USA-Ansehen im Sinkflug... aber was dann?

Politiker legen Wert auf hohe Popularität und ein positives Image. Ein Heer von Beratern und Promotern wuselt täglich durch die Regierungssitze. Sie korrigieren dort eine Haarfrisur, raten hier zu einem anderen Schlips, erfinden Kriegshelde nach Art der Jessica Lynch, organisieren Autritte mit Plastiktruthähnen vor lachenden Soldaten und pathetische Reden auf Flugzeugträgern. Alles mit Blick auf die Popularitätskurve. Was allerdings das Ansehen der USA in der Welt betrifft, wurde das Ziel weit verfehlt.
Das Bild "vom häßlichen Amerikaner", in den 60er Jahren schon einmal in den Bestsellerlisten, macht wieder die Runde. Unterstützung erhält dieses Bild durch die großangelegte Untersuchung über das Ansehen der Vereinigten Staaten in der Welt, die unter der Leitung von Princeton Survey Research Associates International ein Jahr nach dem Irak-Krieg in arabischen und europäischen Ländern durchgeführt wurde. Die Studie fördert niederschmetternde, aber wenig überraschende Ergebnisse für die US-Regierung zutage. Positiv? Negativ? Jedenfalls spiegeln die Ergebnisse eine mit starken Emotionen aufgeladene Ablehnung der USA-Politik, was in der Praxis auch kein fruchtbarer Boden für vernünftige Ansätze zu Konfliktlösungen darstellen dürfte.

Allerdings bestätigen die Ergebnisse, dass wesentliche Ziele der US-Kriegspropaganda zwar in den USA, nicht aber in den europäischen und arabischen Ländern erfolgreich waren. So glaubt nur in den USA eine größtere Mehrheit (67%) und eine knappe Mehrheit in Großbritannien (51%) daran, dass der Irak-Krieg den Terrorismus zurückgedrängt habe. Überall sonst lehnt man mehrheitlich dieses Behauptung der Kriegspropaganda ab. Welchen Wert solche Einstellungen jedoch wirklich haben, wird man erst feststellen, wenn die jeweils eigenen Regierungen zum Angriff rufen: Ob dann auch die Propagande durchschaut wird? Der Jugoslawien und Afghanistan-Krieg zeigt, dass man um so bereitwilliger auf Kriegspropaganda hereinfällt, je mehr diese durch "nationale" Argumente untermauert wird. Der Krieg "der anderen" wird viel eher abgelehnt als "der eigene" Krieg

Peter Strutynski hat wichtige Ergebnisse der Studie zusammengefaßt.

Auch die Originaldaten der Studie stehen mit Grafiken und Tabellen im Internet bereit.
22.04.2004