"Maßlose und wahllose Gewaltanwendung"

Besatzung bringt Irak keinen Frieden

26.10.2003 Jeden Tag lesen wir in den Zeitungen von getöteten US-Soldaten im Irak. Sie werden zu Opfern einer abenteuerlichen und rechtswidrigen Politik ihrer obersten Herren. Aber vergessen wir nicht die anderen Opfer, die wirklich unschuldigen. Man schätzt die Zahl der im Irak-Krieg getöteten Zivilisten auf über 7000. Wer wird dafür zur Verantwortung gezogen? Und täglich kommen neue Opfer des Kriegs hinzu. Eine genaue Prüfung aller verfügbaren Unterlagen ergab, dass US-Soldaten allein in Bagdad nach Kriegsende mindestens 94 Zivilisten erschossen haben. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Report der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW) und spricht von "maßloser und wahlloser Gewaltanwendung" der US-Besatzer in Bagdad. Aber das ist nicht alles.

Auch die immer noch im Land herumliegenden amerikanischen Bomben töten weiterhin. Das seit Kriegsende drängende Problem ist offenbar viel zu schleppend angegangen worden. Wie UNICEF im September mitteilte, wurden seit Kriegsende über 1000 Kinder im Irak durch Waffen wie Streubomben und anderes Kriegsmaterial verletzt. Laut Carel de Rooy, Büroleiter von Unicef im Irak, werden Kinder wegen ihrer natürlichen Neugierde am häufigsten zu Opfern: "Streubomben haben interessante Formen, die attraktiv für Kinder sind. Viele Kinder werden getötet oder verletzt, weil sie ein schimmerndes Metallobjekt sehen, manchmal in der Form eines Balls, es aufheben und damit spielen." Noch während des Irak-Kriegs hat UNICEF erfolglos protestiert, weil einige der abgeworfenen Streubomben in Form und Farbe den Lebensmittelpaketen ähnelten, die von Hilfsorganisationen im Irak verteilt wurden. Alles Zufall? Oder sind es pervertierte Hirne, die mit Absicht Streubomben in Form von kleinen Flaschen mit Bändern oder mit bunten Papierfallschirmen produzieren, die den Anschein von Spielzeugen erwecken?

Heute, mehr als ein halbes Jahr nach Kriegsende, ist es den 180.000 (!) Besatzungssoldaten und einer gigantischen Kriegsmaschinerie immer noch nicht gelungen, all den Dreck einzusammeln, den man in drei Kriegswochen über den Städten des Irak abgeworfen hat. Dazu fehlt der Wille. Vermutlich war man zu sehr damit beschäftigt, die neuen Banken und Konzernzentralen, die Pipelines und Bohrtürme zu bewachen und Irak mit dem Geld anderer zu einer neo-liberalen Musterkolonie der USA zu machen. Statt weltweit um Soldaten und Geld zu betteln, um die selbst verschuldeten Probleme von anderen lösen zu lassen, schlagen wir folgende vertrauensbildende Maßnahmen im Irak vor, für deren Durchführung USA und Großbritannien keinerlei fremde Hilfe brauchen: 1. Kriegsmüll durch Soldaten einsammeln lassen, 2. irakische Selbstverwaltung einsetzen, 3. Truppen abziehen, 4. die geplanten Besatzungskosten als Aufbauinvestitionen für die zerstörte Infrastruktur bereitstellen. Unrealistisch? Derzeit gewiß. Aber immerhin sind heute bereits zehntausende Amerikaner auf die Straße gegangen, um ihrer Regierung diesen Weg zu weisen.

Übrigens: Die oben erwähnten Streubomben sind international geächtete Waffen. Nur haben die USA das Abkommen niemals unterschrieben. Warum auch?
26.10.2003