KSK: Mordaufträge auf blossen Verdacht?

Bundeswehr als Todesschwadron

1.9.2005: Pünktlich zum Antikriegstag am 1. September liefert Herr Struck leidlich geschützt durch einen Sandwall Schützenhilfe aus Afghanistan: damit nicht erst die Friedensbewegung darauf hinweisen muss, dass die sogenannten "Friedensmissionen" in Afghanistan dazu tendieren, immer mehr auszuufern und so friedlich gar nicht sind, übernimmt er die Ankündigung schon einmal selber. Bei der Mandatsverlängerung für die ISAF-Truppen im Oktober soll die Zahl der Soldaten auf 3000 aufgestockt, das Einsatzgebiet auf den ganzen Norden ausgedehnt werden und möglicherweise eine Zugabe von 4 - 6 Tornados mitgeschickt werden. Außerdem geht es nicht mehr um Aufbauhilfe, sondern "die Präsenz der Bundeswehr ist wichtig, um den Drogenhändlern und Kriegsfürsten das Geschäft zu erschweren".

Diese präzise Aufgabenstellung ist mit einer Präsenz hinter schützenden Sandsäcken alleine nicht lösbar, wie sich jeder denken kann, deshalb wird nun auch schon einmal die eine oder andere Meldung über die KSK-Truppen in den Medien lanciert., über deren Beteiligung an direkten Kampfeinsätzen 2002 nicht einmal die deutschen Parlamentarier informiert waren. Nach wie vor verweigert die Regierung aber jegliche Auskunft über die "operativen" Einsätze der KSK. Laut einem gut recherchierten Bericht des "Stern" vom 7. Juli 2005 "läuft der Einsatz in Afghanistan aufs Ausschalten von Hochwertzielen im Drogengeschäft hinaus." Wörtlich gaben einige KSK-Spezialkrieger zu Protokoll: "Einige Offiziere haben uns nach Stabsbriefings klipp und klar gesagt, dass es um drug enforcement (Drogenbekämpfung) geht. Wir sollen Drahtzieher ausschalten, eliminieren". Nie, so die Kommandosoldaten, hätten sich die KSK-Scharfschützen so intensiv auf "Assassination" vorbereitet: Verdeckt ran an die Zielperson, ein Schuss, das war´s.
Vielleicht hat Herr Struck nicht damit gerechnet, dass derart detaillierte Angaben ans Licht der Öffentlichkeit kommen, aber auch er macht sich Gedanken um mögliche Gegenreaktionen, die vermutlich auch nicht recht freundlich ablaufen: "Man muss sich zweifellos Sorgen machen um die Sicherheit der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan", um hinter seinen Sandsäcken zu dem Schluss zu kommen: "Trotz der Gefahr sei es aber zu verantworten, dass die Bundeswehr in Afghanistan bleibe." Die Verluste, auf die er die Öffentlichkeit vorbereitet, hat er schon durchkalkuliert: im Entwurf für den Bundeshaushalt 2006 wurden für die "Überführung und Bestattung verstorbener Soldatinnen und Soldaten" Ausgaben von einer Million Euro eingeplant, das sind 35% mehr als im Vorjahr.

Natürlich darf die vorausschauende Planung eines Verteidigungsministers damit nicht aufhören, denn die Durchsetzung der deutschen Interessen..., Entschuldingung, die "Verteidigung der deutschen Sicherheit" in aller Welt erfordert bei solchen "Vorkommnissen" schnellen Ersatz, d.h. Jugendliche, die sich möglichst noch mit Begeisterung für solche Einsätze drillen lassen. Auch dafür wurde bereits Sorge getragen. An drei verschiedenen Orten in Deutschland organisiert die Bundeswehr anlässlich ihres 50. Jahrestages eine Jubiläumsausstellung, um auf diesen Volksfesten mit der Big Band für die Älteren und einem Musik casting für die Jüngeren vier "Erlebniswelten" an den Mann, bzw. den Mann an die Bundeswehr zu bringen.

Langfrisitg soll der Kontakt zu den Jugendlichen dann über die Schule und Parteien hergestelt werden. Im Einvernehmen mit den Kultusministerien unterstützen speziell geschulte Jugendoffiziere Lehrer in den Bereichen Geschichte, Gemeinschaftskunde und Ethik. Der aktuelle Jahresbericht dieser rund 500 Mann starken Truppe verzeichnet etwa 7.200 bundesweite Einsätze an Schulen, Hochschulen und Instituten für Lehrerweiterbildung sowie bei Jugendorganisationen der Parteien. Besonders zugänglich hätten sich 2004 die Heinrich-Böll-Stiftung und die "Grüne Jugend" gezeigt. Dabei geht es nicht nur um Einflussnahme. Die Gespräche mit den Jugendlichen und Lehrern werden ausgewertet, um die Wehrbereitschaft der Heranwachsenden zu prüfen und Erkenntnisse über Beurteilung der Militärpolitik im jugendlichen Meinungsspektrum zu liefern. Der aktuelle Jahresbericht stellt mehrmals fest, dass Ausbildungs- und Berufsangebote bei der Bundeswehr aus "Sorge um die eigene wirtschaftliche Zukunft" ständig begehrter werden. Dabei stößt die weltweite deutsche Militärexpansion wegen weitgehender Uninformiertheit auf keinen inneren Widerstand, resümieren die Verfasser.

Schon zweimal hat es in Deutschland eine solche Phase der Militarisierung gegeben, die schließlich zu entsetzlichen Kriegen geführt haben. Militärische Aktionen sind völlig ungeeignet zur Lösung der weltweit wachsenden sozialen Probleme, weil Unterdrückung immer Gegenwehr hervorrufen wird. Wir brauchen eine friedliche Konfliktlösung, die auf einem gerechten Interessenausgleich beruht. Im Gegensatz zu Herrn Struck ist das Leitmotiv der Friedensbewegung deshalb weiterhin der Schwur der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!"

Nähere Informationen

Zu KSK-Truppen von Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr: >>>"Kommando Spezialkiller"

Zu Jugendoffizieren bei der Bundeswehr: >>>Informationen zur deutschen Aussenpolitik

Zum Antikriegstag am 1. September: >>>"Frieden als historisches Vermächtnis"

31.08.2005