Hiroshima und Nagasaki mahnen:

Atomstrategen auf dem Vormarsch

Am 6. August 1945 warf ein US-amerikanischer Bomber auf Befehl von Präsident Truman die erste Atombombe der Weltgeschichte ab. Ziel war die japanische Stadt Hiroshima. Die Bombe wurde von den Militärs "Little Boy" genannt. Drei Tage später warf man eine zweite Atombombe auf die japanische Stadt Nagasaki. Die Militärs nannten sie "Fatman". In seiner Radioansprache am 9. August rechtfertigte Präsident Truman den Einsatz der Atomwaffen, in dem er Hiroshima als "a military base" bezeichnete und sagte, das Ziel des Angriffs sei es gewesen, den Tod von Zivilpersonen so weit wie möglich zu vermeiden. ("That was because we wished in this first attack to avoid, insofar as possible, the killing of civilians.")

Das Gegenteil ist wahr. Hiroshima und Nagasaki waren auch 1945 bereits japanische Großstädte. Die Hiroshima Bombe explodierte in einer Höhe von 200 Metern über dem Gebäude der Handelskammer. Bis zum Ende des Jahres 1945 starben allein in Hiroshima 140.000 Bürger der Stadt durch die Atombombe. Über 70.000 waren es in Nagasaki. Noch in den Jahren danach starben viele Menschen an den Folgen der intensiven Strahlenbelastung.
Wenn die internationale Friedensbewegung wie jeden August in Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki Aktionen und Infostände durchführt, ist das leider wieder sehr aktuell.

In den letzten drei Jahren wird in den USA in den Kreisen der Neo-Konservativen, aber zunehmend auch in den vermeintlich liberalen Kreisen, offen über eine veränderte Atomwaffenstrategie gesprochen. Vordenker der unter dem Namen "rapid dominance" oder "shock and awe" (Schrecken und Ehrfurcht) bekannt gewordenen Strategie ist Harlan Ullman, der vor dem Irak Krieg empfahl, Bagdad wie Hiroshima zu behandeln. Regierungskreise in Washington winkten schnell ab und nannten es lediglich eine "Metapher". Aber das von Ullman angestrebte Ziel, einen High-Tech-Krieg zu führen, in dem man sich alle Optionen bis hin zum Einsatz atomarer Waffen offenläßt, hat längst Eingang in die offizielle "National Security Strategy of the United States of America" vom 17.9.2002 gefunden.

Wenn der stellvertretende Außenminister der USA, Richard Armitage, in einem Interview mit CNN dieser Tage über die Iraker bedauernd sagte: "Wir dachten..., offen gesagt, dass wir viel mehr von ihnen töten würden, und darum eine etwas bessere Sicherheitslage hätten", so bringt das genau diese neue Denkweise der Neo-Konservativen zum Ausdruck. In der verqueren Sicht dieser Shock-and-Awe Stategen reichen 7.000 tote irakische Zivilisten nicht aus, um die Iraker zu "befrieden" und mit Ehrfurcht vor den übermächtigen USA zu erfüllen. Aber man arbeitet in den USA mit Hochdruck daran, die Zahl der Toten in künftigen Kriegen höher zu schrauben. Die Entwicklung sogenannter "Mini-Nukes", also jederzeit gefechtsbereiter handlicher Atomwaffen, wurde längst begonnen. Wir berichteten darüber. Und das Wort "Mini" sollte nicht irreführen: Die Zerstörungskraft einer solche "Mini-Bombe" steht der von Hiroshima in nichts nach. Auch die Entwicklung der Neutronenbombe, die in den 80er Jahren nach intensiven Protesten eingestellt wurde, soll wieder aufgenommen werden. Sie erinnern sich: Das ist die Bombe, die zwar alles biologische Leben vernichtet, aber alle Gegenstände unbeschädigt läßt. Dann gäbe es keine Probleme mit der Besetzung fremder Ölferder.

01.08.2003