Beute machen und Beute teilen:
Die Logik des Kanzlers, das Plündern und die Humanität
Bundeskanzler Schröder bedauert, dass sich die "Logik des Krieges" durchgesetzt hat. Wo wir Dummerchen doch immer geglaubt haben, die US-Regierung stecke dahinter. Wie man sich täuschen kann. In der "intellektuellen" ZEIT sinniert deren Chef angesichts der Bilder des Krieges über "jenes dunkle Rätsel, die mörderische Gewalt-Latenz der Menschen". Vielen Dank für diese unklaren Worte. Aber vielleicht sollte man doch besser ökonomische Interessen und politisches Machtstreben einbeziehen. Schließlich hat nicht der schlechthinnige Mensch einen Krieg befohlen, sondern ganz bestimmte Menschen mit ganz bestimmten Adressen in Washington und London.

Die Bilder von Plünderungen in Krankenhäusern und Museen versüßt uns die FAZ mit den Worten: "Die Plündernden verhalten sich lediglich streng ökonomisch", und macht den "Befreiern" Hoffung: "Wer mit einemmal Computer oder Kühlschränke besitzt, wird sich für Internetangebote und Tiefkühlkost interessieren. Beide Güter sind zur Zeit im Irak nicht im Angebot, aber Amerika kann sie im Überfluss exportieren. Was sich also auf den Straßen der Hauptstadt tummelt, sind die Kunden von morgen." Darauf muß man erstmal kommen. Woher die Freundlichkeit? Weil man weiß, dass einige der unersetzbaren Zeugnisse irakischer Kultur ihren Weg aus den Taschen der Plünderer auch in das Wohnzimmer manch reichen FAZ-Lesers finden wird?
Oder hängt das mit dem Umstand zusammen, dass plündernde Iraker mit dem Ruf "Hoch lebe Bush" an ihr Tagwerk gingen? (Giuliana Sgrena in ihrem Tagebuch aus Bagdad, nachzulesen in der ZEIT v. 10.4.). Dann hätten wir es mit schlichter Seelenverwandtschaft der Kriminellen zu tun... Motto: Wer will schon den kleinen Plünderern vorwerfen, was die "Sieger" im großen Stil betreiben?

Denn noch während die Bomben fielen, begannen die Bombenwerfer die Beute zu teilen. Die Verfügung über das irakische Öl geht an einen früheren Shell-Manager, "treuhänderisch", wie der US-Aussenminister wissen ließ. Und die dicksten Geschäfte mit dem "Wiederaufbau" sichern sich die Firmen hinter Bush und Cheney. Auch das ist die Logik dieser "modernen" Kriege: der Aggressor verdient erst am Morden und Zerstören und hält sich dann an den Reichtümern des Opfers schadlos. Und die UNO? Die darf am Ende dafür sorgen, daß die Aneignung der Kriegsbeute durch humanitäre Katastrophen nicht ins Stocken gerät.
Dafür rührt auch die Bundesregierung die Werbetrommel: Um an der Beute beteiligt zu werden, geht man auf Schmusekurs mit den Bombenwerfern, wird der Bruch des Völkerrechts als Kavaliersdelikt abgehakt. Man versucht unverfroren, die gezielte Anti-Kriegs-Stimmung in diffuse Spendenbereitschaft umzumünzen. Da interessiert es uns natürlich, wie der US-Außenminister über dergleichen denkt. Humanitäre Organisationen sind für ihn lediglich "ein Machtmultiplikator für uns, ein wichtiger Teil unserer Kampftruppen". (lt. Frankfurter Rundschau).
20.04.2003