unternehmen sind immer wieder in Kampfhandlungen verwickelt. Feuergefechte kommen vor."

Rekrutierung
Als Söldner werden meist ehemalige Soldaten angeworben z. B. aus Südafrika und Chile und zunehmend Angehörige westlicher Spezialeinheiten. Häufig wird aber auch Personal aus regulären Armeen abgeworben oder während Urlaubszeiten vorübergehend eingestellt. Die Motiviation der Angeworbenen liegt in dem hohen Sold für die gefährliche Tätigkeit. Einstiegsgehälter von 100.000 p.a liegen oft über dem Doppelten des normalen Solds.

Nachfrage
Die Söldnerfirmen werden von drei verschiedenen Seiten angeheuert. Erstens von regionalen Warlords zur Kontrolle von Gebieten mit Bodenschätzen, mit denen sie sich finanzieren. Zweitens von Konzernen, meistens global agierenden Rohstoffkonzernen, die auf diese Weise den Abbau der Rohstoffe sicherstellen wollen. (Beispielsweise war die größte Rutilmine der Welt in Sierra Leone 1995 kriegsbedingt ausser Betrieb. Durch militärischen Einsatz der Söldnerfirma Executive Outcomes (EO) gegen eine Rebellengruppe konnte ein Waffenstillstand erzwungen werden und bereits ein Jahr später nahm Sierra Rutile die Arbeiten an der Mine wieder auf. Offiziell wurde EO vom Staat Sierra Leone bezahlt, doch der Rohstoffkonzern Sierra Rutile, der die Hälfte der staatlichen Exporterlöse erwirtschaftete und eine wichtige Einnahmequelle für den Diktator Valentin Strasser darstellte, hatte einen grossen Einfluss. Es ist fast unbestritten, dass Sierra Rutile die Söldnerfirma EO über den Staat Sierra Leone anheuerte und auch an deren Bezahlung beteiligt war.)

Der bedeutendste Faktor, der zum neuen Boom der Söldnerfirmen beigetragen hat, sind aber die Aufträge durch westliche Staaten. Die Vereinigten Staaten zahlen mehr als 10 % ihrer Rüstungsausgaben an moderne Söldnerfirmen: für Aufklärung und Logistik, Gefangenenbewachung und Training. Damit sollen nicht nur Kosten gesenkt werden. Private Militärfirmen unterliegen bisher keinerlei Kontrolle durch die Parlamente - und sind deshalb auch bestens geeignet für Aufgaben, die sich dem Licht der Öffentlichkeit lieber entziehen.

Organisationsformen
Zu den bekanntesten Söldner-Organisationen gehörten die Firmen Sandline International und Executive Outcomes, die beide schließlich aufgelöst wurden, weil ihre Mitglieder zu oft im Zentrum von Ermittlungen standen und ihre Einsätze ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik gerieten.Aber die dadurch entstandene Marktlücke wurde alsbald durch neue multinationale Söldnerfirmen geschlossen. Sie geben sich unverfängliche Namen und bieten in gepflegter Marketing-Sprache Dienstleistungen rund um Sicherheit, Wirtschaftsaufklärung und Feindanalysen an. Sie bilden Teile eines größeren Unternehmensgeflechts, so daß ihre "Dienste" im Paket mit anderen Leistungen angeboten werden, z.B. mit Waffenlieferungen, für die die Firma dann auch Ausbildung und Wartung übernimmt, oder mit geophysikalischen Diensten, bei denen das Unternehmen den Objektschutz koordiniert. Sie trainieren als Sicherheitsberater fremde Truppen, übernehmen Gefängnisaufsicht, Logistikaufträge und beschützen Pipelines oder Politiker, sitzen aber auch mitunter im Kampfhelikopter-Cockpit und tummeln sich mehr oder weniger offen auf den Schlachtfeldern der ganzen Welt. Im Irak stellen die 15.000 Söldner aus 80 privaten Sicherheitsunternehmen die zweitgrößte Streitkraft im Land dar nach den USA, aber noch weit vor Großbritannien. Nach einer Meldung der Financial Times Deutschland vom 5.3.2004 wird die verschwiegene Branche von Insidern weltweit auf einen Umsatz im dreistelligen Milliardenbereich veranschlagt.

Privatisierung und Effizienzsteigerung
Das wird ermöglicht durch offizielle Aufträge von Regierungen, die militärische Teilbereiche aus Kostengründen in die Söldnerfirmen "outsourcen", die dabei von der Abhängigkeit des Militärs von High-Tech und Informationstechnologie profitieren. Allerdings ist damit auch ein "outsourcen" der politischen Verantwortung für einen Teil des staatlichen Gewaltmonopols verbunden. Das ist besonders ktitisch zu sehen bei der beginnenden Privatisierung von Friedensmissionen.

Einen großen Schub erhielt die "Rehabilitierung" von Söldnern als einem legitimen Instrument der Politik nach dem "erfolgreichen" Einsatz von Söldnern der südafrikanischen Firma Executive Outcomes 1995 in Sierra Leone. Im Auftrag der Regierung gelang es ihnen innerhalb von wenigen Wochen, die Rebellen der Revolutionary United Front aus den lukrativen Diamantengebieten zu vertreiben und an den Verhandlungstisch zu bringen. Die gelobte Effizienz beruhte allerdings lediglich auf militärischer Überlegenheit und der ausgehandelte Waffenstillstand wurde wieder gebrochen, bevor die Tinte getrocknet war. Trotzdem gilt seitdem in westlichen Regierungskreisen, daß Söldnerfirmen schneller, effizienter und billiger als vergleichbare Instrumente der Internationalen Gemeinschaft zur Befriedung von Regionen sind. In einem Green Paper, das die britische Regierung 2002 zum Söldnerwesen vorlegte, wird ein Verbot von Söldnerfirmen im Auslandseinsatz als nicht umsetzbar dargestellt, obwohl es in Großbritannien, Frankreich, und seit 1999 auch in Südafrika gesetzliche Regelungen gibt, die den Einsatz von Söldnern verhindern sollen. Stattdessen wird in dem Papier über Möglichkeiten zur Regulierung des Söldnerwesens nachgedacht. Es wird nun unterschieden zwischen: "einzelnen Söldnern", "Private Military Companies" (PMC) und "Private Security Companies" (PSC). Als Söldner gelten dabei nur noch jene Individuen, die sich für Geld an jeden verkaufen. Private Military Companies und Private Security Companies, die sich legal an Regierungen verkaufen, sind "Geschäftspartner". Bei einem Afrika-Symposium, das 1997 vom Pentagon veranstaltet wurde, trafen sich Söldner und potentielle Auftraggeber. Neben Eeben Barlow und Timothy Spicer von Executive Outcomes war auch der Chef der amerikanischen Military Professional Resources Inc. (MPRI) anwesend. Als potentielle Kunden traten Vertreter von Texaco, Exxon, Sierra Rutile sowie Militärattachés mehrerer afrikanischer Staaten auf.

