Das Amerikanische Imperium und die Sache mit dem Elefanten
Arundhati Roy, die weltberühmte indische Schriftstellerin, nahm in einem Interview zu aktuellen Tendenzen in der amrikanischen Außenpolitik Stellung, die wir hier in Auszügen bringen. Das vollständige Interview finden Sie im Internet unter >>> Interview mit Arundhati Roy
Frage: Das New York Times Magazine erschien kürzlich mit einer Titelseite auf der stand: "Das neue amerikanische Imperium: Gewöhnen Sie sich daran." Wie wird diese Botschaft in Indien und anderswo außerhalb der USA aufgenommen?

Arundhati Roy In Indien gibt es eine Disharmonie zwischen dem, was die Leute über den Krieg und das amerikanische Imperium denken und der absichtlich unklaren Position der indischen Regierung. Dieser Krieg gegen den Irak hat viel Wut unter der Mehrheit der Bevölkerung hervorgerufen, aber es gibt auch Opportunisten, besonders in der Oberschicht, die ziemlich dümmlich darauf hoffen, dass man ihnen in der Phase des "Wiederaufbaus" einige Krümel zuschanzt. Sie sind wie Hyänen. Geier.

Niemand wird sich an das amerikanische Imperium gewöhnen - niemand kann es. Dies ist so, weil dieses Imperium nur am Leben bleibt und seine Position hält, wenn Massenmorde und Massenvertreibungen auf der Tagesordnung bleiben.

Es gibt Dinge, an die sich die Menschen nicht gewöhnen, egal wie stark sie es auch versuchen. Man kann erwarten, getötet zu werden, aber man kann sich nicht an die Vorstellung gewöhnen.

Es wird eine blutige Schlacht, diese Schlacht für die Errichtung und Aufrechterhaltung der Hegemonie. Die Welt ist kein statischer Ort. Sie ist wild und unberechenbar. Das amerikanische Imperium wird es nicht so leicht haben. Die Menschen dieser Welt werden nicht in den Straßen Spalier stehen und dem Herrscher Rosen zuwerfen.

Frage: "Bush behauptet zum Irak-Krieg, es handele sich um einen "Verteidigungskrieg" und es sei "Selbstmord", den Irak nicht anzugreifen.

Arundhati Roy Das erinnert an das Verhalten eines Elefanten, der einen riesigen Anlauf nimmt, um eine Ameise zu Tode zu zermalmen, und dann zu behaupten es geschah zur "Verteidigung" und es wäre selbstmörderisch gewesen, die Ameise am Leben zu lassen. Es wäre gerechtfertigt, den Elefanten als paranoid und labil zu bezeichnen.

Oh, und das beinhaltet nicht das Problem, die UNO zu benutzen, um die Ameise zu entwaffnen, bevor der Elefant angreift. Abgesehen davon, dass man dies als paranoid und labil bezeichnet, könnte man es auch feige und betrügerisch nennen.
18.04.2003