Die Straßen liegen noch immer wie ausgestorben, sämtliche Geschäfte sind geschlossen. Viele Hotelbedienstete haben ihren Arbeitsplatz verlassen. Bis gestern noch haben sie das Schicksal herausgefordert und sind immer erschienen. Aber jetzt sind sie weg. Auch die Nahrungsvorräte haben sich aufgelöst. Die Restaurants der beiden Hotels sind geschlossen. Eine stille, aber spürbare Feindseligkeit gegenüber den Invasoren hängt in der Luft.
     Die Spannung entlädt sich in geradezu surrealen Szenen. Vor dem Hotel hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Kaum sehen die Leute einen Journalisten, beginnen sie, den Kopf der Statue Saddam Husseins mit Fußtritten zu malträtieren.
     Die US-Soldaten versuchen, ihre Kontrolle auf das ganze Stadtgebiet auszuweiten. Die Stadt ist jedoch in der Hand der Plünderer. Die Amerikaner schreiten nicht ein. Wenn die Diebe mit ihrer Beute an einem amerikanischen Panzer vorbeifahren, halten sie kurz und begrüßen die U.S. Marines mit: "Hoch lebe Bush!"

Giuliana Sgrena, Tagebuch aus dem besetzten Bagdad, Die Zeit vom 10.4.2003
04.2003