Um diese Söldnerfirmen für die "Zivilgesellschaft" akzeptabel zumachen, gibt es Bemühungen zum Aufbau eines Lizensierungsregimes, nach dem sie zur Registrierung einigen formalen Kriterien gerecht werden müssen. Dadurch erhalten sie einen legalen Anstrich und werden in Zukunft eine noch größere Rolle in regionalen und lokalen Konflikten spielen. "Die Sölder sind wieder da, und sie werden bestimmt nicht mehr verschwinden", heißt es in einem Bericht "Soldiers of Fortune Ltd." des Center for Defense Information (CDI), das traditionell die hohen Rüstungsausgaben der US-Regierung kritisiert. Der Trend sei kaum umkehrbar. Aus diesem Grunde empfiehlt das Institut, dafür zu sorgen, daß sich die Vermittlungsagenturen an relevante internationale Menschenrechtsabkommen inklusive der Genfer Protokolle halten. Jedes Söldnerunternehmen, das international operieren wolle, müsse zu verbindlichen Auflagen gezwungen werden. Die CDI forderte die Vereinten Nationen auf, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Überlegungen ihre bisherige Position zu überdenken, Privatfirmen aus Friedensmissionen herauszuhalten.

Die frühere ablehnende Haltung der UNO wird zunehmend aufgeweicht. Teilweise wurden Sicherheitsfirmen schon zum Schutz von Hilfskonvois oder zur Versorgung von Blauhelm-Soldaten eingesetzt. Um diese Entwicklung zu forcieren, haben die Sicherheitsfirmen zur Imagepflege ihren eigenen Interessensverband gegründet, die International Peace Operations Association (IPOA) mit Sitz in Washington. Präsidenten der IPOA, Doug Brooks, über Rolle und Zukunft von privaten Söldnerfirmen:

"Bedauerlicherweise hegen westliche Staaten, die über die besseren Streitkräfte verfügen, große Vorbehalte, ihre Soldaten in "nicht strategische" Länder zu entsenden. Das hat dazu geführt, dass vor allem ärmere Länder Truppen für UN-Friedenseinsätze stellen. Die sind weniger trainiert und ausgerüstet. Das funktioniert nicht.... Hunderttausende von unschuldigen Zivilisten sterben jedes Jahr in Kriegen, die gestoppt werden könnten, wenn der Westen zuverlässige Friedenstruppen einsetzen würde. Private Firmen sind dazu bereit, diesen Bedarf zu decken und zwar transparenter, verantwortungsvoller und professioneller als UN-Truppen. Wer private Unternehmen und deren Mitarbeiter, die ihr Leben riskieren, um solche Kriege zu beenden und Zivilisten zu schützen, als "Söldner" bezeichnet ist schlecht informiert und gefühllos."
Nach diesen Vorstellungen werden Söldner als PMC/PSC dort eingesetzt werden, wo die westlichen Regierungen und Konzerne dies für richtig erachten, aber keine eigenen Soldaten hinschicken wollen. Dies kann im Rahmen von UN-Missionen oder eines Ausbildungsprogramms für "befreundete" Armeen erfolgen. Für die Söldnerfirmen könnte die Privatisierung von Friedensmissionen zu einem neuen Betätigungsfeld werden. Der stellvertretende UN-Generalsekretär Sergio Vieria de Mello, der 2003 beim Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad getötet wurde, hatte schon früh angeregt, in Afrika "notfalls" auch private Sicherheitstruppen mit dem Schutz humanitärer Organisationen zu beauftragen

Erledigung delikater Aufgaben
Mit dem Einsatz von Söldnern entledigen sich die westlichen Regierungen gleichzeitig eines Teils ihrer Mitverantwortung für die Entwicklungen vor Ort. Menschenrechtsverletzungen, Embargoverletzungen, Massaker oder eine weitere Konflikteskalation können einem "Mißmanagement" des Söldnerunternehmens zugeschrieben werden. "Diese Unternehmen sind gegenüber dem Parlament nicht rechenschaftspflichtig. Sie sind nur ihren Aktionären und Auftraggebern verantwortlich", sagte Dr. Herbert Wulf, der ehemalige Leiter des Internationalen Konversionszentrum Bonn. So könnten auch Truppenbegrenzungen umgangen oder heikle Operationen ohne langwierige parlamentarische Debatte realisiert werden." Der ehemalige Colonel David Hackworth, einer der am höchsten dekorierten amerikanischen Soldaten, sagte gegenüber der New York Times: "Diese neuen Söldner arbeiten für das Verteidigungs- und das Außenministerium und der Kongress schaut in eine andere Richtung....Der amerikanische Steuerzahler finanziert unsere eigene Söldnerarmee, die missachtet, was unsere Gründungsväter sagten."

"Private Dienstleister gehen dorthin, wo das Pentagon lieber nicht gesehen werden möchte", schreibt die New York Times. Denn bei den Privatfirmen gilt: Nicht die Regierung, die diese Firmen oft anheuert, ist verantwortlich für die Aktionen der modernen Söldner, sondern das Unternehmen selbst. Die US-Botschaften in Ländern, in denen die Firmen operieren, sollen diese lediglich im Auge behalten, wofür es jedoch keine klaren Richtlinien gibt.

Ein Beispiel ist die Unterstützung der rechtsgerichteten Regierung von Präsident Uribe durch die US-Regierung. Innerhalb des "Plan Patriota" stellt sie in diesem Jahr 680 Millionen US-Dollar und 800 Soldaten und Militärberater ab. Gleichzeitig wurde auch die Zahl der in Private Military Companies (PMC) angestellten US-Bürger um die Hälfte auf 600 erhöht. In Wirklichkeit ist die Zahl der für die PMC´s in Kolumbien arbeitenden Ausländer aber erheblich höher, da die Gesetzeslage nur ein Limit für US-Bürger vorschreibt. Deswegen werden von Firmen wie DynCorp lateinamerikanische Söldner angeworben, die zunächst in der berüchtigten "School of the Americas" ausgebildet werden.

(Die Escuela de las Américas- die "Schule der Amerikas" bildete zwischen 1946 und 1984 in Panama mehr als 60.000 Militärs aus - darunter Leute wie den bolivianischen Diktator Hugo Banzer, Argentiniens Obristen Jorge Videla oder Panamas Manuel Noriega.Als das Pentagon schließlich gezwungen wurde, die Lehrbücher dieser "Schule" zu veröffentlichen, standen dort klar und deutlich Anweisungen, wie man am besten foltert, erpresst und mordet. Die gelehrigen Schüler waren verantwortlich für blutige Militärputsche in den sechziger und siebziger Jahren - mit amerikanischem know- how. 1984 wurde diese Einrichtung in die USA verlegt, dann 1999 ganz geschlossen und wenig später unter dem Namen Institut für Sicherheits-Kooperation der westlichen Hemisphäre wieder eröffnet.)

Die Vernetzung zwischen kolumbianischer Armee, privaten Sicherheitsfirmen und paramilitärischen Aktionen wurde auch in der kürzlich aufgedeckten Operación Dragón - Operation Drachen deutlich. Die Geheimdienstabteilung der 3. Armeebrigade hatte minutiöse Überwachungsdaten von MenschenrechtsaktivistInnen, GewerkschaftlerInnen und Oppositionspolitikern an das private Sicherheitsunternehmen Consultoría Integral Latinoamericano weitergegeben. Bei Hausdurchsuchungen in Medellín und Cali stellte die Staatsanwaltschaft konkrete Pläne zur Ermordung der bespitzelten Personen fest.

