Afghanistan-Einsatz verlängert

Nur ein Exempel, aber mit größten Opfern

5.10.2004 Die Bundeswehr steht in Afghanistan. Warum? Um ein Exempel zu statuieren. Nicht an der afghanischen Bevölkerung (noch nicht), sondern an der deutschen. Die soll sich nämlich daran gewöhnen: Deutsche Soldaten im Ausland sollen der Normalfall werden. Sozusagen der ganz normale Wahnsinn.

Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: In allen Fragen des Sozialabbaus und in allen Fragen der Militarisierung sind sich Regierung und Opposition fürchterlich einig. Die Verlängerung des Bundeswehrmandats für Afghanistan war deshalb in der vorigen Woche nur eine Propagandaübung des Bundestags. Und selbst dabei haben die SchröderFischerMerkelStoiber echte Probleme, noch irgendwelche Unterschiede zwischen sich zu finden. Nur in Sachen "triefender Pathos" hat die MerkelStoiber-Truppe weiterhin einen kleinen Punktevorsprung.

So gelang es dem Sprecher der CDU, Friedbert Pflüger, in seiner Zustimmungsrede den bisher 14 uniformierten Opfern des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan für ihren Tod zu danken, "diesem größten Opfer, das ein Mensch für Frieden, Demokratie und Vaterland" bringen könne. Sterben? Fürs Vaterland? In Afghanistan? - Und was haben "Frieden" und "Demokratie" mit dieser Sicherungsmaßnahme für Militärstützpunkte und Pipelines zu tun? Was den Frieden betrifft, so empfehlen wir dringend den Verzicht auf Auslandseinsätze. Und was die Demokratie angeht, empfiehlt es sich, zu Hause zu beginnen. Das Studium des Grundgesetzes wäre für unsere wohllebenden Berufspolitiker ein guter Einstieg.

Die Rede vom "Opfer bringen" haben wir in den letzten Jahren wirklich oft genug gehört. Es gab keine soziale Grausamkeit, die ohne diese Formel ausgekommen wäre. Und dass jetzt sogar der "Soldatentod in Afghanistan" in die Liste der zu erbringenden Opfer aufgenommen wird, ist keine Entgleisung, sondern zeigt die einheitliche Richtung: Durch noch mehr Sozialabbau zu noch mehr Militarisierung zu noch mehr Opfern.
05.10.2004