Zweierlei Maß:

USA haben geheimes Biowaffen-Mobil

Wochenlang hat die US-Regierung versucht, mit zwei im Irak gefundenen LKWs ihren Angriffskrieg zu rechtfertigen. Denn diese LKWs, so Präsident Bush Ende Mai im polnischen Fernsehen, seien mobile Biowaffenlabore und Beweise für die Bedrohungen durch den Irak. Bush brachte dieses Argument zu einem Zeitpunkt, als die amerikanischen und britischen Experten längst abgewunken hatten. Wir >berichteten darüber. Jetzt bekommt die Angelegenheit eine satirische Wendung. Denn einige US Zeitungen (New York Times v. 2.Juli 2003; Washington Post vom 3.Juli 2003) berichteten über ein geheimes mobiles Biowaffenlabor der US-Army.

Das Biowaffen-Labor wurde im Rahmen eines seit drei Jahren (!) laufenden geheimen Projektes gebaut, mit dem angeblich Spezialeinheiten für die Aufspürung und Vernichtung von Biowaffen ausgebildet werden sollten. Auch die Delta Force, jene Spezialeinheit der US-Armee, die im Irak vergeblich nach Biowaffen gesucht hat, wurde an diesem einsatzbereiten Mobillabor in Fort Bragg, N.C., ausgebildet.

Sprecher des Pentagons erklärten, dass das Biowaffen-Mobil rein defensiven Zwecken diene und somit nicht gegen die Biowaffen-Konvention verstoße. Dazu erklärt Sunshine Projekt, eine internationale Vereinigung gegen Biowaffen: "Auch wenn dem so ist, muss die Tatsache, dass es sich um ein geheimes Projekt handelt, das Misstrauen anderer Staaten wecken. Zumal in den USA die geheime Biowaffen-Abwehrforschung zunehmend ausgedehnt wird – und unter dem Mantel der Abwehrforschung bereits eine Reihe von Projekten mit eindeutig offensivem Charakter aufgedeckt wurden. Das geheime US-Biowaffen-Mobil ist ein weiteres Beispiel für die doppelten Standards, die die USA im Biowaffen-Bereich anwendet. Würde ein solches Fahrzeug im Irak oder im Iran gefunden, würden die USA eine Erklärung wie die ihre nie akzeptieren, sondern es als Beweis für ein offensives Biowaffenprogramm der entsprechenden Staaten deklarieren."

Der Täter steckt unter den Tätern

Nun ist der Umstand, dass im Pentagon die Entwicklung von Biowaffen betrieben wird, kaum überraschend. Aber für Aufsehen sorgte die Feststellung der New York Times, dass am Bau des Fahrzeugs auch Steven J. Hatfill maßgeblich beteiligt war. Und das ist derselbe Hatfill, der vom FBI immer noch als Hauptverdächtiger für die Milzbrand-Anschläge vom Herbst 2001 bezeichnet wird- über die man in offiziellen Kreise der USA heute nicht mehr gerne redet, da ihre Spur in die Geheimszenen der Pentagon-Projekte zurückführt.

Steven J. Hatfills arbeitete für die Science Applications International Corporation (SAIC), einem wichtigen Auftragnehmer von Pentagon und CIA, an der Entwicklung des Biowaffen-Mobils. Er soll sowohl die erforderliche Ausstattung eingekauft, als auch die im September 2001 begonnene Fertigung beaufsichtigt haben. Als ihm der CIA im August 2001 die für eine Mitarbeit an solchen Geheimprojekten erforderliche Einstufung entzogen hatte und er ein halbes Jahr später von der SAIC gekündigt wurde, arbeitete Hatfill angeblich aus eigenem Engagement weiter an der Entwicklung des Biowaffen-Mobils und hielt später auch eine Reihe von Ausbildungskursen für die Delta Force ab.

Mehr über die merkwürdige Unterscheidung von defensiven und offensiven Biowaffen in unserem >Biowaffen-Steckbrief.

>>>Infos zur Biowaffenforschung in den USA
>>>Infos zur Hatfill-Affäre
28.07.2003