Zuweilen ist der ganze Charakter einer Person in einem einzigen seiner eigenen Worte eingeschlossen. Solch ein Wort gab Donald Rumsfeld letzte Woche von sich.
     Die Welt sah die schrecklichen Bilder von dem, was sich in Bagdad ereignete, und zwar unter den Augen der Besatzungsmächte. Bagdad wurde geplündert wie zur Zeit der Mongolen. Der Mob plünderte nicht nur die Regierungsgebäude, ohne die eine moderne Gesellschaft nicht funktionieren kann, sondern auch die Krankenhäuser und die Museen. Die Verwundeten und die Kranken wurden ohne lebensrettende Geräte und ohne Medikamente gelassen. Unschätzbare Kulturgüter aus der Wiege der menschlichen Zivilisation wurden zerstört und geplündert – eine der schlimmsten kulturellen Katastrophen der Menschheitsgeschichte.
     Die absolute Verantwortung für diese Gewalttaten, die sich länger als eine Woche, Tag um Tag, hinzogen, geht zu Lasten des Besatzers. So lautet das internationale Gesetz, das mit dem normalen Menschenverstand übereinstimmt. Es zeigt die totale Gleichgültigkeit der Kriegsplaner für die Bevölkerung, die sie zu befreien″ vorgab. Keine Vorsorge war getroffen worden, um sie vor Anarchie zu schützen, die bei einem Regimesturz zu erwarten war, keine Vorbereitungen, um lebensnotwendige öffentliche Gebäude und Kulturschätze zu bewahren. Eine Millionen-Stadt war dem Mob überlassen.
      Als Rumsfeld darauf angesprochen wurde, sagte der für diese Katastrophe verantwortliche Mann abschätzig: "Wenn ein Regime zusammenbricht, dann geschehen immer ein paar Unsauberkeiten." Unsauberkeiten! Ein Wort, das Bände spricht. Auch über den Mann selbst.

Uri Avnery, israelischer Politiker und Journalist, Träger des alternativen Nobelpreis 2001, am 16.4.2003
16.04.2003