Global reicht nicht - der Weltraum muss es sein

Innovative Aufrüstung mit großen Zielen

Die Strategen im US-Kriegsministerium haben sich nach den Erfahrungen im Irak innovative Gedanken gemacht. Wie kann man die "Verteidigung" US-amerikanischer Interessen in aller Welt noch effektiver gestalten? Wie der Irak-Krieg zeigt, wird man nicht als "Befreier" empfangen. Und selbst ein Blitzkrieg-Sieg schützt nicht vor zunehmenden Verlusten nach dem Krieg. Und die bergen immer die Gefahr, dass die Unterstützung in der eigenen Bevölkerung für Kriegsabenteuer nachläßt oder sogar in eine Anti-Kriegs-Haltung umkippt. Die innovative Lösung: Strategien und Waffen, mit denen man künftige Kriege verlustfrei vom eigenen Territorium aus überall in der Welt führen kann.

Unter dem Projektnamen FALCON (Force Application and Launch from the Continental) hat die Pentagon-Forschungsagentur DARPA die Entwicklung zweier neuartiger Waffen in Auftrag gegeben. In den kommenden sieben Jahren sollen Raketen konstruiert werden, die von einer Umlaufbahn aus 500 Kilo-Sprengköpfe auf irdische Ziele lenken sollen. Die US-Militärs zeigen sich beeindruckt. So schreibt das Militärjournal Jane's Defence Weekly: Man könnte sogar den Sprengstoff sparen, denn die Geschosse aus Titanium würden durch die extreme Geschwindigkeit allein schon eine enorme Zerstörung samt weit reichender Druckwelle erzeugen. (Wie verträgt sich das mit der angeblichen Zielstzung, "punktgenau" nur militärische, aber keine zivilen Ziele zu treffen?)

Ein zweites Waffenprojekt betrifft ferngesteuerte Drohnen, die mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit jeweils sechs Tonnen Sprengstoff in jedes Ziel transportieren sollen und möglicherweise sogar wiederverwendet werden können.
Das Ziel dieser Projekte wird deutlich hervorgehoben. Mit solchen Luft- und Weltraumwaffen wäre die Supermacht USA nicht mehr länger auf die Mitwirkung von Verbündeten, auf deren Basen und Nachschublinien angewiesen. Natürlich handelt es sich im Planspiel bei diesen Zielen stets um feindliche Länder und "terroristische Organisationen". Deshalb finden diese Waffenpläne die Zustimmung der Bush-Gruppe, deren Traum ein "hegemoniales Amerika" ist, das ohne Rücksicht auf andere handeln kann. US-Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice fand dafür am 26. Juni bei einem Meeting am International Institute for Strategic Studies die Wort: "Multipolarität ist früher ein notwendiges Übel gewesen."

Ob die hochfliegenden Pläne der Militärs Wirklichkeit werden? Niemand kann das sagen. Aber es geht hier nicht um das Drehbuch zu einem schlechten James-Bond-Film. Hier geht es um offzielle strategische Pläne des großen transatlantischen Bruders, Und dass solche Pläne ganz offziell entwickelt und in einer ersten Erprobungsphase schon getestet werden, zeigt die Richtung an, in der es gehen soll. Alle störenden Konflikte weltweit sollen durch die US-Regierung militärisch kontrolliert, gegebenenfalls militärisch zerschlagen werden.

Abschlußfrage an alle Terrorismus-Bekämpfer: Wie nennt man eigentlich eine Organisation, die darauf hinarbeitet, jeden beliebigen Ort der Welt innerhalb von 2 Stunden verwüsten zu können, ohne dass eine Abwehr möglich wäre?
Wer sich einen Eindruck von der Denkweise der US-Militärs verschaffen will, kann das anhand eines Planungspapiers der DARPA tun, das zwar als Teil der Aussendarstellung vor allem auf "Nettigkeit" und "ökonomische Effizienz" abzielt, bei dem aber die Pervertierung wissenschaftlicher Erkenntnisse zwischen allen Zeilen steht.

06.07.2003