Privatschutz von Konzernen
Kolumbien ist außerdem ein trauriges Beispiel für die Tätigkeit großer Söldnerunternehmen im Dienste von großen internationalen Konzernen. Als erster Fall wurde 1983 die Beteiligung des Erdölkonzerns Texaco beim Aufbau paramilitärischer Gruppen bekannt. Anfang der neunziger Jahre erhoben Gewerkschaften gegen den Schweizer Multi Nestlè den Vorwurf, während der Tarifverhandlungen Paramilitärs für die Liquidierung von Gewerkschaftern eingesetzt zu haben. Die schwersten Vorwürfe in den vergangenen Jahren richten sich jedoch gegen Erdöl- und Goldunternehmen wie den US-Goldmulti Corona Goldfields, das us-amerikanische Erdölunternehmen Occidental und British Petroleum, die das britische Söldnerunternehmen Defence Systems Limited (die in Kolumbien als Subunternehmen mit dem Namen Defense System Colombia auftreten) mit dem Schutz der Erdölanlagen, der Erhaltung des Betriebsfriedens und der Ausbildung kolumbianischer Polizisten beauftragt haben.

Auch viele Konzerne in Afrika haben ein Interesse an eigenen Sicherheitsdiensten. Sie unterstützen schwache Staaten mit Geld, binden jedoch diese Kredite an weitere Privatisierungen. Somit schaffen sie eine legale Grundlage für den Einsatz von Sicherheitsfirmen, die oft mit den Rohstoffkonzernen verbunden sind, welche dann oft auch weitere Staatsaufgaben übernehmen. Die Weltbank und die Regierungen der Geldgeberstaaten unterstützen diese Politik. Vor allem die USA achten verstärkt darauf, ihnen loyale Söldnerfirmen in den afrikanischen Staaten einzusetzen. So musste der angolanische Präsident Eduardo dos Santos 1995 den Vertrag mit EO kündigen, nachdem US-Präsident Clinton gedroht hatte, die Kredite versiegen zu lassen. Den Vertrag zur Sicherung der Ölfelder übernahm daraufhin die amerikanische MPRI. Dies ist nur ein Beispiel für die Zusammenarbeit von Groß- und Regionalmächten, internationalen Söldnerkonzernen und Konzernen.

Beitrag zum Zerfall des staatlichen Gewaltmonopols
Die westlichen Staaten, die sich zur Zeit militärisch auf den präventiven Ersteinsatz in sogenannten "zerfallenden Staaten" vorbereiten, leisten auf diese Weise selber einen entscheidenden Beitrag zum Zerfall, weil durch die Förderung privater Söldnerunternehmen das staatliche Gewaltmonopol aufgeweicht wird und durch Ausnahmeregeln, die für Regionen mit Bergbaukonzessionen ausländischer Firmen gelten, sich überall "rechtsfreie Zonen" entwickeln. Outsourcing macht den Krieg zur Ware und entzieht ihn der demokratischen Kontrolle.

Söldnerfirmen im Irak
Der Krieg im Irak trägt in besonderem Maße zum Aufschwung der privaten Söldnerfirmen bei. Das Center for Public Integrity, eine Washingtoner Vereinigung investigativer Journalisten, spricht von 50 privaten Sicherheitsfirmen, die im Irak tätig sein sollen. Offensichtlich sind alle darum bemüht, aus der unsicheren Situation Kapital zu schlagen. 1100 Gurkas der britischen Global Risk schützen das britische Armeehauptquartier in Basra, 1500 Britisch-südafrikanische Erynis (unter ihnen altbekannte Mitglieder von Todesschwadronen der Apartheidsarmee) schützen Pipelines. Custler Battles aus Virginia schützt den Flughafen Bagdad. Auch der britische Konzern Armorgroup, eines der größten Unternehmen im globalisierten Security-Geschäft, hat mindestens 500 nepalesische Gurkha-Söldner angeheuert, die für den Schutz der Mitarbeiter von US-Firmen wie Bechtel oder der Halliburton-Tochter Kellogg, Brown & Root (KBR) sorgen sollen. 1000 Männer von Dyncorp bilden für 50 Millionen Dollar neue Polizisten aus; Vinnell baut für 48 Mill. $ die neue irakische Armee auf. Gut zwei Drittel der Söldner stellt die US-Firma Blackwater, die auch für den Personenschutz des Chefs der US-Zivilverwaltung Paul Bremer zuständig war.

Die großen Sicherheitsdienste sind Vertragspartner des Pentagon in den USA und delegieren oft an kleinere Firmen in anderen Ländern weiter: 120 chilenische Söldner hat "Blackwater" unter dem Kommando eines ehemaligen Offizier Pinochets nach Bagdad geschickt. Nach glaubhaften Schätzungen befanden sich zeitweise bis zu 30.000 Söldner im Irak. Das entspricht in der Grössenordnung einer eigenen Besatzungsarmee. Das heißt, die Irakbesatzer fördern in großem Stil die Ausbreitung des privaten Militärwesens mit dem Ziel der Privatisierung von Kriegen. Von den 18,6 Milliarden, die das US-Repräsentantenhaus für den Wiederaufbau im Irak bewilligte, gehen 20-25% an die privaten Sicherheitsdienste zum Schutz von Baustellen und Mitarbeitern anstatt an die irakische Bevölkerung.

Die Söldner im Irak können je nach Gefahrenlage ihrer Aufgaben pro Tag mehrere tausend US-Dollar verdienen. Elite-Kämpfer der britischen SAS (Special Air Service) oder der amerikanischen Delta-Force lassen sich für üppige Gehälter von bis zu 200.000 Dollar pro Jahr abwerben. Die Zeitschrift "Economist" zitiert einen SAS-Veteranen, der behauptet, dass 40 der 300 Mitglieder der bei Hereford stationierten Eliteeinheit um eine vorzeitige Auflösung ihrer Verträge gebeten hätten, um für private Sicherheitsfirmen zu arbeiten.

Sie agieren dabei quasi in rechtsfreiem Raum und brauchen wie auch die Besatzungssoldaten keine Strafverfolgung zu fürchten. Schlimmstenfalls können sie ihre Lizenz und damit ihre Arbeit verlieren. Daher kann es auch kaum verwundern, daß ein Beamter der US-Botschaft erklärte, daß von den 122 Fällen seit Juli 2004, in denen "Auftragsnehmer" zum "Schutz" von Botschaftsangehörigen das Feuer eröffneten nur 3 zu Disziplinarmaßnahmen führten. Auch US-Brigadegeneral Karl Horst, stellvertretender Kommandeur der 3. US-Infanteriedivision, kritisierte in einem Interview mit dem Boston Globe vom18.9.2005 das Verhalten der Söldner: "Diese Typen laufen unkontrolliert im Land herum und machen Blödsinn. Es gibt keine Autorität über ihnen, also kann man sie auch nicht schwer bestrafen, wenn sie die Gewalt eskalieren", sagte er.

Und in Deutschland?
Auch an Deutschland geht diese Entwicklung nicht vorüber. Die in Lübeck ansässige "Baltic Safety Network"-Akademie (BSN), eine der führenden deutschen Sicherheitsagenturen, vermittelt Bodyguards nach Afghanistan, aber auch in den Irak. Sie konnte 2003 auf einen Absolventenpool von 308 bereits ausgebildeten Sicherheitskräften zurückgreifen. Aber damit konnte die Anfragen aus den Krisengebieten Irak und Afghanistan nicht befriedigt werden. Innerhalb von drei Monaten bildete die Sicherheitsakademie deshalb zusätzlich knapp 30 Personenschutzfachkräfte speziell für den Irak-Einsatz aus. Die Kosten für die über 5 000 Euro teure Ausbildung wurden von der Bundesagentur für Arbeit übernommen und die Prüfung zur "Personenschutzfachkraft" vor der Industrie- und Handelskammer in Lübeck abgelegt. Die Aufgabe der deutschen Söldner im Irak wurde von "Baltic Safety Network" allerdings nur schemenhaft umrissen. Wen sie schützen sollten,blieb im Dunklen.

