Ein Jahr nach dem Irak-Krieg:

Lügen und Verbrechen sind nicht vergessen
Zum Jahrestag des Irak-Kriegs erinnerte der Friedenskreis Castrop-Rauxel mit einer Kundgebung an den rechtswidrigen und verbrecherischen Eroberungskrieg. Hatten sich vor dem Irak-Krieg noch einige hundert Menschen zum Protest in Castrop versammelt, so ist der Kreis ein Jahr später deutlich geschmolzen. Gerade mal um die dreißig Teilnehmer fanden bei regnerischem Wetter den Weg zum Lambertusplatz. Trotzdem war es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Die Lügen, mit denen man den Überfall auf den Irak durchgepeitscht hat (Stichwort "Massenvernichtungswaffen "), die Kriegsverbrechen selbst (Stichwort "Streubomben" und "Napalm"), die Besetzung und Verteilung der irakischen Reichtümer als Beute an die ausländischen Konzerne (Stichwort "besetzen und besitzen"): All das darf nicht einfach vergessen werden. Daran erinnerten auch die drei Redner der Kundgebung.

Leonore Schröder vom Friedenskreis gedachte der Toten des Terroranschlags von Madrid. Sie machte aber auch deutlich, dass zunehmender Terror eine direkte Folge der militarisierten Außenpolitik ist. Sie erinnerte an die Vorgeschichte des Irak-Kriegs und nannte die aktuellen Forderungen der internationalen Friedensbewegung.
Zu den Forderungen gehört: Abzug aller ausländischen Truppen und Ende der Besatzung! Keine deutsche Unterstützung des geplanten NATO-Einsatzes im Irak! Reparationszahlungen der USA und Großbritanniens zur Behebung der Kriegsschäden! Bush und Blair wegen der Führung eines Angriffskriegs vor das Internationale Strafgericht! Mehr darüber auf dem Flugblatt des Friedenskreises, das parallel zur Kundgebung in der Fußgängerzone verteilt wurde.

Pfarrer Hans-Jürgen Knipp von der Evangelischen Kirchengemeinde Castrop kennzeichnete den Irak-Krieg als Ausdruck eines durch und durch falschen Weges. Ausdrücklich begrüßte er die Ankündigung der neuen spanischen Regierung, alle spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen. "Wer auf einem falschen Weg umkehrt, der gibt nicht den Terroristen nach, sondern korrigiert jene Fehler, die dem Terror erst Auftrieb gaben."

Siegfried Kulosa von der PDS Castrop-Rauxel stellte den Zusammenhang von verstärkter Militarisierung und dem Sozialabbau her. Denn immer deutlicher wird es, dass gerade die EU enorme militärische Aufrüstungsprogramme initiiert, um mit der weltweiten militärischen Schlagkraft der USA durch Aufbau eigener Angriffstruppen zumindest gleichzuziehen. Und wer soll das vorher und nachher bezahlen?
Für die Castroper Bürger scheint das derzeit kein Problem zu sein, für das man auf die Straße geht. Zumindest derzeit noch nicht. Aber das bedeutet nicht, das man (wie Schröder und Fischer) seinen krummen Frieden mit Bush und den anderen heißen Kriegern gemacht hätte. Die Sympathie mit den Kriegsabenteuern ist gering. Vorherrschende Meinung: "Die Sache ist doch gelaufen. Da kommt ihr zu spät!" Viel zu wenige erkennen, dass "die Sache" mit dem Jugoslawien-, Afghanistan- und Irak-Krieg gerade erst begonnen hat. Die Militarisierung nimmt zu. Die militärischen Szenarien zur Eroberung von Märkten und Rohstoffen werden schon geschrieben. Jeder Terroranschlag wird genutzt, um Stimmung für immer mehr Militär zu machen. Die Mittel dafür will man durch Einsparungen im Innern zusammen bekommen: Ob bei der Gesundheit, bei Bildung und Kultur, bei Renten und sozialen Hilfen, ob durch zusätzliche Einnahmen mit Autobahnmaut und Mehrwertsteuererhöhung. Was nach dem Irak demnächst in Afrika oder sonstwo passiert, dann ganz sicher auch mit deutschen Soldaten, wird uns alle treffen. Viele hoffentlichen in Herz und Seele. Alle aber in der Geldbörse.
22.03.2004