Nun ärgern sie sich:

US-Abgeordnete entdecken ihr Wirtschaftssystem

30.10.2003 Wir haben an dieser Stelle schon häufiger über das US Unternehmen Halliburton gechrieben. Nicht, weil wir das Unternehmen für besonders wichtig halten. Es ist ein mittelmäßiger, aber typischer Vertreter der neoliberalen Global-Abzocker. Und diese Firma hat in US-Vizepräsident Cheney einen prominenten Ex-Direktor mit exklusiven Verbindungen, die sich allemal bezahlt machen.

Durch einen Beschwerdebrief von US-Abgeordneten an die US-Regierung geraten die Geschäftspraktiken dieses Konzerns erneut in den Blickpunkt. Das sind die Fakten: Die Firma Halliburton versorgt als globaler Militärdienstleister die US-Army in Irak mit allerlei Dingen, die man so braucht, um ein Land zu besetzen. Zum Beispiel Benzin. Halliburton holt das Benzin aus Kuwait und berechnet der US-Army dafür 2,65 Dollar pro Gallone (also etwa 60 Cent pro Liter). Nun liegt der übliche Preis für eine Gallone bei einem Dollar. Die Abgeordneten führen als Beleg an, dass die Irakische Mineralölgesellschaft Sumo bei ihren Importen aus Kuweit sogar weniger als einen Dollar pro Gallone Benzin bezahlt. Daraus errechnet sich zwischen beiden Preisen eine Differenz von 1, 68 Dollar pro Gallone zugunsten von Halliburton. Wer steckt sich das Geld in die Tasche? Gute Frage. Und dann wurde den Abgeordneten auch noch bekannt, dass das teure Benzin im Irak von der US-Verwaltung (um sich mit der dortigen neu entstehenden Oberschicht gut zu stellen) für 15 Cent pro Gallone verkauft wird.

Alles in allem: Bis zum 19. Oktober, so rechnen die US-Abgeordneten vor, hatte Halliburton 61,3 Millionen Gallonen importiert und dafür 162,5 Millionen Dollar vom Staat kassiert. Also mehr als 100 Mio.Dollar Extraprofit für Halliburton? Natürlich nicht, sagt ein Konzernsprecher zu unser aller Überraschung. Begründung: Lieferungen in eine Kriegsregion seien nun einmal etwas teurer. Und ich meine, der Mann hat Recht. Wenn man sich schon im Krieg nicht mehr ohne Anpöbeleien durch Abgeordnete in Ruhe dumm und dämlich verdienen kann. Wann dann?

Die US-Abgeordneten sollten sich fragen: Was stimmt mit uns nicht? Warum fanden wir es völlig in der Ordnung, irakische Sädte zu bombardieren und dabei mindesten 7.000 Zivilisten, darunter mehr als 2000 Kinder, zu töten. Warum bringen uns nicht die getöteten Menschen, sondern erste krumme Benzin-Geschäfte in Wallung? Wir empfehlen: Nicht hinterher Briefe schreiben und das Fahrrad entdecken. Besser ist es: Kriege vorher verhindern. Wahlergebnisse korrekt auszählen und sich dran halten! Konzerne demokratisch kontrollieren (doch, das geht). Dann müßten wir nicht ständig über Kriegstote und schon gar nicht über die unseligen Abzocker Marke Halliburton schreiben.
30.10.2003