Outsourcing wird auch bei der Bundeswehr schon betrieben. Noch betrift es Bereiche wie das Bekleidungswesen, den Fuhrpark, aber auch schon Gefechtsübungszentren. Die sogenannte "zivil-militärische" Zusammenarbeit soll in Zukunft weiter verstärkt werden, um die finanziellen Probleme beim Ausbau der Bundeswehr zu einer Interventionsarmee zu bewältigen.

Vom Spiel zu Ernstfall
Neben den Konzepten zum Einsatz privater Sicherheits- und Militärfirmen übernimmt Deutschland dabei auch die Propagandamasche des 21. Jahrhunderts aus Amerika, sozusagen die Gehirnwäsche durch Computerspiele. Im Jahre 2004 lief eine spezielle Promotion für das Computerspiel "Söldner" in den USA, aber auch in Deutschland.

Bei Söldner handelt es sich um einen Multiplayer-Shooter, der bis zu 32 Spieler in zahlreichen und vielfältigen Team-basierten Kämpfen antreten lässt. Angesielt ist der Titel im Jahr 2010: Nach über einem halben Jahrhundert in der Rolle der Weltpolizei sind sowohl die USA als auch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion dieser Aufgabe überdrüssig; witschaftliche und innenpolitische Probleme haben dazu geführt, dass beide ehemaligen Weltmächte ihre militärischen Operationen auf ein absolutes Minimum zurückgefahren haben. Stattdessen fallen mehr und mehr Staaten zurück auf den Einsatz speziell ausgerüsteter, streng geheimer Söldnereinheiten. Kriege werden nicht länger durch nationale Streitkräfte, sondern durch kleine, schlagkräftige Söldnertruppen entschieden. Als Spieler übernimmt man den Befehl über solch eine militärische Spezialeinheit und hat das Kommando über eine Elite-Söldnertruppe, die unter anderem aus Infantrie, Helikoptern und leichten Panzern besteht.



Söldnerfirmen
Im weiteren sollen noch die bekanntesten Söldnerfirmen vorgestellt werden. Beginnen wir wegen ihrer Bedeutung in den letzten Jahren mit der Firma Executive Outcomes.

Executive Outcomes (EO) und Sandline International Ltd.
1989 in der Endzeit des weißen Apartheidregimes Südafrikas gründeten Veteranen der südafrikanischen Armee die Militärfirma Executive Outcomes (EO). Aufgrund des Abbaus von 90.000 Stellen im Verteidigungsbereich konnte Inhaber Eeben Barlow auf ein großes Reservoir an demobilisierten Fachkräften zurückgreifen. Die Kerntruppe rekrutierte sich vornehmlich aus ehemaligen Mitgliedern von Spezialeinheiten, die sich im Kampfeinsatz gegen Truppen des sozialistischen Regimes in Angola sowie namibische Rebellen der Befreiungsbewegung SWAPO "bewährt" hatten. Barlow selbst diente im berüchtigten 32. "Buffalo" Bataillon, welches an der namibisch-angolanischen Grenze stationiert war. Anschließend war er Leiter des Civil Coordination Bureau in London, einer Geheimdienstabteilung, die gezielt Oppositionelle des Apartheidregimes überwachen und gegebenenfalls ausschalten sollte.

1992 gelang EO der unternehmerische Durchbruch, als über den ehemaligen britischen SAS Offizier Tony Buckingham ein millionenschwerer Vertrag mit Ölfördergesellschaften in Angola geschlossen wurde, die zwar Konzessionen für große Ölfelder hatten, diese aber wegen des Bürgerkrieges nicht ausbeuten konnten. Die britische Heritage Oil & Gas Inc. sowie die halbstaatliche Ölfirma Angolas Sonangol, die als Vermittler der Ölkonzerne Chevron, Petrangol, Texaco und Elf-Fina auftraten, beauftragten die Privatarmee damit, diese Ölfelder für 30 Millionen Dollar gegen Übergriffe der UNITA-Rebellen zu schützen. Zunächst wurde eine wichtige Ölpumpstation gegen eine starke Übermacht der UNITA gehalten, fiel aber kurz nach deren Übergabe an die angolanische Armee wieder in die Hände der UNITA.. Darufhin forderte die angolanische Zentralregierung im Juli 1993 eine größere private Militärtruppe an. In ihrer zweiten Operation stellte EO bis 1400 Mann zur Verfügung und sicherte die gesamten Ölfelder im Norden des Landes durch ihre Einsätze, die teilweise in Bataillons-Stärke und manchmal mit Luftunterstützung durch Hubschrauber durchgeführt wurden. Sie verwendete dabei mit Treibstoff gefüllte Vakuumbomben, deren Einsatz von der Menschenrechtsgruppe "Human Rights Watch" als Kriegsverbrechen klassifiziert wird. Als Bezahlung dienten umfangreiche Diamantenschürfrechte und Ölkonzessionen. Als Gegenleistung trainierte und führte EO auch Teile der angolanischen Streitkräfte, die nun in der Lage waren, der UNITA empfindliche Verluste beizubringen.

Auch in Sierra Leone arbeitete Executive Outcomes 1995 daran mit, die Regierungskontrolle über die diamantenreiche Provinz Kono mit Hilfe von Kampfhubschraubern, leichter Artillerie und gepanzerten Truppentransportern wiederzuerlangen. Letzlich erhielt Executive Outcomes Anfragen von 34 Regierungen und war in mehr als 20 Staaten Afrikas im Einsatz.

Im Jahr 1995 war die Firma so groß, dass die Zweitfirma Sandline International gegründet wurde. Sandline International Ltd. wurde von einem früheren Offizier der britischen Garde, Oberstleutnant Tim Spicer, geleitet. Der hatte einst eine berüchtigte Einheit der britischen Besatzungstruppen in Nordirland befehligt, die auch für Morde an Zivilisten verantwortlich war. Sandline International versorgte die Welt mit Waffen und Söldnern, möglicherweise mit Deckung staatlicher britischer Stellen. So bekämpfte sie beispielsweise im Auftrag der Regierung in Papua Neuguinea Rebellen.

Executive Outcomes selber wurde 1999 offiziell aufgelöst, nachdem in Südafrika ein Anti-Söldner Gesetz verabschiedet wurde. De facto besteht die Firma jedoch fort. Ihre zahlreichen Ableger sind noch immer in vielen afrikanischen Ländern aktiv. Auch "Sandline International" stellte im April 2004 den Geschäftsbetrieb ein. Doch schon einen Monat später tauchte im Irak eine neue von Spicer geführte Firma mit der Bezeichnung "Aegis Defence Services" auf. Ende Mai 2004 bekam die neue Spicer-Firma den bis dahin größten Auftrag der amerikanisch geführten "Coalition Provisional Authority" (CPA) im Irak in Höhe von 293 Millionen Dollar. Die Aufgabe von Aegis Defence Services sollte die Koordination aller Sicherheitsdienste im Irak sein.

