100.000 Menschen in Berlin gegen Sozialabbau

"Mein Arbeitsplatz wird am Hindukusch verteidigt"

Unter diesem Motto fuhr ein Mitglied der IG Metall zur Demonstration nach Berlin. Auch der Friedenskreis Castrop-Rauxel ist der Meinung, dass Steuergelder bei der sozialen Sicherung besser aufgehoben sind als bei kostspieligen militärischen Abenteuern, die mit Landesverteidigung nichts zu tun haben. Einige Mitglieder des Friedenskreises haben sich deshalb am Sonntag in aller Frühe auf den Weg nach Berlin gemacht.
Mit einem Bus des Dortmunder "Bündnis gegen Sozialkahlschlag" sind wir sechs Stunden lang nach Berlin gefahren. Bei unserer Ankunft war der Alexanderplatz in Berlin schon voller Menschen. Viele Ver.di und IG.-Metall-Fahnen waren zu sehen. Neben dem vielen Rot erregte unser Transparent immer wieder Aufmerksamkeit, nicht nur wegen seiner blauen Farbe. Offensichtlich war der Ortsname Castrop-Rauxel wieder einmal für viele eine Quelle der Erheiterung (warum eigentlich?) und wurde so zum Anknüpfungspunkt für Gespräche.

Schwierigkeiten hatte allerdings unsere Fotografin: Der Versuch, unser Transparent inmitten der Kundgebung in voller Größe aufs Bild zu bannen, schlug immer wieder fehl, weil sie sich zwischen den vielen Leuten nicht weit genug entfernen konnte, ohne dass die Umstehenden alles verdeckten. (Weitere Bild von der Demo in der Galerie zum Artikel.)
Der anschließende Demonstrationszug war beeindruckend. Die Demonstranten füllten nicht nur die Fahrbahn der breiten Berliner Straßen, sondern auch die Gehwege rechts und links. Die Teilnehmerzahl von 100.000 übertraf unsere Erwartungen, offensichtlich auch die der Veranstalter, denn die Marschroute wurde kurzfristig geändert und damit verlängert. Der Gendarmenmarkt, auf dem die Abschlußkundgebung stattfand, konnte am Ende gar nicht alle Demonstranten fassen.

Vielleicht hätten noch ein paar mehr draufgepasst, wenn nicht dazwischen immer wieder Polizisten aufmarschiert wären, die mit Helm, Mundschutz und Schienbeinschonern zwischen den friedlichen, eher etwas erschöpften Demonstranten etwas overdressed auftraten. Einer sprach direkt hinter uns denn auch in sein Sprechfunkgerät. "Hier stehen nur ganz normale Menschen." Richtig. Wir sind der Meinung, daß diese 100.000 "ganz normalen Menschen" einen prima Anfang gemacht haben. Millionen sollten es werden.
02.11.2003