Mit High-Tech zum Video-Krieg?

Der Traum der Generale - ein Alptraum für uns

Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien vom Mai 2003 hat die Bundesregierung sich vom Konzept der Landesverteidigung verabschiedet. Kampfeinsätze überall in der Welt stehen jetzt auf der Tagesordnung. Klipp und klar heißt es: "Künftige Einsätze lassen sich wegen des umfassenden Ansatzes zeitgemäßer Sicherheits- und Verteidigungspolitik und ihrer Erfordernisse weder hinsichtlich ihrer Intensität noch geografisch eingrenzen. Der politische Zweck bestimmt Ziel, Ort, Dauer und Art eines Einsatzes. Die Notwendigkeit für eine Teilnahme der Bundeswehr an multinationalen Operationen kann sich weltweit und mit geringem zeitlichen Vorlauf ergeben und das gesamte Einsatzspektrum bis hin zu Operationen mit hoher Intensität umfassen." Nun darf sich jeder selbst die Frage beantworten, ob weltweite, kurzfristige Einsätze mit "hoher Intensität" (sprich: Krieg!) noch die Merkmale einer Landesverteidigung sind, wie sie das Grundgesetz einzig und allein als Aufgabe der Bundeswehr bestimmt.

Dem neuen Großmachtziel dient die aktuelle Umgestaltung der Bundeswehr, die im Ergebnis nicht etwa "billiger", sondern im Gegenteil wesentlich teurer werden wird. Wir erinnern uns: Für 8 Mrd. Euro erhält die Bundeswehr Transportflugzeuge, mit denen man jedes Einsatzgebiet in wenigen Stunden erreichen kann. Für 15 Milliarden Euro hat die Bundeswehr 180 Eurofighter in Auftrag gegeben; kosten werden sie am Ende mindesten 25 Mrd. Euro. Es handelt sich dabei um ein Mehrzweckkampfflugzeug, das mit zweifacher Schallgeschwindigkeit seinen Einsatzort erreichen kann. Dort angekommen, soll die moderne Ausrüstung die Überlegenheit im Luftraum sichern und Luft-Boden-Einsätze möglich machen. Die Firma EADS, der zweitgrößte europäische Rüstungskonzern, hat maßgeblichen Anteil an der Herstellung und Endmontage des Eurofighters.

Aber das sind nur vergleichsweise kleine Fische für den Anfang. Längst arbeitet man im Militär-Industrie-Kartell an hochfliegenden Plänen. Einer davon widmet sich der "menschlichen Schwachstelle": Denn Kampflugzeuge wie der Eurofighter, wie modern auch immer, fliegen nicht ohne Pilot. So bleibt trotz High-Tech-Überlegenheit immer noch ein Restrisiko. Wie der Krieg im Irak zeigt, können Piloten auch abgeschossen werden. Und solche Verluste gefährden dann die Unterstützung in der Bevölkerung, ohne die sich militärische Abenteuer kaum realisieren lassen. Und vielleicht fürchtet man auch, dass Piloten den Einsatz verweigern könnten, wie erst dieser Tage in Israel, wenn sie sehen, was sie mit der Bombardierung von Städten anrichten.

Um alle menschlichen Unwägbarkeiten auszuschalten, soll jetzt der Traum der Generale wahr werden: EADS, wer sonst, hat längst damit begonnen, die nächste Generation von Kampfglugzeugen zu entwickeln. Das hat ein Firmensprecher stolz mitgeteilt. Die neuen Flugzeuge sollen unbemannt, als sogenannte Drohnen, ihre Bombenlast über große Reichweite tragen und abwerfen. Schon 2015 sollen die neuen Mordmaschinen einsatzbereit sein. Militärstrategen können es nicht erwarten: Kann man doch dann, weit entfernt im Schutz der Bunker, allen "Feinden" per Monitor und Fernsteuerung das Lebenslicht auspusten. Krieg als Video-Spiel. Davon träumen sie und daran arbeiten sie. Mit unserem Geld.
27.10.2003