Das Imperium bittet zur Kasse - wir auch

Die USA und Großbritannien haben einen verbotenen Angriffskrieg gegen den Irak geführt. Vergessen? Dabei haben Sie sich gegen die UNO Mehrheit gestellt. Wissen Sie noch? Und die Unterstützung ihrer Bevölkerung haben sich Bush und Blair auch nur zusammengelogen. Stimmt' s etwa nicht? Trotzdem sind die Medien voll von den Folgen des Kriegs für Bush und Blair und die armen Besatzungssoldaten. Über die Folgen des Kriegs für die Iraker redet man nur im Rahmen der Geschäftsordnung. Dabei darf man "Geschäft" durchaus wörtlich nehmen.

Journalisten und Politiker geben sich erstaunt. Worüber? Natürlich sind große Teile der irakischen Infrastruktur verwüstet. Das haben Bomben so an sich. Natürlich entwickelt sich die Übernahme der irakischen Ölquellen als wichtigstes Kriegsziel nicht wie geplant. Warum sollten sich die Iraker einfach so von den bisher verstaatlichten Ölquellen trennen? Statt ein Riesengeschäft zu machen, dem das Wallstreet Journal einen Gewinn von mindestens 2800 Milliarden(!) Dollar beglaubigte, hat der wenig angenehme irakische Alltag die Besatzungstruppen eingeholt. Hat man denn wirklich gelaubt, durch Streubomben, Napalm-Bomben und "normale" Bomben und 170.000 Soldaten im Lande eine friedliche Atmoshäre zu schaffen?

In dieser Stunde sinkender Popularität an der Heimatfront erinnert sich der oberste Kriegsherr und geschäftsführende Boss des Imperiums seiner Freunde und Vasallen- und bittet zur Kasse. Für Ende Oktober hat man nach Madrid geladen. Dort möchte man die Staaten dieser Welt auf einer als "Konferenz" bezeichneten Veranstaltung um Spenden für den "Wiederaufbau des Irak" angehen. Ähnliche Veranstaltungen führt Bush derzeit in großer Zahl zur Finanzierung seines Wahlkampfs in den USA durch. Daher wohl auch die Idee: Teilnehmer seiner privaten Konferenzen zahlen 2000 Dollar und bekommen dafür einen Hotdog. Aber mit solchen Summen wird sich Bush in Madrid nicht zufrieden geben. Er erwartet insgesamt mindestens 50 Milliarden (!) Dollar einzunehmen. Da erscheinen die von der Bundesregierung zugesagten 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe wie Majestätsbeleidigung. Und selbst eine Summe von 400 Millionen Euro (soviel gab die EU bisher für den "Wiederaufbau" in Afghanistan) würde kaum einen Händedruck des Großen Bruders einbringen. Wir sind gespannt, wie es mit der Spendensammlung weitergeht.

Wir bitten auch zur Kasse...

Natürlich haben wir volles Verständnis für alle Staaten, die mit dem Geld ihrer Bürger sparsam umgehen möchten. Dem Bundeskanzler und seinen staatsmännischen Kollegen in aller Welt sind deshalb diese weiterführende Vorschläge ans Herz gelegt, mit denen man in Madrid gewiß Aufsehen erregen könnte. Da vermutlich Fidel Castro nicht zu den geladenen Gästen zählen wird, müßte sich allerdings jemand anderer bereitfinden, diese Vorschläge zu unterbreiten. Wie wär's, Josef Fischer, mit diesem Schritt zu weltweitem Ruhm? Unsere Forderungen sind simpel und haben zudem den Vorzug, mit dem Völkerrecht im Einklang zu sein:

  1. Sofortiger Rückzug der Besatzungstruppen aus Irak. Damit folgen wir auch den Forderungen der amerikanischen Friedensbewegung.

  2. Übergabe der Macht im Irak an eine provisorische Regierung. Durchführung von Wahlen unter UN Aufsicht. Das ist der übliche Weg.

  3. Zahlung von Reparationen an die neu gewählte Regierung durch USA, Großbritannien, Spanien und die anderen Mitglieder der Kriegskoalitiopn in angemessener Höhe. Das ist nur recht und billig. Wir denken besonders an die 87 Milliarden Dollar, die sich Bush für das nächste Jahr bereits hat bewilligen lassen, um die Besatzungskosten zu decken.

  4. Zahlung von Entschädigungem an die Hinterbliebenen der 7000 zivilen Opfer des Kriegs. (Von einer Anklage der Kriegsherren in Den Haag wagen wir nicht zu träumen.)

  5. Rückkehr auf den Boden der UN Charta. Durch öffentlichen Verzicht auf "präventive Krieg" spart man sich in Zukunft Zerstörung und Wiederaufbau.
Da der Irak kein Entwicklungsland ist, sondern dank seiner Ölquellen über großen Reichtum verfügt, wird die neu gewählte irakische Regierung in der Lage sein, mit Hilfe der Reparationen und bei entsprechender UNO Unterstützung die Lebensumstände der Iraker spürbar zu verbessern und die Ölförderung im Lande wieder anzukurbeln. Es steht allen Staaten frei, sich im Irak um günstige Wirtschaftsabkommen zu bemühen.
21.09.2003