Berlusconi weiß etwas - stimmt aber nicht
"Wir sind die älteste Kultur der Welt, das zeigen diese Steine hier vor uns..." Die Steine, die Herr Berlusconi meinte, sind laut Journalisten die Tempel der Akropolis von Athen. Nichts gegen die alten Griechen. Aber für die waren beim Baubeginn des Parthenon die ägyptischen Pyramiden schon graue Vorzeit, nämlich damals schon fast 2000 Jahre alt. Und noch mal einige Jahrhunderte vor den großen ägyptischen Pyramiden gab es an anderer Stelle, an Euphrat und Tigris, große Städte aus Stein gebaut. Auch Babylon war schon 1000 Jahre, bevor die Griechen mit der Akropolis begannen, der steinerne Mittelpunkt der vorderasiatischen Welt. Hammurabi, erste Gesetzestafeln, Zweistromland - schon mal gehört, Herr Berlusconi? Richtig, genau die Gegend, die drei Wochen lang bombardiert wurde, mit aktiver Unterstützung von westlichen Kulturschwätzern wie Berlusconi.

Übrigens zeigt sich auch auf dramatische Weise, mit welcher Achtung westliche Kriegsherren fremden Kulturen begegnen: Nach Berichten der Londoner "Times" sind während und nach dem Irak-Krieg durch gut organisierte und von den amrikanischen und britischen Soldaten nicht behinderte Plünderungen rund 170.000 Kulturgegenstände verschwunden. Die UNESCO forderte vergeblich einen Schutz der Museen, Archive und Bibliotheken durch die Besatzungstruppen.

Wenn man nur ein Bruchteil des Aufwands, den man für den "Schutz" der Ölfelder betrieben hat, für den Schutz der irakischen Kulturgüter aufgewendet hätte... Oder halten westliche Militärs die Zeugnisse einer der ältesten Kulturen für entbehrlich? Oder viel wahrscheinlicher: Bush und Cheyney und Rumsfeld sind schlicht genauso ahnungslos und arrogant wie der italienische Regierungschef, der als Milliardär bestens weiß, was Millliardäre von einer Regierung erwarten. Und dazu gehört nun mal eine Riesenportion kultureller Überheblichkeit.
19.04.2003