Wegen eines Putschversuchs in Äquatorial Guinea wurde am 23. August 2004 ein Verfahren gegen ehemalige Mitglieder von Executive Outcomes eröffnet. Dabei wurde auch der Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, Mark Thatcher, und die spanische Regierung vom Äquatorial-Guineanischen Machthaber beschuldigt. Einem Bericht des britischen Observer zufolge gibt es klare Hinweise darauf, daß die Regierung in London tatsächlich in den Putschversuch im afrikanischen Äquatorial-Guinea verwickelt war. Ein Flugzeug mit einer Gruppe von 70 Verschwörern war am 8. März in Simbabwe aufgehalten worden; weitere 14 Putschisten wurden in Äquatorial-Guinea festgenommen. Die Recherchen des Observer enthüllten, dass die Söldner, die an dem Umsturz in Äquatorial-Guinea mitwirken sollten, für das südafrikanische Unternehmen Meteoric Tactical Solutions (MTS) arbeiteten, das einen Vertrag in Höhe von umgerechnet 375 000 Euro mit der britischen Regierung besitzt, um Angehörige des im Irak tätigen Department for International Development zu "schützen". Außerdem besitzt MTS noch zwei weitere Verträge, auf Grund derer es irakische Polizisten ausbilden soll.

US-Firmen
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind seit 1994 3.601 Vertragsbindungen mit einem Auftragsvolumen von 300 Milliarden US-Dollar mit zwölf US-amerikanischen privaten Militärunternehmen eingegangen. 20 Milliarden Dollar, ein Drittel der Operationskosten der U.S. Army in Afghanistan und im Irak, werden für Verträge mit privaten Sicherheitsfirmen ausgegeben.

Dank der millionenschweren Aufträge aus dem Pentagon haben sich Firmen wie MPRI (Military Professional Ressources), Dyncorp, Vinnell oder Cubic zu global agierenden Konzernen mit tausenden von Mitarbeitern entwickelt. Ihre Chefs haben beste Verbindungen ins Weiße Haus. So kommandierte der Chef von MPRI, Ex-General Carl Vuono das US-Heer während der Militäroperation "Desert Storm" - Wüstensturm - im Golfkrieg 1991.

Sicherheitsfirmen mit Hauptsitz in den USA betreiben im Nahen Osten und Afrika Camps, um die Soldaten auszubilden, also nichts anderes als terroristische Trainingscamps.

DynCorp und CSC
Die Firma DynCorp wurde 1946 von US-amerikanischen Piloten des 2. Weltkriegs zu Luftfrachtgeschäften gegründet. Erstmalig kam sie im Koreakrieg von 1950 bis 1953 zum Einsatz, es folgten u. a. Vietnam (zwischen 1960 und 1975), die Golfkriege, die Aufstandsbekämpfung in El Salvador, der Bosnienkrieg und schließlich der Einsatz im Rahmen des Kolumbienplans. DynCorp ist heute einer der führenden 25 Militärdienstleister mit Verträgen für 1500 US-Militärbasen in fünfzig Ländern der Welt. Dyncorp wurde 2003 von dem noch größeren Regierungsdienstleister Computer Sciences Corporation (CSC) erworben. Zum Zeitpunkt der Übernahme hatte DynCorp 26.000 Angestellte und 95% der Einnahmen kamen aus US-Regierungsverträgen. CSC ließ sich die Übernahme von Dyncorp fast eine Milliarde Dollar kosten. Insgesamt 90.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt der neue Konzern. CSC liefert tragbare High-Tech-Ausrüstung mit integriertem Navigationssystem für US-Soldaten. Dyncorp wird unter dem Dach von CSC das neue Computernetzwerk Trilogy für den inländischen US-Geheimdienst FBI aufbauen. Dafür müssen 22.000 PC-Arbeitsplätze vernetzt werden. Außerdem wartet Dynkorp gemeinsam mit anderen Firmen die EDV von Verteidigungs-, Außen- und Justizministerium, der Bundessteuerbehörde Internal Revenue Service, der Kontrollbehörde für das Börsenwesen und der Drogenbehörde DEA. Damit hat DynCorp Zugang zu allen wichtigen und zudem höchst vertraulichen Informationen aus Politik und Militär.

DynCorp-Angestellte bildeten den Kern der neuen bosnischen Polizei, wobei einige von ihnen wegen Kinderhandels angeklagt wurden - sie kauften, verkauften und mißbrauchten Minderjährige als Sexsklavinnen. Die Täter wurden nie juristisch belangt, sondern von DynCorp lediglich in die USA zurückgeflogen. Statt ihrer wurden die beiden Mitarbeiter gefeuert, die das kriminelle Treiben angezeigt hatten. Dem Unternehmen selbst hat die Sache nicht geschadet: Die Firma wurde erneut damit beauftragt, das US-amerikanische Kontingent der Kosovo Verification Mission (KVM) im Herbst 1998 zusammenzustellen. Angeblich waren 150 von 200 US-Beobachtern der KVM Mitarbeiter dieser Firma. In vielen Fällen ist nachgewiesen, daß US-Verifikateure die Überwachung des Waffenstillstandes in der Krisenprovinz nutzten, um Ziele für die späteren US-Luftangriffe zu markieren. Außerdem standen alle Verifikateure, die im Auftrag der OSZE Mitte Januar 1999 ein serbisches Massaker im Kosovo-Dörfchen Racak entdeckt haben wollten (was der NATO dann den Kriegsvorwand lieferte), bei DynCorp unter Vertrag. Nach dem Krieg gegen Jugoslawien 1999 hat DynCorp dann einen Vertrag über 628 Millionen Dollar für die Ausbildung von US-Polizeikräften im Kosovo abgeschlossen.

Dyncorp bildet auch in Haiti die Polizei aus. Leibwächter von DynCorp schützten den afghanischen Präsidenten bis zum September 2005 und bildeten die afghanischen Nachfolger aus. DynCorp-Leute kontrollieren nach Untersuchungen des Brookings-Institutes in Washington die Grenze zwischen den USA und Mexiko, bewachen die Waffentest-Gebiete des Pentagon und die Air Force One des amerikanischen Präsidenten. Von der Fachwelt mit unverhohlener Sorge betrachtet, stellt DynCorp außerdem sämtliche Pocken- und Anthrax-Impfstoffe her, mit denen Amerikaner geimpft werden sollen. Dynkorp kontrolliert die Fortschritte in der Vernichtung von Massenvernichtungswaffen in Rußland, übernimmt für den Defense Security Service des Pentagons die Überprüfung aller Personen, die einer Sicherheitsbescheinigung bedürfen, und managt die strategischen Ölreserven der USA.

Kolumbien
Dyncorp ist beteiligt am "Plan Colombia", mit dem die US-Regierung vordergründig den Drogenhandel bekämpfen will. Mit einer Lizenz des Pentagon besprüht Dyncorp Coca-Felder mit Herbiziden, um diese zu entlauben, stellt die dafür notwendigen Fachkräfte, wie Piloten, Mechaniker und medizinisches Personal ein. Die Piloten sind ein kleiner Teil der formal als Zivilisten geltenden Mitarbeiter von Dyncorp in Kolumbien. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, auch in Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein und die kolumbianischen Paramilitärs im Kampf gegen die FARC zu unterstützen. Dabei ist ihnen selber der Drogenhandel nicht unbekannt: am 12. Mai 2000 wurde in zwei Paketen, die aus Kolumbien zur "Patrick Air Force Base" in Florida geschickt wurden, Heroin gefunden. Absender: DynCorp. Der DynCorp Einsatz in Kolumbien wirft ein fundamentales Problem des Einsatzes der sogenannten Private Military Companies PMC auf. Diese dienen nicht nur einer privatisierten Außenpolitik, mit der Regierungen ihre internationale Einflußnahme verschleiern können, sondern schaffen auch einen Raum der faktischen Straflosigkeit, in dem sie agieren können. Das zeigt sich nicht zuletzt am Verhalten des eingesetzten Personals. DynCorp Mitarbeiter in Kolumbien kamen wiederholt wegen Drogenhandel und Drogenkonsum ins Gerede. Ein hochrangiger kolumbianischer Polizeioffizier erklärte zu seinen ausländischen Söldnerkollegen: "Sie sind sehr schwierig im Umgang. Die meisten von ihnen konsumieren große Mengen Drogen. Viele spritzen sich vor den Flügen"

