Erinnern Sie sich noch?

Der Irak-Krieg 2003 war ein Verbrechen
und ist eine politische Katastrophe


30.3.2005 Am 20. März 2003 starteten die Regierungen von USA und Großbritannien einen Angriffskrieg gegen den Irak. Um diesen Angriff zu rechtfertigen, wurden viele Lügen verbreitet, die schon Wochen vor dem Angriff widerlegt waren. Parallel zu den Propaganda-Kampagnen fand der richtige Feldzug statt, mit einer in der jüngeren Geschichte nicht bekannten überlegenen Feuerkraft. Ohne Rücksicht auf bestehende internationale Vereinbarungen, deren Mißachtung durch Saddam als Kriegsgrund gegolten hätte. Streubomben wurden eingesetzt, die noch heute im Irak herumliegen und immer noch Menschen töten und verstümmeln; nur spricht jetzt niemand mehr darüber. Feuerbomben wurden nicht nur auf irakische Stellungen, sondern auch auf irakische Städte geworfen, die sehr viel wirksamer waren als die Napalmbomben aus dem Vietnamkrieg vor 40 Jahren. Mit Uran angereicherte Munition wurde tonnenweise verschossen, mit der die irakische Bevölkerung langfristige Strahlenschäden befürchten muß. Die Infrastruktur wurde weitgehend vernichtet, und wird erst jetzt mit irakischem Ölgeld durch US-Firmen profitabel, aber sehr langsam aufgebaut.

Mit einem Flugblatt zum 2. Jahrestag des Angriffs auf den Irak wollte der Friedenkreis Castrop-Rauxel mit seinen bescheidenen Kräften der "Unkultur des Vergessens und Verdrängens" entgegenwirken. Von der Anti-Kriegs-Stimmung im März 2003 ist nicht viel geblieben. Vergessen sind die Toten dieses Krieges. Niemals gezählt. Aber sogar offizielle Schätzungen nennen heute Zahlen zwischen 100.000 und 200.000 Opfern. Und das war kein Tsunami, sondern anmaßende imperiale Macht, tausendfacher Auftrag zu töten. Ungezählt sind die Verstümmelten. Ungezählt sind die Waisen und Hinterbliebenen. Wer kann die aufgestaute Wut ermessen, die sich angesammelt hat? Weil viele tausend Kilometer entfernt lebende Politiker beschlossen haben, sich eine ganze Region untertan zu machen, zum Nutzen einer macht- und geldgierigen Clique, deren Namen nicht einmal ein Geheimnis sind und die mit ihren milliardenschweren Aufträgen in Hochglanzbroschüren protzen.

In den meisten Medien findet der Irak-Krieg nur noch als Vergangenheit einen Platz. Was erwartet man? Schließlich hat sich bis heute keine Fernsehanstalt und keine Zeitungsredaktion offziell dafür entschuldigt, dass man für jede noch so dämliche Propaganda-Aktion aus der Mottenkiste "psychologischer Kriegführung" frohgemut den Lautsprecher gespielt hat. Mit wenigen Ausnahmen liegen alle Medien heute in ihren Irak-Berichten auf demselben Kurs: Krieg? Bruch des Völkerrechts? Alles vergeben und vergessen. Schwamm drüber... Berichtet wird auch heute fast nur über Terroranschläge, über offzielle Regierungsgespräche, über "Bemühungen" und so fort, alles in Bildern und Texten der neuen Machthaber.

Dabei ist das, was der Irak nach dem "Blitzsieg" der US-Army durchgemacht hat, mnatürlich eine direkte Folge des Krieges. Und diese Folgen sind längst nicht ausgestanden und werden auch nicht auf den Irak beschränkt bleiben. Aber wer von den Mikrofonhaltern in Tagesschau und heute-Journal hat den Mut zu sagen, dass es der Überfall auf den Irak gewesen ist, der einen Kreislauf der Gewalt enorm beschleunigt hat? Wer traut sich daran zu erinnern, dass vor dem Krieg sehr gute Chancen bestanden, den Konflikt wirklich zu bereinigen? Dass die Oppositionsgruppen gegen Saddam dabei waren, das Regime von innen aufzulösen? Niemand, denn dann müßte man vielleicht auch sagen, dass der rabiate, enorm beschleunigte Angriff auf den Irak vielleicht gerade deshalb stattgefunden hat, um eine solche irakische Lösung zu verhindern. Denn einen direkten Zugriff auf die Ressourcen der Region und eine militärische Herrschaft im Irak hätte es dann eben nicht gegeben.

Das Flugblatt des Friedenskreises kann man hier downloaden


Übrigens besteht am 19.4.2005 die Möglichkeit, um 19.30 im Bürgerhaus Castrop-Rauxel über das Thema "Endlich Frieden im Irak?" zu diskutieren. Mehr darüber in der Termin-Leiste.
30.03.2005