Stopp! den Panzern auf Bochums Schulhöfen und in aller Welt

"Bundeswehr in aller Welt -
friedlich wie ein Minenfeld"


9.9.2005 "Panzer auf Bochums Schulhöfe".So stellte sich die Bundeswehr eine gelungene Werbeaktion für ihr Spektakel vom 9. - 11. September vor. Allerdings musste sie schon im Vorfeld dieser Veranstaltung einen Rückzieher machen. Dieses Propaganda-Angebot der Bundeswehr wurde von den meisten SchulleiterInnen in Bochum sofort abgelehnt, nur an vier Schulen sollte ein "Wiesel" anrollen. Grund genug für das Bochumer Friedensplenum, mit Plakaten und Flugblättern ein Zeichen zu setzen. Nach der Protestaktion zogen die vier Schulleiter ihre Einladung für den Panzereinsatz zurück und auf verschiedenen LehrerInnenkonferenzen wurde beschlossen, dass niemand das Werbeangebot der Bundeswehr während des Unterrichtes annimmt. In der Erich-Kästner-Schule wurde stattdessen in vielen Klassen "Primaner in Uniform" von Erich Kästner behandelt. (Eine kurze Zusammenfassung befindet sich am Ende dieses Beitrags.)

Zur Eröffnungsveranstaltung am 8.9. beteiligte sich der Friedenskreis Castrop-Rauxel an den Protestaktionen gegen den Versuch, mit Show-Elementen für den Vorrang von Militär und militärischen Lösungen zu werben. Dass es dabei letztlich eben doch nicht um Fun-Sport geht, machte die Bundeswehr selber überdeutlich: rund um den Veranstaltungsplatz für das "Volksfest" sorgte sie mit diesen Schildern für heimelige Atmosphäre:
Das kann getrost als Spiegelbild der gesamten Militärpolitik gesehen werden. Auf der Weltbühne werden zur Zeit noch die Show-Elemente "Friedensmissionen" und "Wiederaufbau" geboten, während im Hintergrund schon einmal die KSK-Truppen scharf schiessen dürfen. Gleichzeitig läuft die Transformation der Bundeswehr in eine Angriffsarmee auf vollen Touren, so dass die Welt bei der wachsenden sozialen Ungleichheit in einigen Jahren einem Pulverfass ähneln wird.

"Bundeswehr in aller Welt - friedlich wie ein Minenfeld" war deshalb unser Motto für den friedlichen Protest in Bochum. In der Galerie haben wir festgehalten, wie der Eingangsbereich zum Veranstaltungsgelände symbolisch vermint wurde. Fügten die gelben Minen sich zunächst noch malerisch in die beginnende Herbstfärbung, wurde wenig später eindrücklich klar gemacht, wozu Waffen hergestellt werden: Sie werden produziert und eingesetzt, um früher oder später zu töten oder zumindest damit zu drohen. Diese Art der Friedenserzwingung mit der Macht des Stärkeren wird immer Widerstand hervorrufen. Wir können es täglich an den Berichten aus Irak, Afghanistan und auch aus dem Balkan ablesen. Um in einer gerechten Welt zu überleben brauchen wir zivile Konfliktlösungen mit fairem Interessenausgleich, nicht Ressourcensicherung mit Faustrecht.

Dies nicht zu erkennen, kann fatale Folgen haben. Das versucht uns der Dino auf den Luftballons mitzuteilen, die vom Friedensplenum Bochum an jüngere Besucher verteilt wurden: "Wir sind ausgestorben - zu viel Panzer, zu wenig Hirn". Das war zuviel für die Bundeswehr und sie beschloss, die außerordentliche Bedrohung, die von diesen Luftballons ausging, vom militärischen Sperrgebiet fernzuhalten. In unserer Galerie können die Gegenmaßnahmen bewundert werden: Keiner der spärlichen Besucher kam auf das Gelände ohne Taschenkontrolle durch die drei Wachsoldaten, die vermutlich nur auf eine Leibesvisitation verzichteten, weil es sich doch um ein Volksfest handeln sollte. Dabei wurde tatsächlich den Kindern in zähen Auseinandersetzungen unser Luftballon wieder abgenommen. Es kann noch gewettet werden, was die Bundeswehr für explosiver hielt, das Helium im Innern oder den Spruch außen drauf.

Erich Kästner gegen die Militarisierung der Schulen

Der "Primaner in Uniform" beschreibt die Ängste von Jugendlichen während der Zeit des I. Weltkrieges, die im Internat, bzw. in einer schulischen Einrichtung stets neue Meldungen in Bezug auf den Tod Gleichaltriger erfahren. Die Beschriebenen sind Teenies, haben Träume und Wünsche, wie jeder in diesem Alter. Jeder von ihnen schmiedet Zukunftspläne, Pläne, die sehr oft jäh endeten... Die Mitschüler erfahren vom Tod der Freunde und sind fassungslos. Zunächst versuchen sie zu verdrängen, doch dann kommt die Angst und die Fragen "Warum? Wann bin ich der nächste? Warum kann keiner diesen Wahnsinn stoppen???" Und am Ende bleibt der Haß der "Hilflosen" auf diejenigen, die zwar zum Abschied eines jeden Rekruten dessen Hand schütteln, aber ihren gewohnten Stil weiterleben, als ob nichts geschehen sei, da sie ja nicht selber betroffen sind. Die reifen Herrn bleiben in der Heimat, kommen ungeschoren davon. Dafür müssen Kinder in einen Krieg ziehen, obwohl sie es nicht wollen, doch haben sie eine andere Wahl? Irgendwie ist dieses Gedicht noch immer aktuell und wird es wohl immer bleiben...

09.09.2005