Kritiker werfen dem Unternehmen vor, auch zur Aufstandsbekämpfung in Bolivien eingesetzt zu werden und am Kokain-Schmuggel mitzuverdienen. Seit die US-Wochenzeitung The Nation an eine frisierte Version des Vertrags des State Department mit DynCorp herankam, weiß man, daß deren aus US- und lateinamerikanischen ehemaligen Militärs rekrutierten Angestellten in Kolumbien, Peru und Bolivien Schutz vor Strafverfolgung durch die lokalen Behörden genießen. Steven Aftergood von der Federation of American Scientists, erklärt zum Vertrag DynCorp/State Department: "Die Art von Routineaufsicht, welcher offizielle militärische Aktivitäten unterworfen wären, werden von Auftragnehmern beiläufig umgangen. Dies beleuchtet, wie das ganze Phänomen der Privatisierung militärischer Funktionen es der Regierung in einem schockierenden Ausmaß möglich gemacht hat, Kontrolle zu umgehen".[

Irak
Im Irak-Krieg soll Dyncorp nach einem Bericht der US-Zeitung "Washington Post" über 1000 Angestellte vor Ort haben, die sich nicht nur um die Logistik der US-Truppen und die Wartung von Apache-Hubschraubern oder die Ausbildung der neuen Polizisten kümmern, sondern auch an den Folterungen im Abu-Ghreib-Gefängnis beteiligt waren.

Blackwater USA
Laut Firmenbeschreibung bietet Blackwater USA als Dienstleistung für Militär, Regierungsbehörden, Justiz und Bürger das Training sowie die Durchführung von strategischen und punktuellen Operationen an. Im Klartext soll das heissen: Das Unternehmen stellt Wach- und Begleitschutz für Soldaten, Geheimdienstler, VIPs, Firmen und Hilfsorganisationen an Krisenpunkten in aller Welt und bildet auch Soldaten aus. Nach eigenen Angabe betreibt Blackwater USA den größten privaten Schießstand in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen bekam für die paramilitärische Ausbildung von mehr als 10.000 Seeleuten 48 Millionen Dollar gezahlt.

Ein beliebter Ort zur Rekrutierung und Ausbildung der Söldner von Blackwater ist Kolumbien. Mindestens 120 kolumbianische Ex-Militärs sind als Söldner in Irak im Einsatz. Ausgebildet werden sie in offiziellen Einrichtungen der kolumbianischen Streitkräfte, der Kavallerieschule in Bogotá, die in den 1980er Jahren auch als Folterzentrum bekannt war. Das Verteidigungsministerium in Bogotá bestätigte gegenüber der Presse, dass das Söldnertraining in der Kavallerieschule offiziell gestattet war. "Für Blackwater ist Kolumbien eine Goldgrube. Hier sind gut ausgebildete Offiziere zu finden, die für die Hälfte des Salärs arbeiten, das ehemaligen US-Militärs gezahlt wird." Diese können als Sicherheitsleute bei Blackwater bis zu 1000 Dollar am Tag verdienen.

Blackwater ist der größte private "Dienstleister" im besetzten Irak und in Afghanistan. Das Personal wird zum Schutz von US-Diplomaten und ausländischen Würdenträgern sowie von Behörden und Firmen eingesetzt. Das Unternehmen übernimmt aber auch die Ausbildung von irakischen Antiterroreinheiten und übernahm in der von Widerstandskräften kontrollierten Stadt Falludscha auch Aktionen "hinter den feindlichen Linien". Seine Mitarbeiter waren in Falludscha an Feuergefechten und an bewaffneten Evakuierungen verletzter US-Soldaten aus Kampfsituationen beteiligt. So oder ähnlich sind auch andere private Militärfirmen an Kampfhandlungen im Irak beteiligt, wobei Blackwater-Söldner zu den am meisten gefürchteten professionellen Killern in der Welt gehören, die für ihr Tun kaum rechtliche Konsequenzen befürchten müssen.

Aktueller Einsatzort war New Orleans nach der Zerstörung durch "Katrina". Wie die Washington Times unter Berufung auf Firmensprecherin Anne Duke berichtet, hat das Unternehmen im Auftrag der Heimatschutzbehörde und der Gouverneurin von Louisiana "etwa 150 seiner Arbeiter" in das Katastrophengebiet geschickt. Neben dem Schutz von Ölanlagen und Sehenswürdigkeiten waren die schwerbewaffneten Männer, einige erst zwei Wochen zuvor aus dem Irak zurückgekehrt, von der Regierung damit beauftragt, "Stadtteile zu sichern" und "Kriminelle zu suchen" mit der Erlaubnis, "tödliche Gewalt" anzuwenden. "Es ist eine völlig neue Sache, Kerle wie uns innerhalb der Vereinigten Staaten arbeiten zu lassen", so einer der Blackwater-Angestellten in der Bourbon Street im Französischen Viertel gegenüber Journalisten. "Wir sind wesentlich besser dafür ausgerüstet, mit der Situation im Irak umzugehen." Letztlich hatten sie aber die gleichen Aufgaben wie im besetzten Irak.

Control Risks Group (LLC)
Anwälte, Wirtschaftswissenschaftler, Politologen, Steuerfahnder, Journalisten, ehemalige Polizisten, Soldaten und Exgeheimdienstmitarbeiter und ehemalige britische Antiterrorspezialisten gründeten 1975 die Firma Control Risks Group. Zu ihren Vorstandsmitgliedern gehört mit Sir Michael Rose der frühere Befehlshaber der UN-Truppen in Bosnien.

Mit knapp 400 festen Mitarbeitern und 17 Büros weltweit berät LLC vor allem Firmen in Sachen Sicherheit und Risikovorsorge im Ausland. In London verarbeiten die Mitarbeiter die eingehenden Informationen, erstellen Länderanalysen und teilen die Welt in verschiedene Risikokategorien ein. Sie lassen sich von Wirtschaftsunternehmen auch anheuern zur Aufdeckung von Korruption und Betrug, wobei ihre Erkenntnisse dann nur der möglicherweise ebenso fragwürdigen firmeninternen Problemlösung dienen ohne öffentliche Kontrolle. Ihnen ist kein Eisen zu heiß, sie treten aber nach eigenen Aussagen ausschließlich beratend in Funktion, wenn ein Manager entführt wird, ein Konzern mit Bombendrohungen oder Schutzgeld-Erpressungen zu kämpfen hat.

Titan Corporation
Die Titan Corporation hat ihren Sitz in San Diego. Weltweit arbeiten mehr als 11.000 Angestellte in zwölf Ländern für das Unternehmen, das 2003 vom Rüstungskonzern Lockheed Martin übernommen wurde. Einer der Vorstandsmitglieder bei "Titan" ist der frühere CIA-Chef James Woolsey. Fast der gesamte Umsatz von Titan wird mit der US-Regierung erzielt: Titan arbeitet für das Pentagon, das Heimatschutzministerium und andere Regierungsbehörden. Dabei entwickelt das Unternehmen z. B. besonders sichere Computersysteme, forscht in Sachen digitaler Fingerabdruck und arbeitet auch an eigenen Waffen. Zum Portfolio gehört unter anderem eine Missile-Waffe, die bis zu vier Stunden ohne Zielvorgabe herumsurren kann und erst dann ein spezifisches Ziel ansteuert.

