Aktuelles zu chemischen Waffen aus der Vergangenheit
Das Thema "chemische Waffen" spielte in der propagandistischen Vorbereitung des Irak-Krieges eine große Rolle. Dabei gefielen sich die Bush-Leute in der Pose des Saubermanns. Eine kleine Meldung in der WAZ vom 17.4.2003 bringt uns gerade rechtzeitig einige Tatsachen in Erinnerung, die zur amerikanischen Saubermann-Pose einfach nicht passen will.
Klar: Dass eine amerikanische Regierung als erste und einzige den Einsatz von Atomwaffen befohlen hat, ist bekannt. Es war aber auch eine amerikanische Regierung, die als erste chemische Stoffe im großen Stil flächendeckend eingesetzt hat, nämlich im Krieg gegen Vietnam in den Jahren 1961-1971. Das waren keine Hilfsmittel für bessere Sicht im Dschungel, sondern dioxin-haltige, daher hochgiftige und Erbgutverändernde Substanzen. In der WAZ Meldung heißt es dazu:

"Agent Orange und andere hochgiftige Pflanzenvernichtungsmittel sind US-Forschern zufolge während des Vietnam-Krieges in weit größeren Mengen versprüht worden als bislang angenommen.

Bei den Flugeinsätzen seien Millionen von Vietnamesen in ihren Dörfern direkt aus der Luft mit Dioxin-haltigen Mitteln besprüht worden, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature" nach der Auswertung von US-Militärarchiven.

Dem Bericht zufolge muss allein die Agent-Orange-Bilanz des Vietnam-Kriegs um sieben auf 52 Millionen Liter heraufgesetzt werden. Einschließlich anderer Mittel wurden demnach mindestens 83 Millionen Liter Umweltgifte eingesetzt, um Wälder zu entlauben und landwirtschaftliche Produkte zu verseuchen.

Die Schätzungen für die dabei verwendete Dioxin-Menge wurden beinahe verdoppelt. Eine Auswertung der Flugrouten ergab, dass mehrere Tausend kleine Dörfer direkt mit den Chemikalien besprüht wurden. So sind mindestens zwei Millionen, möglicherweise aber auch fast fünf Millionen Vietnamesen in direkten Kontakt mit den Giften gekommen.

Nach Angaben des vietnamesischen Roten Kreuzes leiden noch heute mehr als eine Million Menschen an den Folgen des Chemikalien-Einsatzes. Hunderttausende Kinder wurden mit Missbildungen geboren."
Noch heute warten die Vietnamesen auf die im Friedensvertrag 1975 von der USA-Regierung zugesagten Hilfen bei der Bekämpfung der Agent-Orange-Folgen. Vergeblich.
17.04.2003