Reich und doch bitterarm:

Wie Konflikte entstehen

7.1.2005 Auch wenn derzeit die Flutkatastrophe in Asien alle anderen Themen in den Hintergrund drängt: Not und Elend gibt es auch in anderen Teilen der Welt. Und dort sind es nicht Naturkatastrophen, sondern ökonomische und politische Ausplünderung, die Armut, Demütigung und darauf aufbauend scharfe Konflikte hervorbringen. Bei Gesprächen an den Infoständen hören wir es immer wieder: "Die Leute in Afrika sind selbst schuld" oder "Die können sich nicht dizipliniert verhalten" oder schlimmeres. Aber die afrikanische Wirklichkeit sieht anders aus, wenn auch die Medien hierzulande lieber über Kindersoldaten als über die Wurzeln der Konflikte berichten. Ein Artikel von Antoine Lawson aus Libreville, Gabun, zeigt, wie sich wirtschaftliche Macht (hier eines kanadischen Ölkonzerns) die Regierung dienstbar macht und sich hemmungslos über die Interessen der Bevölkerung hinwegsetzt.

Sogar die ursprünglich der örtlichen Bevölkerung zugesicherten 20.000 Dollar jährlich (eine wahrhaftig bescheidene Summe) weden seit Jahren verweigert. So erlebt man im größeren Teil der Welt das, was hierzulande mit viel Pathos als "Globalisierung" verharmlost wird. So kam es im November und Dezember in Gabun zu Protesten der Bevölkerung, die von der staatlichen Polizei, auf direkte Anweisung der Konzernleitung, niedergeschlagen wurde. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um hier einen möglichen neuen Konflikt vorherzusehen, hervorgerufen durch die enge Komplizenschaft eines westlichen Konzerns mit Regierungsstellen, über die Köpfe der eigentlichen Eigentümer des Landes hinweg. So wird die Armut der Bevölkerung und der Reichtum ihres Landes an Bodenschätzen, statt zu einer Basis der ökonomischen Entwicklung, zu einem ständigen Bürgerkriegsrisiko.

07.01.2005