Sicherheitsleute von Titan arbeiten im Irak als Übersetzer und waren- von der CIA gedeckt - an den Folterskandalen in Abu Ghraib und Guantánamo beteiligt. Der britische Journalist Julian Borger veröffentlichte im Guardian, daß diese Angestellten privater Söldnerunternehmen sogar Anweisungen für die Folter im Abu-Ghraib-Gefängnis gegeben haben, um die Häftlinge für die bevorstehenden Verhöre gefügig zu machen. Als Zivilisten konnten sie dabei nicht nach Militärrecht zur Rechenschaft gezogen werden und andere Rechtstinstanzen als die Besatzungsarmee gab es damals im Irak nicht.

California Analysis Center, Inc. (CACI)
CACI wurde bereits in den 60ger Jahren gegründet, um Programmiersprachen für Kriegsspiele zu entwicklen. Heute ist auch diese Firma u.a. auf Informations- und Geheimdienstsysteme spezialisiert und stattet weltweit US-Basen mit Komputern und Zubehör aus.

An den Folterungen in Abu Ghraib war auch die Firma CACI beteiligt.Für die Entsendung von 30 Verhörspezialisten wurde sie mit Geldern vom Innenministerium bezahlt, die vorher für einen anderen Zweck bewilligt worden waren. Trotz Bekanntwerden dieser Beteiligung erhielt die Firma anschliessend von der US-Regierung einen weiteren Auftrag in Höhe von 88 Millionen Dollar, um auch die US-Navy mit ihrem technischen Wissen zu unterstützen.

Military Professional Resources (MPRI)
MPRI wurde 1987 gegründet. Die Firma bietet vor allem Beratungsdienste an und verfügt über keine eigenen Kampftruppen. Das Management besteht aus ehemaligen Top-Generälen der US-Streitkräfte. Unter den 700 festangestellten Mitarbeitern sind auch Admiräle, zahlreiche Ex-Mitarbeiter des CIA und ehemalige Botschafter. Weltweit sollen 11.000 Militärprofis für MPRI abrufbereit sein, darunter auch etwa 2000 ehemalige US-Elitesoldaten Die Firma wurde weniger aus Profitgründen aufgebaut, sondern aus aussenpolitischem Kalkül der USA. Denn sie kann dort aktiv werden, wo der Einsatz von amerikanischen Soldaten als nicht angemessen erachtet wird. Alle Auslandsinsätze des MPRI müssen vom State Department lizenziert werden und sind somit als aussenpolitisches Mittel der USA anzusehen. Die Finanzierung erfolgt z. T. über den Umweg von "Entwicklungshilfe"-Geldern. Gute Kontakte bestehen zum "Special Operations Command" des Pentagon, das für verdeckte Operationen in der "3. Welt" zuständig ist.

Obwohl das Unternehmen keine eigentlichen Kampftruppen beschäftigt, verschwimmen bei ihren Aktivitäten einerseits die Grenzen zwischen der Ausbildung von Militärs und Paramilitärs und andererseits die Grenzen zwischen beratender Tätigkeit und direkten Eingriffen in Kampfhandlungen. Die bedeutendsten Einsätzen von MPRI:

· 1994 zum Beispiel löste das Pentagon ein Problem in Kroatien mit Hilfe von MPRI. Ein UN-Embargo verbot seit 1991 den Verkauf von Waffen an Kriegsparteien auf dem Balkan und auch jede militärische Unterstützung dieser Länder. MPRI als Privatfirma unterlag diesen Restriktionen nicht und wurde engagiert, um die schwache kroatische Armee auszubilden und ihnen angeblich dabei "demokratische Normen" zu vermitteln. Ein Jahr später startete die kroatische Armee eine blutige Offensive mit so genannten ethnischen Säuberungen gegen die Serben, mehrere beteiligte Offiziere sind deswegen vor dem Haager Kriegsverbrecher-Tribunal angeklagt.
· Seit 1996 ist MPRI im Auftrag des Pentagon auch in der bosnischen Regierungsarmee zu "Trainingszwecken" eingesetzt. Dadurch konnte eine parlamentarische Begrenzung der dort eingesetzten US-Truppen umgangen werden. In Bosnien waren maximal 20.000 US-Soldaten stationiert, wie es der Kongress vorgeschrieben hatte. Gleichzeitig hatte die Armee dort aber auch 2000 private Leute unter Vertrag.
· In Angola wurden zwei Luftlandebrigaden trainiert und eine Militärakademie in Cabinda eröffnet. Auch in Nigeria richtete MPRI 2003 ein Kampfausbildungszentrum für den Aufbau einer nigerianischen nationalen Armee ein.
· Im Irakkrieg trainierte MPRI amerikanische Soldaten im Camp Doha für den Häuserkampf in Bagdad.

Vinnell, Firma von Northrop Grumman
Nach eigenem Bekunden hat Vinnell erfolgreich für verschiedene Regierungen und Unternehmen "Projekte" auf fünf Kontinenten und in mehr als 50 Ländern erledigt. Offizieller Auftraggeber ist das Pentagon. Nach übereinstimmender Meinung der anglo-amerikanischen Medien operiert der CIA hinter den Fassaden der Firma. Die Aufträge reichten von verdeckten militärischen Operationen oder Umsturzversuchen in Lateinamerika bis hin zur Abwicklung von Waffengeschäften im Rahmen der Iran-Contra-Affäre. In einem Forschungsprojekt über die "Vinnell-Corporation" beschrieb ein Pentagon-Mitarbeiter die Firma z.B. als "unsere eigene kleine Söldnerarmee in Vietnam. Wir setzten sie für die Dinge ein, die wir aus Mangel an Personal oder wegen Legalitätsproblemen nicht selbst erledigen konnten."

Seit Mitte der 70er Jahre trainiert die Vinnell Corporation die saudi-arabische Armee. Das Unternehmen hat dem Land geholfen, seine Nationalgarde von 26.000 auf rund 70.000 Soldaten aufzustocken. Außerdem wurden Soldaten speziell für den Schutz von Ölfeldern ausgebildet. 1991 wurden Angestellte von Vinnell gesehen, wie sie im Golfkrieg an der Seite von saudischen Soldaten kämpften. Nach britischen Medienberichten soll die Vinell-Corporation in Saudi-Arabien die stattliche Summe von 800 Millionen US-Dollar verdient haben. Bei genauerem Hinsehen, wessen Büros unbekannte Terroristen 2003 in Saudi-Arabien in die Luft gejagt haben, galt das Hauptziel der Angriffe den Büros der Firma Vinnell, deren Ausbildung der saudiarabischen Sicherheitskräfte auch Unterweisungen im Foltern umfassen soll.

Nach Angaben des Time Magazine waren zwei Mitarbeiter der Firma beteiligt an einem fehlgeschlagenen Versuch, den linken Premierminister Grenadas, Maurice Bishop,zu stürzen.

Auch die "Neue Irakische Armee" wurde 2003 nicht von der US-Armee direkt trainiert, sondern von der Pentagon-Vertragsfirma Vinnell für 48 Millionen Dollar.

