Streubomben töten lange - Besonders Kinder sind gefährdet

24.4.2003 Am 7.4. verteilte der Friedenskreis Castrop-Rauxel ein Flugblatt, in dem wir den Einsatz von Streubomben im Irak anprangerten. Die Friedensbewegung hat von Anfang an der Behauptung eines "sauberen Krieges" widersprochen. Erstens ist das Töten von Menschen niemals eine "Frage der Hygiene". Und darüberhinaus verstoßen die selbsternannten Saubermänner beständig gegen die Regeln, deren Mißachtung durch andere sogar als Kriegsbegründung herhalten muß.
Dass der Einsatz der US-Streubomben in den letzten Tagen in den Medien überhaupt beachtet wurde, liegt nur daran, dass ein kleines irakisches Mädchen einen Blindgänger aufhob und ihn an amerikanische Soldaten zurückgeben wollte. Das Kind und vier GIs wurden dabei schwer verletzt. In der WAZ vom 24.4.2003 heißt es zu dem Thema:

"Beim Deutschen Initiativkreis für das Verbot von Landminen nennt man Irak in einem Atemzug mit den schlimmsten Minenfeldern der Welt. "Afghanistan, Kambodscha - und der Irak gehört dazu", sagt Projektleiter Markus Haake. Jetzt, am Ende des zweiten Golfkriegs, berichtet der Berliner von einer neuen Bedrohung für die irakische Bevölkerung: "Schlimm sind die liegen gebliebenen Streubomben", sagt Haake. Sowohl die USA als auch die Briten haben im Irak nach Aussage von Beobachtern Streubomben zur flächendeckenden Bombardierung eingesetzt. Streubomben bestehen aus vielen hunderten so genannter Bomblets, die über eine große Fläche gestreut werden und anschließend explodieren. Manche enthalten Stahlkugeln, die ihre tödliche Wirkung auf einer großen Fläche entfalten.
"Das Problem dabei ist nicht nur, dass Streubomben unschuldige Zivilisten treffen", sagt Markus Haake. "Das Problem ist die hohe Blindgängerquote. Experten glauben, dass sie bei 10 bis 30 Prozent liegt."

Die Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheerend. "Die nicht explodierten, liegen gebliebenen Streubomben haben die gleiche Wirkung wie Anti-Personen-Minen", erklärt Haake, "bei Berührung gehen sie hoch." Manchmal genüge es auch, sich nur in der Nähe eines Blindgängers aufzuhalten, um die Bomben zur Explosion zu bringen. Allein nach dem ersten Golfkrieg, heißt es in britischen Berichten, seien etwa 4000 Zivilisten durch Blindgänger verletzt oder getötet worden. Wie viele Streubomben über dem Irak abgeworfen wurden, ist nicht bekannt."

Die Army-Propagandastellen verbreiten jetzt Bilder (s. Foto oben), auf denen robbende Soldaten die gefährlichen Waffen markieren. Wie man auf diese Weise die Gefahren bannen will, bleibt jedoch ihr Geheimnis.
Was man noch erwähnen sollte: Der Versuch in Genf, die Streubomben im Dezember 2002 als geächtete Waffen zu verbieten, wurde vor allem von den USA hintertrieben, die zu diesem Zeitpunkt schon einige zehntausend Bomben in der Golfregion gebunkert hatten. Ach ja, zu den wenigen Staaten, die die internationale Konvention gegen Landminen nicht unterzeichnet haben, gehört nicht nur der Irak, sondern auch die USA.
24.04.2003