Und der Dieb ruft: Haltet den Dieb!

Unglaubliches Versehen bringt
Chemiewaffen ans Tageslicht!


< 22.1.2004 >Gerade im Januar waren die 400 US-amerikanischen Spezialisten , die im Irak nach Beweisen für Massenvernichtungswaffen suchen sollten, erfolglos und deshalb ohne großes Aufsehen wieder abgezogen worden, da tauchen sie schließlich doch noch auf: Beweise für die Entwicklung chemischer Waffen. Allerdings nicht im Irak, sondern in "god's own country" selber, in den USA. Aber folgen wir der Chronologie der Ereignisse:

Bis 1992 entwickelte die US-Armee unter dem Projektnamen ARCAD (Advanced Riot Control Agent Device) Betäubungsmittel für den Einsatz als Waffe. Getestet wurde ein cocktail aus opiumartigen Substanzen und weiteren Zusätzen, die lebensgefährliche Nebenwirkungen der Hauptsubstanz teilweise wieder aufheben sollen. Der Öffentlichkeit wird die Wirkung derartiger Waffen mit der Moskauer Geiselbefreiung im Oktober 2002 bekannt, die zum Tod von 189 Menschen führte.

Seit 1993 verbietet das Chemiewaffen-Übereinkommen (CWÜ) jegliche Art von chemischen Waffen - ob tödlich oder nicht; ob Nervengas oder Betäubungsmittel. Das ARCAD Projekt wurde zunächst stillgelegt. Aber 2 Jahre später wurden die Projekte fast unverändert fortgesetzt.

Die Nichtregierungsorganisation "Sunshine Project", deren Ziel die weltweite Ächtung biologischer und chemischer Waffen ist, richtete 2001 eine Anfrage an das zuständige US-Marine Corps und forderte gemäßt US Freedom of Information Act Einsicht in die Projektunterlagen. Über zwei Jahre brauchte das zuständige Marine Corps, um die Antwort zu formulieren, aber jetzt ist sie eingetroffen: Diegewünschten Dokumente könnten nicht freigegeben werden, vielmehr müssten sie zunächst vom Directorate for Freedom of Information and Security Review'(DFOISR) des Pentagon unter Sicherheitsaspekten überprüft werden.

Pech für das US-Marine Corps war nur ein kleines Versehen. In dem Brief mit der Absage befanden sich außerdem die angefragten Dokumente und gleich auch Versionen der Dokumente, in denen verschiedene Stellen geschwärzt waren. Offensichtlich hat der Sachbearbeiter im Marine Corps die Dokumente mit einem entsprechenden Schwärzungsvorschlag an das DFOISR schicken wollen und sie versehentlich in den Sunshine-Umschlag gesteckt.

Das "Sunshine Project" machte daraufhin bekannt, dass die Forscher, die bereits an ARCAD gearbeitet hatten, 1994 beim Joint Non-Lethal Weapons Directorate (JNLWD) des US Marine Corps ein neues Forschungsprojekt beantragten, in dem die bereits früher untersuchte Mischung als Aerosol getestet werden sollte. Zudem sollten weitere, neue chemische Substanzen auf ihre Waffenfähigkeit getestet werden, so zum Beispiel einige neue Opiate, die gerade erst von der Firma Glaxo entwickelt worden waren, oder auch eine Substanz, die erfolgreich in der Betäubung von Großwild eingesetzt worden war. Offenbar wurde das Programm über die ganzen 1990er Jahre hinweg fortgesetzt, denn dem Sunshine Project liegt ein Vertrag zwischen JNLWD und die Firma Optimetrics aus dem Jahre 2000 über ein Projekt vor, dass vollkommen deckungsgleich ist mit den Projekten, die bereits 1994 vorgeschlagen wurden. Kein Wunder, denn der zuständige Wissenschaftler bei Optimetrics ist ein früherer C-Waffen-Entwicklung vom Aberdeen Proving Ground, namens C.Parker Ferguson.

Was lernen wir daraus? Achtet besser auf Eure Post. Oder: Derselbe Vorgang in einem x-beliebigen Land Afrikas hätte umgehend eine B-52 Bomber in Marsch gesetzt. Oder: Alle Staaten sind gleich; aber einige sind gleicher. Und das militärisch Mächtigste ist am Allergleichesten.

Weitere Infos zum Thema bei >>>Sunshine Project.
Dort auch Faksimiles der Dokumente.
22.01.2004