Humanitäres Motiv wird mißbraucht:
Rückgang der Spendenbereitschaft...
Die deutschen Hilfsorganisationen beklagen eine geringe Spendenbereitschaft für den Irak. Es gehen viel weniger Gelder ein, als es sonst bei Katastrophen dieser Art in Deutschland üblich ist. Das wundert uns nicht. Wer will sich schon für das reichste und mächtigste Land der Welt, das gegen den Mehrheitswillen dieser Welt einen Krieg begonnen hat, vor den Karren spannen lassen.
Üblicherweise ist es der Angreifer, der dem überfallenen Land Reparationen bezahlt. Aber davon war nicht einen Augenblick die Rede- auch nicht in den zahllosen Reden des Kanzlers. Läuft man jetzt als hilfsbereiter Bürger nicht Gefahr, daß die gespendeten Hilfsgüter von amerikanischen Soldaten vor laufenden Fernsehkameras an die "glückliche" Bevölkerung verteilt wird? Läßt man sich nicht vor den Karren der Bombenwerfer spannen?

Offensichtlich besteht auf Seiten der Eroberer kein Plan zur Bewältigung der angerichteten Katastropen. Stattdessen legt sich die amerikanische Regierung ins Zeug, um das von ihr selbst seinerzeit durchgedrückte Embargo gegen den Irak flugs aufzuheben. Denn es geht jetzt um amerkanischen Handel. Business as usual... die Bewältigung der Katastrophen überlassen sie den anderen. Halt, nicht ganz. Immerhin wollen die USA in den nächsten 2 Jahren bis zu 2,3 Mrd. Dollar im Irak investieren (!). Leiter dieser Hilfsaktionen? Das Pentagon... Wetten, daß am Ende ein paar US-Militärbasen dabei herausspringen?

Zu all den Übeln, die uns der Irak Krieg gebracht hat und in Zukunft noch bringen wird, zählt auch mal wieder der Mißbrauch der humanitären Ideale. Und das bekommen jetzt die humanitären Organisationen in der täglichen Arbeit zu spüren. Denn wie sagte der US-Außenminister: Humanitäre Organisationen sind lediglich "ein Machtmultiplikator für uns, ein wichtiger Teil unserer Kampftruppen". (lt. Frankfurter Rundschau).

Und die "kriegs-unwilligen" europäischen Regierungen? Die befassen sich mit Plänen zum Aufbau einer eigenen, einer europäischen Armee, die etwa so nötig ist wie ein rostiger Nagel sonstwo. Kriege werden auch nicht besser, wenn sie von europäischen Soldaten geführt werden. Aber die große Chance, Europas Position in den arabischen Ländern und in Asien zu verbessern, nämlich durch die Verteidigung des irakischen Selbstbstimmungsrechts, durch Verpflichtung der Kriegs-Koalition zur Beseitigung der Schäden, durch effektive humanitäre Hilfe unter Einbeziehung der UNO und der irakischen Organisationen... All das wurde versäumt.
23.04.2003