Mit Verboten zur Ruhe im Land
Der irakische Übergangsrat ist eine Einrichtung der Besatzer. Seine Vorschläge werden gerne aufgegriffen, wenn sie mit den Vorstellungen des US Oberkommandos übereinstimmen. Zu diesen Vorschlägen gehört das Verbot zweier arabisch sprechender Fernsehsender im Lande, über das uns die WAZ am 24.9. informiert. Begründung des Verbots: Es werde Hass gegen die Besatzungstruppen geschürt.

Der Zufall bringt uns ganz anderen Zusammenhängen auf die Spur. Denn direkt unter dieser Meldung lesen wir vom Tod irakischer Menschen, deren Unglück es war, zur selben Zeit am selben Ort zu sein, an dem das US-Militär gerade für Frieden sorgte. Auch wenn man nur oberflächlich die Ereignisse im Irak verfolgt, weiß man, dass die Tötung irakischer Bürger kein Einzelfall ist. Mal sind es Teilnehmer einer Demonstration, dann Insassen eines Autos, das "verwechselt" wird. Dann wieder unglückliche Querschläger. Vor einigen Tagen waren es sogar irakische Polizisten, die ihren US-Freunden zum Opfer fielen. Und so weiter und so weiter... Auch die Meldung vor zwei Tagen, dass offenbar bekiffte Soldaten auf einer Party im Bagdader Zoo einen Tiger abgeknallt haben, dürfte das Verhältnis der Iraker zur Besatzungsmacht kaum verbessern.

Könnte es nicht sein, dass der "Hass auf die Besatzer" keiner arabischen Fernsehsender bedarf?

Erst Zensur, jetzt Verbote

Übrigens hat, von den Medien praktisch nicht zur Kenntnis genommen, der US-Boß in Irak, Paul Bremer, schon im Juni sein Rechts-Department in Bagdad angewiesen, Pressezensurregeln zu entwerfen. Dazu der englische Journalist Robert Fisk am 11.6.: "Zuerst glaubte ich an einen Scherz, als einer der neuen Offiziellen der C.P.A (Provisorische Behörde der Koalition) mir letzte Woche einen Hinweis gab. Aber nein, es war ernstgemeint. Zwei Monate nach der "Befreiung" Iraks haben sich die anglo-amerikanischen Behörden im Irak und ihr Chef Paul Bremer (dessen Angewohnheit, Kampfstiefel zum schwarzen Anzug zu tragen, seine Kollegen immer wieder in Erstaunen versetzt) nun entschlossen, die freie neue irakische Presse zu kontrollieren."

Wie wir drei Monate später feststellen, machen die entschlossenen Bemühungen der Besatzer um freie irakische Medien Riesenfortschritte. Und gewiss werden diese Maßnahmen den "Hass auf die Besatzer" spürbar mindern. Oder nicht?

24.09.2003