Aktion gegen Landminen-Geschäfte:

Das "Minenfeld" in der Fußgängerzone
110 Millionen Landminen verseuchen große Flächen in ehemaligen Kriegsgebieten. Mehr als 30.000 Menschen werden durch diese Hinterlassenschaften militärischer Abenteuer jährlich getötet oder schwer verletzt. Am letzten Samstag gehörte auch die Castroper Altstadt vorübergehen zu den minenverseuchten Regionen. Damit wollte der Friedenskreis auf dieses vergessene Problem aufmerksam machen und Unterschriften für die Internationale Kampagne gegen Landminen sammeln. Die Aktion war ein voller Erfolg.

Mit 30 Minenatrappen haben wir die Fußgängerzone rund um den Lambertusplatz vermint, um die Passanten zu einem Zick-Zack-Kurs zu zwingen und ein wenig ins Nachdenken zu bringen. Natürlich, wie es sich gehört, wurden auch Warnschilder aufgestellt. Und die Minen waren gelb bemalt und deutlich zu erkennen.

Damit ging es den Passanten viel besser als den Millionen Menschen, die sich in minen-verseuchten Gebieten Tag für Tag bewegen müssen, ohne zu wissen, wo genau die tödliche Gefahr lauert. Mit einem zweiseitigen Flugblatt haben wir die Aktion erläutert und die Hintergründe des Minengeschäfts beleuchtet.
Nein, das war keine Karnevalsaktion, wie einige Passanten erst glaubten. Alle 20 Minuten ist das irgendwo auf der Welt blutiger ernst: Minen explodieren. Menschen werden getötet oder verstümmelt. Den Verletzten kann selten eine wirklich gute medizinische Versorgung zuteil werden, denn die meisten Minen liegen vor allem in jenen Ländern, die auch ansonsten zu den ärmsten gehören.

Erfolgreiche Aktion

Die Aktion des Friedenskreises war ein voller Erfolg. Neben den stereotypen dummen Sprüchen mancher Mitbürger ("Was soll der Quatsch hier?" oder "Habt Ihr nichts Anderes zu tun?" oder "Ihr ändert auch nichts.") haben 24 BürgerInnen unsere Forderung nach Abschaffung aller Arten von Landminen unterschrieben. Einige waren eigens dazu in die Stadt gekommen. Karls signalgelbe Minenattrappen fanden vor allem die Aufmerksamkeit der Kinder, die sich auf die Minen stellten oder mit ihnen Fußball spielten und damit in makabrer Weise verdeutlichten, wie gefährdet gerade Kinder durch Minen sind. Die Mütter mußten ihnen erklären, was es mit diesen gelben Dingern auf sich hatte, und waren auf diese Weise mit der Problematik konfrontiert.

Es ging uns aber nicht nur darum, Betroffenheit zu schaffen. Mit dem Fluglatt haben wir auch klar die Beteiligung deutscher Unternehmen am weltweiten Minenhandel aufgezeigt. Und wir haben die Ziele der weltweiten Kampagne gegen Landminen erläutert, die schon jetzt beachtliche Erfolge vorweisen kann. Denn bei allem Abscheu gegen die "Händler des Todes" muß auch deutlich werden, daß man bei entsprechendem politischen Druck tatsächlich etwas verändern kann. Nächstes Etappenziel: Mit einem allgemeinen Verbot aller Landminen und verwandter Waffen (wie Streubomben) sollen diese heimtückischen Waffen aus den Arsenalen der Militärs entfernt werden. Und die bisher, auch von der Bundeswehr, reichlich ausgegebenen Mittel für Minen sowie die Gewinne der Minenprofiteure sollen zur Beseitigung der Minen und zur medizinischen Rehabilitation ihrer Opfer verwendet werden.

In Deutschland haben inzwischen mehr als 800.000 Menschen die Kampagne mit ihrer Unterschrift unterstützt. Der nicht nachlassende Druck hat den Deutschen Bundestag am 13. Juni 2002 veranlaßt, den Parlamentsantrag "Für eine Weiterentwicklung der humanitären Rüstungskontrolle bei Landminen″ [Drucksache 14/9438] zu verabschieden. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, sich für die Erweiterung des Minenverbotes einzusetzen, und die Bereiche Minenräumung und Minenopferhilfe zu verstärken. Jetzt gilt es, diesen Beschluß wahrhaftig "mit Leben" zu erfüllen. Es geht mühsam voran, aber es geht. Seit dem letzten Samstag gibt es zwei Dutzend Unterschriften und einige nachdenkliche Menschen mehr.

Das "Minenset" kann von anderen Friedensgruppen, die sich dem Thema widmen wollen, bei uns ausgeliehen werden. Die Fotos dieser Seite vermitteln einen Eindruck von der Aktion; weitere Bilder finden Sie in der Galerie zum Artikel. Übrigens hat nach längerer Zeit auch die WAZ C-R den Friedenskreis endlich mal wieder zur Kenntnis genommen und am Freitag auf die Aktion im Lokalteil (S.2) hingewiesen. Ein Faksimile des WAZ-Artikels finden Sie ebenfalls in der Galerie zum Artikel.

Mehr Infos zum Thema finden Sie auf unserem Flugblatt zur Aktion
oder auf der Website der Kampagne gegen Landminen
22.02.2004