Man muss auch mit schwachen Mitteln das Unrecht bekämpfen" (Bertolt Brecht)

Verleihung des Aachener Friedenspreises
an Roy Bourgeois und Hanne Hiob


Der Aachener Friedenspreis 2005 wurde am 1. September an den katholischen Theologen Roy Bourgeois aus den USA und an die Schauspielerin Hanne Hiob aus München verliehen. Diese Verleihung ist ein Signal gegen Rechtsradikalismus und wachsende Militarisierung.
Roy Bourgeois setzt sich seit mehr als 25 Jahren unter großen persönlichen Opfern für Frieden und Menschenrechte ein. 1963-1967 diente er als Marineoffizier in Vietnam. Nach dem Militärdienst trat er dem Maryknoll Missions Orden bei und ging für fünf Jahre nach Bolivien, um mit den Armen zu arbeiten. Unter der Diktatur von General Hugo Banzer wurde er verhaftet und ausgewiesen. Als 1980 in El Salvador vier Ordensschwestern des Maryknoll Ordens von Soldaten umgebracht wurden - zwei von ihnen kannte er gut - wurde Roy Bourgeois zum Kritiker der Außenpolitik der USA in Lateinamerika.

Seitdem ist sein persönlicher Schwerpunkt die Organisation von Protestaktionen gegen das Training lateinamerikanischer Soldaten (u.a. für Folterungen) an der Militärschule in Fort Benning (US-Bundesstaat Georgia). Seine Teilnahme an gewaltfreien Protestaktionen gegen diese Militärschule brachte ihm vier Jahre Haft in USA-Gefängnissen ein. 1996 dokumentierte die "Washington Post" Handbücher der Militärausbildungsstätte mit Anleitungen zu Folterungen und Exekutionen von Aufständischen. Zahlreiche Zeitungen in den USA forderten die Schließung der Militärschule in Fort Benning. Doch geändert wurde nur der Name. Die Ausbildungsinhalte, einschließlich der Folter, blieben. Deshalb finden weiter jährliche Protestaktionen gegen die Militärschule in Fort Benning statt. Im letzten November beteiligten sich 16.000 Menschen an dieser Aktion.
Die Losung: "Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!" ist für Hanne Hiob stets das Leitmotiv geblieben. Sie wurde 1923 als erste Tochter Bertolt Brechts aus der Ehe mit der Wiener Opernsängerin Marianne Zoff geboren. Neben und besonders nach ihrer Theaterlaufbahn auf allen großen europäischen Bühnen kämpft Hanne Hiob seit über 30 Jahren gegen Faschismus, Militarisierung und Krieg. "Man muss auch mit schwachen Mitteln das Unrecht bekämpfen" (Bertolt Brecht). So gestaltete sie Brechtabende unter dem Titel: "Lehnen Sie sich zurück", "Der Schoß ist fruchtbar noch", "Brecht gegen Wallmann" u.v.a.m. In einem Interview äußerte sie sich dazu: "...ich habe den Zufall, die Tochter Bert Brechts zu sein, mir zu Nutze gemacht, mit seinen Worten meine eigene Botschaft mitzuteilen....".

01.09.2005