Modernes Napalm:

USA setzten auch Feuerbomben im Irak ein
Die Älteren erinnern sich noch an die Bilder, die vor 30 Jahren um die Welt gingen: Mit Napalm-Bomben verbrannte vietnamesische Dörfer. Wer in den Flammen nicht umkam, erstickte, weil der Sauerstoff aus der Umgebung schlagartig verbrannte. Auf Nachfrage erklärte der Pentagon vor dem Irak-Krieg, man habe im April 2001 die letzten Napalm-Bomben vernichtet. Aber das hat sich als Schwindel herausgestellt. Tatsächlich wurden auch im Irak-Krieg, Bomben abgeworfen, die den Napalm-B-Bomben des Vietnamkriegs ganz ähnlich sind.

Da es sich bei der neuen Bombensorte nicht um "echte" Napalm-Bomben auf Basis von Naphthalin and Palmitaten handelt, wurden Existenz und Einsatz dieser Feuerbomben durch das Pentagon und das US-Kriegsministerium stets geleugnet. Erst als durch Interviews mit US-Soldaten der Napalm-Einsatz bekannt wurde, gab das Pentagon nach. "Sie hätten nach Mark-77 Bomben fragen müssen, nicht nach Napalm. Dann hätte ich ihnen alles erzählt", sagte der Pressesprecher. Aber ob Napalm oder Mark-77: Beide Bomben sind der Wirkung nach völlig identisch. Der Militärspezialist John Pike: "Du kannst diese Bomben irgendwie anders als Napalm nennen. Aber es bleibt Napalm."

Die Mark-77 Fire Bombs enthalten weiterentwickelte Stoffe. Der durch die Bomben entfachte Feuersturm ist praktisch unlöschbar und erreicht noch höhere Wirkung als das alte Napalm. Und diese Bomben sind, wie das Pentagon stolz versichert, "umweltverträglicher" als die alten. Die makabre Wortklauberei hat auch einen anderen Hintergrund. Denn Napalm-Bomben wurden durch UN-Konvention im Jahre 1980 verboten. Man möchte durch die neue Bezeichnung "Mark-77 Fire Bombs" dem Vorwurf entgehen, gegen eine UN-Konvention zu verstoßen- auch wenn die USA, wie so oft, diese Konvention gar nicht unterzeichnet haben.
Die Napalm-artigen Mark-77 Fire Bombs wurden im Irak-Krieg in größeren Mengen eingesetzt. Das hat die San Diego Union Tribune am 5.8.2003 in einem Interview mit Colonel Randolph Alles aufgedeckt, der die Marine Air Group 11 kommandierte und wie alle anderen aktiven Militärs selbstverständlich von "Napalm" spricht. Colonel Alles: "Wir warfen die Bomben (original: we napalmed...) auf die Brücken über den Saddam-Kanal und den Tigris. Unglücklicherweise waren da Menschen. Wir konnten sie auf unseren Bord-Monitoren erkennen. Es waren irakische Soldaten. Keine schöne Art zu sterben." Und er fügt hinzu: "Die Generale lieben Napalm. Es hat große psychologische Wirkung."

Die amerikanische Zeitung zitiert auch den ehemaligen Generalleutnant der Marins, Bernard Trainor, der heute ein prominenter Militärexperte ist: "Ich habe diese Bomben routinemäßig in Vietnam eingesetzt. Ich habe keine Bedenken, sie wieder einzusetzen. Es ist nur eine andere Waffe. Und der unverwechselbare Feuerball und der Geruch haben Schockwirkung."

Zur Zeit ist das US-Kriegsministerium dabei, die Vorräte an Napalm-, sorry: an Mark-77 Bomben aufzufüllen. Gebunkert werden 1.000 Bomben zum Stückpreis von 3.678 Dollar. Diese Bomben lagern auf verschiedenen Auslandsstützpunkten der USA. Niemand kann sagen, wie viele dieser Bomben in Deutschland auf ihren Einsatz in mißliebigen Ländern warten.

18.08.2003