Vinnell gehörte bis 1997 zur Carlyle Group, zu deren Beratern auch George Bush senior, dessen Aussenminister James Baker und Reagans letzter Verteidigungsminister Frank Carlucci zählen. Bis 2001 befanden sie sich dabei in Gesellschaft einer saudische Familie namens Bin Laden, die ebenfalls in die Carlyle-Gruppe investiert hatte.

Cubic
Volle Auftragsbücher hat die Cubic-Gruppe mit Sitz in San Diego. Sie soll die Armeen der neuen NATO-Mitgliedstaaten Rumänien, Litauen, der Slowakei, Ungarn und Tschechien trainieren. Unter Branchenkennern werden die "Kampfsimulatationszentren" von Cubic geschätzt, in denen die Soldaten Schlachten unter realistischen Bedingungen proben können. Ein solches Zentrum baute Cubic auch auf dem Truppenübungsplatz in Hohenfels bei Nürnberg.

Weitere Firmen
Erynis
Die südafrikanische Firma Erinys wurde vom britischen Exoffizier Alastair Morrison gegründet und empfiehlt sich in der Welt als Schutzspezialist für Erdölpipelines. Die Firma erhielt vom irakischen Provisorischen Regierungsrat einen Vertrag über 40 Millionen Dollar zum Schutz der irakischen Ölfelder. 1500 Britisch-südafrikanische Erynis-Mitarbeiter, unter ihnen altbekannte Mitglieder von Todesschwadronen der Apartheidsarmee, schützen Pipelines als Kern von 9000 irakischen Wachleuten, die von ihnen ausgebildet wurden. Erinys rekrutierte zum Schutz der Pipelines auch Kämpfer regionaler Stämme und Milizen, wie die kurdischen Peschmerga in Nordirak und hat dabei eine Armee von mehr als 20.000 Mann aufgebaut, die besser ausgerüstet ist als die irakische Armee und Polizei. Die südafrikanischen Spezialisten sind mit Schnellfeuergewehren ausgerüstet und verfügen über Luftlandeverstärkung.

Die Iraker bekommen als Wachpersonal für Erdölanlagen dabei nur 150 Dollar im Monat. An die 3.000 Dollar im Monat verdienen Ex-Angehörige chilenischer Spezialtruppen, nepalesische Gurkhas, Kämpfer von den Fidschi oder Südafrikaner. Werden sie für Spezialaufgaben eingesetzt, kann das Einkommen schon mal auf 6.000 bis 15.000 Dollar monatlich steigen.

François Strydom, der bei einem Bombenattentat am 28. Januar auf das Bagdader Hotel "Schahin" als sogenannter Zivilist ums Leben kam, war so ein Erinys-Legionär. In einem früheren Leben gehörte er der berüchtigten paramilitärischen Apartheid-Truppe Koevoet ("Brecheisen") an, die bis 1980 als Anti-Terror-Einheit gegen die Unabhängigkeit Namibias von Südafrika gekämpft hatte und der Menschenrechtsverletzungen sowie Folter und Mord vorgeworfen werden. Strydom konnte also als "qualifiziert" für seinen Job im Irak gelten.

Den Schutz von Pipelines übernahm Erinys auch schon für British Petrol (BP) in Kolumbien und für andere Auftraggeber in Angola, im Nigerdelta und in Ghana.

SI
Söldner-Vermittlungsfirma ist die in London und auf den Bahamas angesiedelte SI (ehemals "Plaza 107 Ltd."), die Teil eines multinationalen Konglomerats mit besten Beziehungen zu Bergbauunternehmen ist. Eigenen Angaben zufolge akzeptiert SI ausschließlich international anerkannte Regierungen als Kunden. Ihre bisher bekannteste Operation war der Versuch, neunjährige Unabhängigkeitsbestrebungen in Bougainville, Papua-Neuguinea, niederzuschlagen. Dafür kassierte das Unternehmen 36 Millionen Dollar.

Global Risk Strategies
Die britische Firma Global Risk Strategies beschäftigt nach eigenen Angaben 1.100 Mitarbeiter im Irak, darunter 500 Gurkhas, nepalesiche Soldaten der britischen Armee. Sie sollen unter anderem für die Sicherheit des Hauptquartiers des Zivilverwalters für den Irak, Paul Bremer, zuständig gewesen sein.Wie der Überfall auf den Irak das Geschäft belebt hat, kann exemplarisch am Fall dieser Firma gezeigt werden. Hatte sie vor dem Angriff der USA auf Afghanistan erst zwei Mitarbeiter, so arbeiten heute in Irak 1000 Mann im Bereich des Objekt- und Personenschutzes.

Meteoric Tactical Solutions
Die südafrikanische Firma bildet Wachmänner für Regierungs- und Botschaftsgebäude aus.

ArmorGroup
Die britische-amerikanische ArmorGroup gehört zu den erfolgreichsten Sicherheitsfirmen weltweit. Sie ist mit 300 Männern im Irak im Einsatz und schützt Mitarbeiter multinationaler Firmen, darunter die US-Konzerne Bechtel und Kellogg Brown and Root. Die ArmorGroup ist außerdem für die Sicherheit von US-Botschaften im Mittleren Osten sowie für den Marinestützpunkt in Bahrain zuständig.

Olive Security
Übernimmt Personenschutzaufgaben im Irak, u.a. für den US-Konzern Bechtel und andere multinationale Unternehmen. Olive wurde auch schon für die Sicherheit von Fernsehteams engagiert.



Verwendete WEB-links

Söldner-Organisationen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Söldner-Organisation
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,940789,00.html
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,827450,00.html
http://www.welt.de/data/2004/05/03/272670.html?s=2

Executive Outcomes:
http://www.kriegsreisende.de/wieder/exec-out.htm

Blackwater
http://www.jungewelt.de/2005/09-16/004.php
http://www.ila-bonn.de/artikel/ila288/kolumbienblackwater.htm

Altic Safety Network in Irak:
http://www.jungewelt.de/2004/05-05/001.php

Dyncorp
http://www.miprox.de/USA_speziell/DynCorp.html

Söldner im Irak
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1157506,00.html
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1066503,00.html
http://www.jungewelt.de/2005/03-09/006.php
http://www.jungewelt.de/2005/02-17/008.php
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,1188691,00.html
http://www.sopos.org/aufsaetze/3f2161b63e068/1.phtml
http://www.wams.de/data/2003/03/23/56350.html?prx=1
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/tribunal/weiss2.html
http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=56039&IDC=2&DB=Archiv
http://www.imi-online.de/2005.php3?id=1136
http://www.medico-international.de/rundschreiben/0204/0204kriegsag.asp
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/697/30667/

Funktion von Söldnerfirmen:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,827416,00.html
http://www.bits.de/public/articles/illoyal20-21.htm
http://www.netzeitung.de/ausland/225006.html

http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/19/19434/1.html&words=Wahl
http://www.globalpolicy.org/security/peacekpg/training/mercenaries.htm
http://www.globalpolicy.org/security/peacekpg/training/pmc.htm


Söldner in Kolumbien
http://www.astm.lu/article.php3?id_article=421

Söldner in Afrika
http://www.jungewelt.de/2004/10-23/008.php
http://www.jungewelt.de/2004/06-10/007.php
http://www.taz.de/pt/2004/11/12.nf/mondeText.artikel,a0076.idx,24
http://www.ifdt.de/0404/Artikel/meinken.htm
http://www.taz.de/pt/2003/01/17.nf/mondeText.artikel,a0066.idx,22



01.11.2005